ARD: „Tagesthemen“ werden ab Januar 2006 vorverlegt, Magazine gekürzt

17.06.2005 •

Die ARD wird die „Tagesthemen“ ab Januar 2006 von montags bis donnerstags ab 22.15 Uhr und damit um 15 Minuten früher als bisher ausstrahlen. Damit haben die neun ARD-Intendanten auf ihrem Treffen am 13. und 14. Juni in Bremen ein schon seit längerem diskutiertes Reformprojekt (vgl. FK-Heft Nr. 5-6/05) endgültig beschlossen. Freitags werden die „Tagesthemen“ weiterhin um 23.15 Uhr gesendet, so wie es seit dem 11. März 2005 schon praktiziert wird. Infolge der Verlegung des „Berichts aus Berlin“ vom Freitag auf den Sonntag (vgl. FK-Heft Nr. 9/05) laufen im Ersten seit Mitte März freitags ab 20.15 Uhr zwei 90-minütige Filme hintereinander. Danach beginnen die „Tagesthemen“ um 23.15 Uhr. Der jetzige Beschluss der Intendanten für die Reform des Abendprogramms fiel mit deutlicher Mehrheit. Zum genauen Abstimmungsergebnis schwieg man sich bei der ARD aber aus.

Wegen der Vorverlegung der „Tagesthemen“ an vier Werktagen wird die ARD die bislang am Montag und Donnerstag ausgestrahlten 45-minütigen Politmagazine um ein Drittel auf künftig 30 Minuten kürzen. Auch das dienstags laufende Wirtschaftsmagazin „Plusminus“ (bisher 21.55 bis 22.30 Uhr) muss 10 Minuten seiner Sendezeit abgeben, damit die „Tagesthemen“ entsprechend vorgezogen werden können. Ab dem kommenden Jahr zeigt die ARD „Plusminus“ in der Zeit von 21.45 bis 22.15 Uhr. Auf dem gleichen Sendeplatz läuft mittwochs künftig die halbstündige Reportage-Reihe „ARD-exclusiv“, die seit dem 11. März wegen des geänderten Abendprogramms am Freitag nicht mehr ausgestrahlt wird.

„Plusminus“ wird zum „Torso“

Das bislang 18-mal im Jahr auf dem Mittwochstermin (21.45 bis 22.30 Uhr) gesendete Magazin „W wie Wissen“ wird ab 2006 als 30-minütiges Format jeden Sonntag um 17.00 Uhr ausgestrahlt. Auf welchen Sendeplatz dann die sonntäglichen ARD-Ratgebermagazine, die derzeit zu dieser Zeit zu sehen sind, verschoben werden, ist bislang noch unklar. Darüber müsse innerhalb des Senderverbundes noch diskutiert werden, erklärte Bernhard Möllmann, Sprecher der ARD-Programmdirektion, am 15. Juni gegenüber der FK.

Die ARD-Intendanten sind mit ihren Beschluss zur Vorverlegung der „Tagesthemen“  und der damit verbundenen Kürzung der sechs Politmagazine und von „Plusminus“ – trotz deutlicher Kritik aus Öffentlichkeit, Fachverbänden und den betroffenen Redaktionen (vgl. FK-Heft Nr. 23/05) – erwartungsgemäß dem drei Wochen zuvor getroffenen Votum der Fernsehdirektoren der Landesrundfunkanstalten gefolgt. Das insbesondere vom WDR propagierte Alternativmodell, zwei Politmagazine mit jeweils einer Stunde Sendezeit und nur vier in 30-minütiger Länge („2+4-Modell“) auszustrahlen, konnte in Bremen nicht mehr durchgesetzt werden.

ARD-Programmdirektor Günter Struve, der die Vorverlegung der „Tagesthemen“ vorgeschlagen hatte, hofft nun auf deutlich mehr Zuschauer für das Nachrichtenmagazin, das künftig direkt nach dem Ende des konkurrierenden ZDF-„Heute-Journals“ beginnen wird. Struve verweist auf Erhebungen der ARD-Medienforschung, der zufolge zwischen 22.15 und 22.30 Uhr 3 Mio Menschen ins Bett gehen. Einen großen Teil dieses Zuschauerpotenzials will die ARD nun künftig für die „Tagesthemen“ gewinnen. 

Die Politmagazine „Report Mainz“ (SWR), „Report München“ (BR) und „Fakt“ (MDR), die jeweils montags laufen, sowie „Panorama“ (NDR), „Monitor“ (WDR) und „Kontraste“ (RBB), die donnerstags ausgestrahlt werden, haben nun ab 2006 pro Jahr durch die Kürzung insgesamt rund 20 Stunden weniger Sendezeit zur Verfügung. Die Ausstrahlungszeit der Magazine wird im nächsten Jahr möglicherweise vereinheitlicht, so dass alle sechs Sendungen jeweils um 21.45 Uhr im Programm wären. Noch allerdings ist offen, ob ein solcher Beschluss in der ARD erreichbar ist. Zur Zeit beginnen die am Montag ausgestrahlten Magazine um 21.00 Uhr; die Donnerstagssendungen haben bereits 21.45 Uhr als Anfangszeit. Die ARD-Wirtschaftsreihe „Plusminus“, die im unregelmäßigen Wechsel jeweils vom BR, HR, SR, MDR, NDR, SWR und WDR produziert wird, muss künftig auf mehr als acht Stunden Programmfläche verzichten.

Neues Design für Nachrichtensendungen

Vor der ARD-Intendantensitzung in Bremen hatten die sieben „Plusminus“-Redaktionsleiter ihre jeweiligen Intendanten noch in gleichlautenden Briefen aufgefordert, einer Kürzung des Wirtschaftsmagazins nicht zuzustimmen. Bei einer Reduzierung der Sendezeit von 35 auf 25 Minuten werde das Magazin zum „Torso“ und müsse zugleich mit einem erheblichen Zuschauerschwund rechnen, weil es ab 2006 parallel zum „Heute-Journal“ des ZDF gesendet werden müsse, hieß es in den Schreiben.

Die ARD wird die „Tagesthemen“ sowie die „Tagesschau“, das „Nachtmagazin“ und den „Wochenspiegel“, also die Sendungen der Redaktion ARD-aktuell, ab dem 20. Juni (Montag) mit einem überarbeiteten Design präsentieren. Das auffälligste Detail der Änderungen ist dabei, dass die Moderatoren und Sprecher nicht mehr wie bisher auf einem Stuhl Platz nehmen, sondern im Stehen moderieren werden. „Der Tisch im Studio wird deutlich erhöht“, teilte die ARD dazu mit, „bei Bedarf können sich die Mitglieder des Sprecher- und Moderationsteams auf eine gepolsterte Lehne stützen“. Der Nachrichtentisch im ARD-aktuell-Studio beim NDR in Hamburg-Lokstedt habe künftig eine helle, leuchtende Front und „die Form eines geschwungenen ‘U’, das sich zum Betrachter hin öffnet und für Tiefe sorgt“. Das bisherige Erscheinungsbild der ARD-Fernsehnachrichten war seit Jahresbeginn 1997 nahezu unverändert auf Sendung. Das neue Design für die Nachrichtensendungen des Ersten Programms wurde von der Hamburger Agentur DMC Hamburg entwickelt.

• Text aus Heft Nr. 24/2005 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

17.06.2005 – vn/MK