Streitbarer Journalist und Romantiker

Zum Tod des früheren „Monitor“-Chefs Klaus Bednarz

Von Reinhard Lüke
15.04.2015 •

Klaus Bednarz ist tot. Der langjährige und mehrfach preisgekrönte Fernsehjournalist starb am Abend des 14. April (Dienstag) in Schwerin. Nach seinem Studium in Hamburg, Wien und Moskau und seiner Promotion über den Schriftsteller Anton Tschechow wandte sich Klaus Bednarz dem Journalismus zu. So arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) zunächst als Kulturredakteur, bevor er 1971 als Korrespondent ins Studio Warschau wechselte, das er bis 1997 leitete. Anschließend berichtete er als Leiter des dortigen ARD-Studio Moskau fünf Jahre lang aus Russland, bevor er 1982 ein Jahr lang der ersten Moderatorenriege der ARD-„Tagesthemen“ angehörte, für die er auch in der Folgezeit regelmäßig als Kommentator auf dem Bildschirm erschien. 1983 übernahm Bednarz dann die Redaktionsleitung und Moderation von „Monitor“ (WDR), das er bis zum seinem Abschied 2001 zum profiliertesten Politmagazin der ARD ausbaute, das eine ganze Reihe von Skandalen aufdecken konnte.

WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich, einst Nachfolgerin von Bednarz bei „Monitor“, erklärte zum Tod des Journalisten: „Klaus Bednarz war ein Anker für alle, die sich für Menschenrechte, Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen. Für ihn nie nur Beiwerk oder Sonntagsrede. Eine starke Stimme, die fehlen wird.“ Für seine Arbeit wurde Bednarz mehrfach geehrt, unter anderem mit dem Grimme-Preis und der Carl-von-Ossietzky-Medaille für Zivilcourage und journalistische Sorgfalt. Nach seinem Ausstieg bei „Monitor“ arbeitete Klaus Bednarz bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2007 als Chefreporter und Sonderkorrespondent des WDR. In dieser Funktion drehte er mehrteilige Reisedokumentationen, die ihn unter anderem an den Baikalsee, nach Alaska und Patagonien führten. In diesem Filmen konnte man den Mann, der als „Monitor“-Moderator stets mit gestrenger Miene, Hornbrille und Pullover aufgetreten war, plötzlich als melancholischen Romantiker erleben. Wer ihn persönlich kennerlernte, durfte diese Erfahrung bereits früher machen. So wenig Klaus Bednarz ein Mann für den lockeren Smalltalk war, mutierte er bei einem Zigarillo in kleiner Runde doch zum Erzähler unterhaltsamer Anekdoten, in denen seine Ironie auch vor Strukturen und Hierarchen der ARD nicht haltmachte.

Ein Mann der klaren Positionen

Tom Buhrow, früher selbst Fernsehjournalist und nun Intendant des WDR, für den Klaus Bednarz sein ganzes Berufsleben gearbeitet hat, sagte zum Tod des renommierten Kollegen: „Mit Klaus Bednarz verlieren wir einen der bedeutendsten deutschen Fernsehjournalisten. Klaus Bednarz war ein unbeugsamer Fürsprecher für Mensch und Umwelt. Er war Vorbild für kritischen, unerschrockenen Journalismus. Unter seiner Leitung entwickelte sich ‘Monitor’ zu einem Magazin, das auf dem Gebiet des investigativen Journalismus Herausragendes und Richtungsweisendes geleistet hat und leistet. In Erinnerung bleiben werden aber auch seine packenden Dokumentationen und Reisereportagen. Klaus Bednarz war mit Leib, Seele und messerscharfem Verstand Journalist – und ein feiner Mensch. Wir sind sehr traurig, dass er nicht mehr bei uns ist.“

Nach seiner Pensionierung zog sich Klaus Bednarz, der zuletzt in einem Dorf bei Schwerin lebte, weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und erschien nur noch selten auf dem Bildschirm. Doch seine raren Auftritte machten deutlich, dass er auch im Alter ein Mann der klaren Positionen blieb. So bezeichnete er im September 2009 in einer Ausgabe der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ Sahra Wagenknecht als „Neo-Stalinistin“. Womit er sich prompt eine Unterlassungsklage der Linken-Politikerin einhandelte. Vor dem Hamburger Oberlandesgericht gewann der streitbare Journalist den Prozess, wie er nahezu alle anderen gewonnen hatte, in die er in seinem langen Berufsleben verwickelt war. Klaus Bednarz, 1942 in Falkensee bei Berlin geboren, wurde 72 Jahre alt.

15.04.2015/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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