Deutsche Welle: Umbau zum globalen Informationsanbieter

06.12.2013 •

Peter Limbourg, der neue Intendant Deutschen Welle (DW), will bei der Auslandsrundfunkanstalt das journalistische Profil deutlich schärfen. Er wolle den Sender künftig als „globalen Informationsanbieter aus Deutschland“ positionieren, erklärte Limbourg in der Sitzung des DW-Rundfunkrats am 22. November in Bonn, wie die Deutsche Welle mitteilte. Dem Gremium erläuterte der Intendant an diesem Tag seine Eckpunkte zum Umbau des Auslandssenders, die zuvor die DW-Geschäftsleitung in einer Klausurtagung am 18. und 19. November festgelegt hatte. Limbourg leitet die Auslandsrundfunkanstalt seit dem 1. Oktober in der Nachfolge von Erik Bettermann (vgl. FK-Meldung).

Die Reformpläne von Peter Limbourg billigte der Rundfunkrat einmütig. Dessen Vorsitzender Valentin Schmidt erklärte, der Intendant habe „bereits sieben Wochen nach seinem Amtsantritt ein überzeugendes Konzept vorgelegt, damit die Deutsche Welle auch in Zukunft erfolgreich ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen kann“. In dem Konzept sei der von Amtsvorgänger Erik Bettermann eingeschlagene Kurs weiterentwickelt und die Strategie neu akzentuiert worden. Der Rundfunkrat begrüße „insbesondere, dass die Kräfte gebündelt werden und die Nachrichtenkompetenz ausgebaut wird. Dies wird die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Auslandssenders nachhaltig stärken“, so Valentin Schmidt.

Ziel: Top 3 der Auslandssender

Die nun beschlossenen Eckpunkte bilden die Grundlage dafür, um in den kommenden Wochen die Aufgabenplanung der Deutschen Welle für die Jahre 2014 bis 2017 auszuarbeiten. Die Aufgabenplanung, deren Erstellung das DW-Gesetz vorschreibt, müssen die Senderverantwortlichen im Frühjahr 2014 als Entwurf der Bundesregierung und dem Bundestag vorlegen. Die Reformpläne hatte Intendant Limbourg den DW-Mitarbeitern vor der Rundfunkratssitzung in einem im Intranet des Senders veröffentlichten Brief näher erläutert. Darin schreibt er, die bisher von der DW definierte Zielgruppe der „Informationssuchenden“ sei „zu unscharf, um unsere Angebote darauf ausrichten zu können“.

Künftig wende sich die Deutsche Welle an „Entscheider und Teilnehmer an der politischen Meinungsbildung“, so Limbourg weiter. Hierzu zählten zum Beispiel „Studenten und Gruppen, die zivilgesellschaftliche Prozesse in unfreien Gesellschaften vorantreiben“. Von der DW erwarte diese Zielgruppe „die deutsche und europäische Perspektive auf die globale Nachrichtenagenda und lokale und nationale Ereignisse und Entwicklungen“.

Die Geschäftsleitung des Senders hat sich laut Limbourg außerdem auf drei zentrale Unternehmensziele verständigt. Erstens will die Deutsche Welle „die Relevanz der Angebote“ für die neu festgelegte Zielgruppe steigern. Zweitens soll die Reichweite auf allen Plattformen insbesondere in der Zielgruppe deutlich ausgeweitet werden, und zwar von derzeit 101 Mio auf 150 Mio regelmäßige Nutzer im Jahr 2017. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die Deutsche Welle drittens „eine Spitzenposition unter den Auslandssendern erreichen und in die Top 3 aufrücken“.

Emotionaler und lockerer

Um diese Ziele umzusetzen, will Limbourg die Deutsche Welle zu einem Sender umbauen, der „die weltweite Nachrichtenagenda abdeckt, stark in Hintergrund und Analyse aus deutscher und europäischer Perspektive ist und seine Regionalkompetenz deutlich sichtbarer macht – verstärkt auch im linearen Fernsehen“. Die zentrale Devise des neuen Intendanten lautet aber: „Online first“. Alle Inhalte sollen unmittelbar im Netz verfügbar sein, nicht erst nach der Fernseh- oder Radioausstrahlung. Daher will Limbourg, der ausgebildeter Journalist ist und von der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe zur Deutschen Welle wechselte, die Planungs- und Produktionsabläufe bei der DW auf das Prinzip „plan once – publish everywhere“ umstellen.

