Kardinal Marx: Soziale Medien als Herausforderung sehen

06.03.2015 •

Die katholische Kirche in Deutschland will sich stärker in die Debatte um die gesellschaftlichen Folgen des digitalen Wandels einbringen. Die „digitale Revolution“ sei unumkehrbar, erklärte Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, am 26. Februar in Hildesheim. Marx verwies auf Fragen etwa des Datenschutzes bei der Nutzung von sozialen Medien wie Facebook und Twitter. Der Kardinal äußerte sich zum Abschluss der diesjährigen Frühjahrs-Vollversammlung der Bischöfe, die vom 23. bis 26. Februar in Hildesheim stattfand.

Im Rahmen ihrer Zusammenkunft beschäftigten sich die insgesamt 66 Mitglieder der Bischofskonferenz insbesondere mit den sozialen Medien und deren Chancen und Potenzialen, aber auch die von ihnen ausgehenden Gefahren. Dazu war ein entsprechender Studientag angesetzt worden, an dem auch Monsignore Paul Tighe, Sekretär des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, teilnahm. Als Referenten dabei waren außerdem der Sozialethiker und Kommunikationswissenschaftler Alexander Filipović (Hochschule für Philosophie, München), der Pastoraltheologe Matthias Sellmann (Universität Bochum) und Ansgar Mayer, studierter Theologe und Chief Product Officer der ‘Computer-Bild Digital GmbH‘ (Berlin).

Kardinal Marx ging auch in seinem schriftlichen Pressestatement zur Frühjahrs-Vollversammlung auf die sozialen Medien ein. Unter Verweis auf die Äußerungen der Experten warnte er, die „entstandenen und entstehenden ausgeklügelten Infrastrukturen der Überwachung und der Vorhersage könnten negative Folgen für das Menschsein – insbesondere die Kommunikationsfreiheit – haben. Kommunikation und Medienrezeption finden zunehmend in einer rein ökonomischen, datengetriebenen Infrastruktur statt. Menschliche Entscheidungsfreiheit ist bedroht, wenn sie durch Vorhersagealgorithmen ersetzt wird.“

Authentische Präsenz und Offenheit

Zugleich hob Marx hervor, dass die sozialen Medien keine Bedrohung darstellten, sie seien vielmehr eine Herausforderung. Die Menschen sollten keine Scheu davor haben, die sozialen Medien zu nutzen. Über Plattformen wie Facebook und Twitter könnten sie in einer Gemeinschaft in Beziehung zueinander treten. Ihm sei durch die Diskussion beim Studientag deutlich geworden, so Marx in dem schriftlichen Pressestatement weiter, „dass die in der digitalen Welt vorfindbare Kommunikation auf Augenhöhe mit den theologischen Grundprinzipien der katholischen Lehre gut zusammenpasst“.

Monsignore Tighe betonte, die Kirche müsse in der digitalen Welt präsent sein. Es gehe dabei um eine authentische Präsenz und Offenheit. In der digitalen Kommunikation seien ein interaktiver Stil und eine multimedial geprägte, einfache Sprache nötig. Ansgar Mayer machte in seinem Vortrag vor den Bischöfen deutlich, dass sich in der digitalen Welt eine neue „Augenblicks-Kultur“ entwickelt habe. Menschen seien ständig auf der Suche nach Antworten, die sie möglichst umgehend erhalten wollten. Motive für die Nutzung wie der Wunsch nach Zugehörigkeit, Partizipation, Orientierung, Idealismus, Kontakt und Identitätsmanagement seien auch für die Kirche von Bedeutung. Alexander Filipović beschrieb die umfassende Änderung des Selbst- und Weltverständnisses der Menschen im Zuge der Digitalisierung. Die Kirche solle dieses Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums verstehen und deuten. Aus Sicht von Matthias Sellmann braucht heutige Glaubenskommunikation, was soziale Medien ermöglichten: Meinungsfreiheit, Kommunikation auf Augenhöhe und Erfolg mit Geschichten. Sie böten auch die Chance, die Vermittlung der Botschaft neu zu lernen.

06.03.2015 – MK

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