Reformen umgesetzt

Peter Limbourg als Intendant der Deutschen Welle für eine zweite Amtszeit gewählt

Von Volker Nünning

28.09.2018 • Bei der Deutschen Welle (DW) ist Intendant Peter Limbourg im Amt bestätigt worden. Der DW-Rundfunkrat wählte den amtierenden Intendanten am 28. September in seiner Sitzung in Berlin mit großer Mehrheit wieder. Limbourg sei „im ersten Wahlgang ohne Gegenstimme für weitere sechs Jahre“ bestätigt worden, gab die Deutsche Welle in einer Pressemitteilung bekannt. Der 58-jährige Limbourg, der seit Oktober 2013 in der Nachfolge von Erik Bettermann (SPD) an der Spitze der Deutschen Welle steht, war der einzige Kandidat bei der Intendantenwahl (vgl. MK-Meldung).

Die Wahl fand nun ein Jahr vor Ablauf von Limbourgs erster sechsjähriger Amtsperiode statt, die noch bis zum 30. September 2019 läuft. Seine zweite Amtszeit beginnt dann am 1. Oktober 2019 und endet am 30. September 2025. Bevor Limbourg zur Deutschen Welle kam, die vom Bund aus Steuergeldern finanziert wird, arbeitete er ab Anfang der 1990er Jahre als Journalist für die privaten Fernsehsender Sat 1 und Pro Sieben. Später übernahm der studierte Jurist als Chefredakteur die Leitung des von der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe gegründeten Nachrichtenkanals N24 (heute: Welt). Im Jahr 2010 wurde Limbourg Informationsdirektor der Sendergruppe; außerdem war er von 2008 bis zu seinem Wechsel zur Deutschen Welle Hauptmoderator der Sat-1-Nachrichten um 20.00 Uhr.

Ohne Gegenstimme bestätigt

Der Vorsitzende des DW-Rundfunkrats, Prälat Karl Jüsten, erklärte anlässlich der Wiederwahl des Intendanten, dass Peter Limbourg in seiner ersten Amtsperiode „entscheidende Veränderungen und dringend nötige Innovationen durchgesetzt“ habe, „die für die Sicherung der Zukunft der DW im internationalen Wettbewerb unerlässlich waren“. Die Deutsche Welle stehe als „Deutschlands Auslandssender jetzt so gut da wie nie und hat global an journalistischer Bedeutung enorm zugelegt“. Der Rundfunkrat freue sich, Limbourg „weiterhin bei seiner erfolgreichen Arbeit zu begleiten“, so Jüsten.

Kultur- und Medienstaatsministerin Monika Grütters (CDU) begrüßte, dass Limbourg wiedergewählt wurde: Der Intendant habe „aus seiner hochprofessionellen journalistischen Erfahrung heraus die Deutsche Welle als einen unabhängigen, weltoffenen und meinungsstarken deutschen Auslandsrundfunk neu akzentuiert. Mit zum Teil weitgehenden Reformen hat er in den vergangenen fünf Jahren die Deutsche Welle erfolgreich auf den Weg zu einem global agierenden digitalen Medienunternehmen gebracht.“

Peter Limbourg dankte dem Rundfunkrat „für das große Vertrauen, das in dem Votum zum Ausdruck kommt“. Dies sei „eine hervorragende Grundlage, die DW in den nächsten Jahren international noch weiter voranzubringen“, so Limbourg, der sich ebenfalls bei den Führungskräften und Mitarbeitern der Deutschen Welle für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit bedankte.

Unter der Leitung von Peter Limbourg haben sich die Nutzerzahlen der DW-Angebote im Fernsehen, Hörfunk und Internet in den vergangenen Jahren deutlich erhöht (die DW produziert redaktionelle Inhalte in insgesamt 30 Sprachen). Bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt bei der Auslandsrundfunkanstalt hatte Limbourg einen ehrgeizigen Reformprozess mit dem zentralen Ziel entworfen, die Deutsche Welle zum „globalen Informationsanbieter aus Deutschland“ umzubauen. Als Zielgruppe wurden „Entscheider und Teilnehmer an der politischen Meinungsbildung“ ausgemacht, etwa „Studenten und Gruppen, die zivilgesellschaftliche Prozesse in unfreien Gesellschaften vorantreiben“.

Ehrgeiziger Umbauprozess

Die bis 2013 in den Blick genommene Zielgruppe der „Informationssuchenden“ hielt Limbourg nicht für passend, da sie zu unscharf definiert sei. Gemäß seiner Strategie legte die DW den Fokus nun auf redaktionelle Inhalte in Englisch, der Lingua franca der internationalen Entscheider. Solche Angebote wurden deutlich ausgebaut – was in der Bundespolitik auch kritisch gesehen wurde, nicht zuletzt da es im DW-Gesetz heißt: „Die Angebote der Deutschen Welle werden in deutscher Sprache sowie auch in anderen Sprachen verbreitet.“ Darüber, dass sich die DW schwerpunktmäßig auf englischsprachige Inhalte konzentriert, gibt es aber heute keinen grundsätzlichen Dissens zwischen der Bundesregierung und dem Sender.