Es gehe auch darum, führte der Intendant in seinem Brief aus, dass die Deutsche Welle „mehr eigene Themen“ setze und „damit zur weltweiten Nachrichtenagenda“ beitrage. Englisch als Lingua franca der internationalen Entscheider werde „zum zentralen Angebot“ ausgebaut. Die englischsprachigen DW-Angebote müssten konkurrenzfähig sein. Deutsch als Sendesprache bleibe indes unverzichtbar, hob der DW-Intendant hervor. Deutschsprachige Inhalte gebe es weiterhin im Fernsehen und im Internet-Angebot der Deutschen Welle. Im deutschsprachigen TV-Programm sollen die Nachrichten mehr Sendezeit erhalten. Bei den Informationsangeboten will Limbourg, der zum 1. November bereits die zuvor bestehenden zwei DW-Programmdirektionen fusionierte (vgl. FK-Heft Nr. 45/13), stärker mit ARD und ZDF zusammenarbeiten.

Der Bund, der für die Deutsche Welle zuständig ist, und die Bundesländer als verantwortliche Gesetzgeber für die öffentlich-rechtlichen Inlandssender hatten sich im Juli dieses Jahres darauf verständigt, dass die drei Anstalten stärker als bisher miteinander kooperieren (vgl. FK-Heft Nr. 25/13). Zusätzlich wurde damals vereinbart, dass ARD, ZDF und DW künftig außerdem gemeinsam Inhalte produzieren, die dann in den Inlands- und auch in den Auslandsprogrammen ausgestrahlt werden können. Wie dies künftig konkret ablaufen könnte, ist bisher aber nicht bekannt.

Um das journalistische Profil der Deutschen Welle zu stärken, plädiert Peter Limbourg für einen „mutigen Journalismus, der eine klare Haltung vermittelt“. Nötig seien „gut erzählte Geschichten nicht nur über Missstände, sondern auch über Erfolge in der Welt“. Beim Fernsehen müssen Limbourg zufolge „Machart, Moderation und Anmutung der Sendungen“ stärker auf die Gewohnheiten der Zielgruppe zugeschnitten sein: „Unser Programm muss emotionaler und lockerer werden.“ Dabei sei es auch wichtig, schreibt der Intendant in seinem Brief, dass man Moderatoren und Reporter habe, die als „DW-Gesichter“ für den Sender stünden.

Wegfall einzelner Sendesprachen?

Die nun ausgegebenen Ziele der Deutschen Welle erscheinen zum Teil äußert ambitioniert, wenn man die knappe Finanzausstattung des Senders betrachtet. Der Bund stellt bisher jährlich rund 271 Mio Euro zur Verfügung, was bescheiden ist im Vergleich zu den Etats anderer internationaler TV-Nachrichtensender wie etwa CNN aus den USA. Dass Union und SPD, die zusammen die neue Bundesregierung bilden wollen, den DW-Etat deutlich erhöhen werden, erscheint nicht unbedingt realistisch, auch wenn die Parteien in ihrem Koalitionsvertrag diesen Passus verankert haben: „Die Deutsche Welle ist eine wichtige Stimme Deutschlands in der Welt und muss dauerhaft und spürbar gestärkt werden.“

Es dürfte für die Deutsche Welle vielmehr darauf ankommen, durch Etatumschichtungen Investitionen zu ermöglichen, um ihre Ziele zu erreichen. So kündigt Peter Limbourg in seinem Schreiben an die Mitarbeiter an, man müsse sich „auf das Wesentliche konzentrieren“. Die letzte verbliebene Kurzwellen-Relaisstation der Deutschen Welle in Kigali soll deshalb mittelfristig geschlossen werden. Es würden nun auch „klare regionale Prioritäten gesetzt“, wobei es hier insbesondere darum geht, für welche Regionen künftig welche Art von Inhalten produziert werden soll. Nicht auszuschließen ist offenbar, dass einzelne der bisher 30 Sendesprachen wegfallen. Bis Anfang Februar 2014 sollen die Zielregionen priorisiert werden. Durch den Ausbau der Vermarktung von Werbezeiten, die seit 1997 möglich ist, will Limbourg zusätzliches Geld in die Kasse der Deutschen Welle holen. Eine kostengünstigere Produktionsinfrastruktur soll außerdem den finanziellen Spielraum erhöhen.

06.12.2013 – vn/FK

Gebäude der Deutschen Welle in Bonn

Foto: da/MK


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