Er prägte die katholische Medienarbeit

Zum Tod des früheren Medienbischofs Friedrich Ostermann

Von Martin Thull

25.10.2018 • „Wir sind immer mehr vernetzt, aber immer weniger verwurzelt.“ Dies war eine Erkenntnis, die Weihbischof Friedrich Ostermann immer wieder anführte. Aus ihr wurde die Sorge spürbar, dass das Ergebnis der sich immer rasanter entwickelnden Medienwelt am Ende nicht mehr menschenfreundlich und menschendienlich sein könnte. Es war eine Sorge, die sein Wirken als Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz von 2001 bis 2006 umtrieb. Aber auch vorher, als er nur ‘einfaches’ Mitglied dieses Beratergremiums war (1981 bis 2001). Dass er als Weihbischof Vorsitzender der Publizistischen Kommission und damit „Medienbischof“ der katholischen Kirche wurde, zeigt, welch hohes Ansehen er mit seiner Fachkompetenz in der Vollversammlung der Bischöfe genoss.

Friedrich Ostermann wurde am 21. Juni 1932 in Münster (Westfalen) geboren. Er studierte in seiner Heimatstadt und in Bonn Theologie. Im Jahr 1958 empfing er die Priesterweihe. Danach war er als Kaplan und Vikar in Hamm, Emsdetten, Senden und Telgte tätig, ehe er 1969 Pfarrer und 1975 Dechant in Rheine wurde. Er war in Westfalen verwurzelt. Im Jahr 1981 ernannte Papst Johannes Paul II. Ostermann zum Weihbischof. Über die Region Münster-Warendorf hinaus war er auch für die Fachstelle ‘Mission und Entwicklung’ und die Ökumene-Kommission im Bistum Münster verantwortlich. Ostermann hatte mit der Vollendung seines 75. Lebensjahres am 21. Juni 2007 seinen Rücktritt als Weihbischof beim Papst eingereicht. Mitte Juli nahm Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch an und ernannte Franz-Josef Overbeck zum neuen Weihbischof von Münster. 2009 wurde Overbeck Bischof von Essen.

Ethisch orientierte Programmgestaltung

Friedrich Ostermann galt als dialogfreudiger und volkstümlicher Seelsorger mit viel Mutterwitz. Als Medienbischof kümmerte er sich unter anderem darum, die katholische Journalistenschule Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) und die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) für die Zukunft auszurichten. Zudem war ihm die Stärkung der Bistumspresse ein Anliegen. Unter seiner Verantwortung als Medienbischof ging 2005 auch das Internetportal katholisch.de online. Ostermanns Aufmerksamkeit galt allen Medien, von den Zeitungen über Hörfunk, Film und Fernsehen bis hin zum Internet. Nicht zuletzt das in Köln ansässige Katholische Institut für Medieninformation (KIM) förderte er seinerzeit nach Kräften. Dessen Publikationen „Funkkorrespondenz (heute: „Medienkorrespondenz“), „Filmdienst“ und „Fernsehdienst“ nutzte er für seine eigene Urteilsbildung. Peter Hasenberg, Vorsitzender der Katholischen Filmkommission, erinnert in einem Nachruf auf Ostermann: „Dem ‘Filmdienst’ galt sein besonderes Interesse. Auch nach seiner Emeritierung war er immer an der Entwicklung der kirchlichen Medienarbeit interessiert.“ Ostermann war zu verdanken, dass im KIM (das bis 2003 existierte) zeitweise ein eigener Dienst zur Begleitung des Kinderfernsehens und seiner möglichen Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung herausgegeben wurde.

Seine Sorge um die Auswirkungen der Medien auf Gesellschaft und Individuum wurde auch 1997 in der gemeinsamen Erklärung der beiden christlichen Kirchen deutlich, die eine ethisch orientierte Medienpolitik und Programmgestaltung forderte (vgl. FK-Meldung). Neben umfangreichen grundsätzlichen Überlegungen zu „Chancen und Risiken der Mediengesellschaft“ – so der Titel des von einer Kommission erarbeiteten Dokuments – sprachen sich die Autoren beispielsweise für eine Verringerung des politischen Einflusses in den Aufsichtsgremien der Rundfunkanstalten aus, befürworteten eine Stärkung von Einrichtungen der Medienselbstkontrolle und forderten „Kinderwerbeschutzzeiten“. Gerade Letzteres dürfte die Handschrift von Ostermann getragen haben, der gemeinsam mit dem evangelischen Kirchenpräsidenten Peter Steinacker (Darmstadt) den Vorsitz der zwölfköpfigen Kommission hatte.

