Wilfried Scharnagl // CSU,
früheres Mitglied im ZDF‑Fernsehrat

18.10.2018 • Der Politiker und Journalist Wilfried Scharnagl ist am 16. Oktober zehn Tage vor Vollendung seines 80. Lebensjahres gestorben. Scharnagl war Mitglied der CSU und 24 Jahre lang Chefredakteur der Parteizeitung „Bayernkurier“. Das 1950 gegründete Blatt erschien bis Mai 2015 wöchentlich und stellte dann auf monatliche Erscheinungsweise um, nicht zuletzt wegen erheblicher Auflagenverluste. Scharnagl galt als einer der wichtigsten Berater und Freunde des einstigen CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß (1915-1988). Bis zuletzt war Scharnagl Mitglied im Vorstand der CSU. Er war zudem Mitglied der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung und wurde mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Wilfried Scharnagl war auch 20 Jahre lang Mitglied im ZDF-Fernsehrat und dort Leiter des sogenannten schwarzen Freundeskreises (Unionsanhänger, einschließlich FDP). Er schied aus dem Gremium im Frühjahr 2002 aus. Der ZDF-Fernsehrat stellte 2003 fest, dass Scharnagl als früheres Fernsehratsmitglied gegen die ZDF-Satzung verstoßen habe, da er dem Fernsehrat einen Beratervertrag mit der Münchner Kirch-Gruppe verschwiegen habe, deren TV-Programme (Pro Sieben, Sat 1) in Konkurrenz zum ZDF stünden. Dass Scharnagl diesen Vertrag nicht dem Gremium angezeigt habe, sei ein Verstoß gegen den ZDF-Staatsvertrag (§ 21 Abs. 9) gewesen. Scharnagl hatte sich damals damit entschuldigt, er sei für den Medienkonzernchef Leo Kirch nur gelegentlich tätig gewesen. Diesem Argument konnte der Fernsehrat nicht folgen (vgl. FK‑Heft Nr. 7/03). Scharnagl war auch mehrere Jahre lang Mitglied der Jury des Bayerischen Fernsehpreises.

18.10.2018 – MK
Wilfried Scharnagl (1938-2018) Foto: Radio Bremen/„3 nach 9“

Print-Ausgabe 23/2018

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