Zentraler Bestandteil von Limbourgs Reformkurs, der vom Rundfunkrat und vom Verwaltungsrat des Senders einhellig mitgetragen wird, war dementsprechend der Aufbau eines englischsprachigen TV-Informationskanals. Unter dem Namen DW (englische Aussprache) startete im Juni 2015 ein solches Programm, das die Deutsche Welle seither als ihr „journalistisches Flaggschiff“ betrachtet. In ihrem im Februar 2018 veröffentlichten Evaluationsbericht für das Jahr 2017 verweist die Deutsche Welle darauf, dass der englischsprachige TV-Informationskanal 2016 in 320 Mio Haushalten weltweit empfangbar gewesen sei. Damit sei das Programm „ähnlich gut distribuiert wie BBC World News“. Im Zuge der Neuausrichtung führte die Deutsche Welle auch den englischsprachigen Senderslogan „Made for minds“ ein.

Kurz nach seinem Amtsantritt hatte Limbourg drei Ziele ausgegeben, die bis 2017 erreicht werden sollten. Dabei ging es erstens darum, die Relevanz der DW-Angebote für die neu festgelegte Zielgruppe zu steigern. Zweitens sollte die Reichweite über alle Plattformen erhöht werden, und zwar von bisher 101 Mio (2013) auf 150 Mio wöchentliche Nutzer im Jahr 2017. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte die Deutsche Welle drittens „eine Spitzenposition unter den Auslandssendern erreichen und in die Top 3 aufrücken“ – somit also letztlich mit den Sendern CNN und BBC World News konkurrieren.

Adäquate Finanzierung durch den Bund

Diese selbstgesteckten Ziele seien erreicht worden, konstatierte die Deutsche Welle im Februar in ihrem Evaluationsbericht. Die journalistischen Angebote hätten „dank höherer Relevanz und verbesserter Verbreitung“ wöchentlich im Jahr 2017 durchschnittlich 157 Mio Menschen weltweit erreicht. Mit fast all ihren Sprachangeboten sei „die DW unter den Top 3 der internationalen Informationsanbieter“. Ausnahmen bildeten zwei Angebote für Subsahara-Afrika: das französischsprachige Radio- und Online-Angebot sowie das Online-Angebot in Haussa. Dass die DW-Angebote aber auch die internationale Medienagenda stärker prägen, wie als weiteres Ziel in der Aufgabenplanung für die Jahre 2014 bis 2017 verankert wurde, davon kann, soweit hierzulande wahrnehmbar, nicht unbedingt die Rede sein.

Der von Limbourg eingeleitete Reformprozess erstreckte sich auch darauf, zentrale Leitungspositionen bei der Sendeanstalt neu zu besetzen. Programmdirektorin wurde Gerda Meuer, Verwaltungsdirektorin Barbara Massing – wodurch zugleich der Frauenanteil auf der obersten DW-Führungsebene deutlich erhöht wurde. Außerdem wurden trimediale bzw. crossmediale Produktions- und Arbeitsprozesse übergreifend eingeführt. Eine Zeitlang setzte die Deutsche Welle auch darauf, in ihren digitalen Angeboten verstärkt „emotional ansprechenden Content“ zu verbreiten – von einer solchen Devise ist in der Aufgabenplanung für die Jahre 2018 bis 2021 nicht mehr die Rede. Seinen Reformkurs verband Limbourg frühzeitig mit der Forderung, der Bund müsse die Finanzierung der Auslandsrundfunkanstalt verlässlich und aufgabenadäquat sicherstellen. Im Herbst 2014 hatte der Intendant mehrere drastische Einsparszenarien für den Fall präsentiert, dass der Bund nicht zusätzliches Geld für die Deutsche Welle bereitstellt. Diese Szenarien lösten erhebliche Unruhe und Proteste in der Mitarbeiterschaft aus. Die Beschäftigten befürchteten unter anderem einen massiven Stellenabbau infolge der avisierten Einstellung bestimmter Programmangebote (vgl. FK-Heft 50/14).

Abstand zur BBC

Zu all dem kam es nicht, da der Bund mehr Geld für die Deutsche Welle bewilligte und in den folgenden Jahren den Zuschuss sukzessive erhöhte. Das hatte auch damit zu tun, dass Intendant Limbourg – mit Rückendeckung seiner Gremien – die entscheidenden Akteure in der Bundespolitik davon überzeugen konnte, sich für Budgetanhebungen einzusetzen. Im Jahr 2013, in dem Limbourg die Leitung der DW übernahm, erhielt der Auslandssender aus dem Etat des damaligen Kultur- und Medienstaatsministers Bernd Neumann (CDU) 277 Mio Euro. Bis 2018 stieg das Budget, das aus dem Etat von Neumanns Nachfolgerin Monika Grütters kommt, auf 326 Mio Euro (jeweils ohne Projektgelder, die die DW noch zusätzlich aus weiteren Bundesministerien erhält).

Für 2019 will die Bundesregierung von CDU/CSU und SPD das Budget der DW aus dem Etat von Staatsministerin Grütters auf 350 Mio Euro aufzustocken. Sollte Ende 2018 der Bundestag dem zustimmen, würde die Auslandsrundfunkanstalt – mit zusätzlichen Projektgeldern aus weiteren Bundesministerien – im nächsten Jahr über einen Etat verfügen, der sich dem annähert, was in Frankreich der Auslandsrundfunk erhält: 389 Mio Euro bekommen die Sender TV 5 Monde, France 24, Radio France Internationale und Monte Carlo Doualiya derzeit vom französischen Staat. Der Abstand zum World Service der britischen BBC, der über ein jährliches Budget von umgerechnet 523 Mio Euro verfügt, wäre aber weiterhin groß.

28.09.2018/MK