Die Erklärung war wegweisend und wollte ein Beitrag zur „gesellschaftlichen Diskussion“ sein. Sie wandte sich an Medienpolitiker in Parteien und Medienverbände, an Programmanbieter und Journalisten, an das Publikum und vor allem an die, die in der Erziehung Verantwortung tragen. Das entsprach Ostermanns Grundanliegen: im Gespräch mit allen bleiben, nicht indoktrinieren, sondern den für alle am besten gangbaren Weg finden.

Friedrich Ostermann prägte die katholische Medienarbeit über Jahrzehnte. „Kirche muss in den Medien präsent sein“, davon war er überzeugt. Dass gerade auch die katholische Presse es seit der Jahrtausendwende, im Digitalzeitalter und angesichts von Auflagenverlusten im Printsektor immer schwerer haben würde, das war ihm bewusst. „Aber ich glaube, es lohnt sich wirklich, für sie zu kämpfen. Die Menschen sind interessiert an vernünftiger Hintergrundinformation. Und sie suchen Organe, die glaubwürdig sind.“ So zitierte ihn die katholische Kirchenzeitung „Kirche + Leben“ in Münster.

Anerkannt auch im kirchenfernen Bereich

Ostermann machte sich selbst ein Bild. Martin Scorseses umstrittenen Film „Die letzte Versuchung Christi“ (1988) schaute er sich an, bevor er sich dazu äußerte. Ganz im Gegensatz zu vielen Aktivisten in seiner Kirche, die ihr Urteil fällten, ohne den Film überhaupt zu kennen. Das war Ostermanns Sache nicht. Er setzte sich gerne mit anderen Meinungen auseinander, konnte zuhören. Und er gab immer wieder Anregungen, das eine oder andere zu erproben. All das bedeutete für ihn, nicht engherzig auf seinem Standpunkt zu verharren, sondern im Dialog nach einer gemeinsamen Basis zu suchen. Allerdings gab es eine Voraussetzung: Auch der Dialogpartner musste sich auf einen offenen Meinungsaustausch einlassen. „Er war immer intensiv darum bemüht, dass Gedanken nicht nur erörtert, sondern auch in die Tat umgesetzt werden. Mit der reinen Theorie wollte er sich nicht begnügen“, so charakterisierte ihn sein Vorgänger als Medienbischof, Hermann Josef Spital aus Trier, in einem Beitrag in der „Funkkorrespondenz“ zu Ostermanns 70. Geburtstag (vgl. FK-Artikel). Spital nannte Ostermann „einen Mann der Tatkraft, des Maßes und der menschlichen Beziehungen“.

Der Weihbischof scheute auch nicht das selbstkritische Wort. In einem Interview anlässlich seines diamantenen Priesterjubiläums im Februar 2018 antwortete er auf die Frage, was ihn an der Kirche genervt habe: „Immer wieder diese Langsamkeit, dieses Bei-allem-nur-Bedenken-haben. Wenn Neues kam, dann kamen die ganzen Bedenkenträger aus den Löchern.“ Man kann davon ausgehen, dass er seine Kirche liebte und ihr in all seinen Funktionen treu diente. Aber als aufrichtig Liebender litt er sicher auch an mancher Entwicklung. Mit ihm ist ein Mann gegangen, der auch im kirchenfernen Milieu anerkannt und als Ratgeber geschätzt wurde, weil er glaubwürdig im Denken und Handeln war.

„Ich wage wohl zu sagen: Es war nicht vergeblich.“ Mit dieser Aussage hatte der emeritierte Weihbischof noch im Februar 2018 anlässlich seines diamantenen Weihejubiläums sein 60-jähriges priesterliches Wirken bezeichnet. Am Morgen des 22. Oktober ist Weihbischof Friedrich Ostermann im Alter von 86 Jahren in Münster verstorben. Der Verstorbene wird am 2. November auf dem Domherrenfriedhof in Münster beigesetzt. Das Pontifikalrequiem ist an diesem Tag um 15.00 Uhr im Paulus-Dom in Münster.

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Martin Thull war von 1990 bis 2001 Geschäftsführer und Chefredakteur des KIM.

25.10.2018/MK
Friedrich Ostermann (1932-2018) Foto: KNA