Die Herrin der Gemeinde

Zum Tod der langjährigen ARD‑Pressesprecherin Margret Trapmann

Von Karl-Otto Saur
23.12.2016 •

23.12.16 MK  Zwei Tage vor Weihnachten kam die Nachricht in einem grauen Umschlag. Eine besonders vornehm gestaltete Weihnachtskarte war meine erste Vermutung. Auch der Inhalt grau gedruckt. Doch es waren keine Festtagswünsche. Es war eine Todesanzeige: Margret Trapmann war am 12. Dezember im Alter von 83 Jahren gestorben.

Zum ersten Mal begegnete ich Margret Trapmann im August 1975. Hans Abich, der Programmdirektor der ARD, hatte in München zu einem sommerlichen Abend in das Lokal „Reitschule“ am Englischen Garten eingeladen, um Arbeit und Vergnügen zu verbinden. Ich selber hatte kurz vorher die Stelle als Medienredakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“ angetreten. Sie, die Presschefin der ARD, sorgte an dem Abend dafür, dass ich in die gar nicht so kleine Gemeinde der Medienjournalisten aufgenommen wurde. Mein erster Eindruck von ihr: Sie flatterte. Ein bisschen zu bunt angezogen, auch im Gespräch alles im Blick behaltend, dirigierte sie die ihr anvertraute Gesellschaft. Sie schien jeden im Raum gut persönlich zu kennen. Und es gab Momente, in denen man den Eindruck hatte, sie sei die Gastgeberin und nicht der schmale, vornehme und kluge Hans Abich.

Wie Margret Trapmann an diesem Münchner Abend in ihrer Rolle agierte, das war in Wirklichkeit kein Wunder. Neben ihrem Studium der Philosophie hatte sie eine journalistische Ausbildung bei der „Bonner Rundschau“ und publizistische Auslandserfahrungen in Portugal gemacht.

1963 begann sie als Mitarbeiterin bei der „Funkkorrespondenz“ (der jetzigen „Medienkorrespondenz“), deren verantwortliche Redakteurin sie 1968 wurde. Von dort holte sie dann zwei Jahre später der damalige ARD-Programmdirektor Lothar Hartmann nach München, wo die Programmdirektion bis heute ihren Sitz hat. 28 Jahre lang übte sie ihre Position bei der ARD, beim Ersten Programm aus: Sie diente nach Hartmann dessen Nachfolgern Hans Abich, Dietrich Schwarzkopf und Günter Struve als Pressesprecherin. Ihr half, dass sie beide Seiten kannte. Sie diente ihren Direktoren, aber sie diente auch der Presse. Sie war so etwas wie die Herrin der Gemeinde. Ihr Temperament sorgte dafür, dass das nicht immer alles spannungsfrei verlief. Das traf manchmal ihre Vorgesetzten, aber auch ihre Mitarbeiter. Doch sie arbeitete stets in der festen Überzeugung, dass es der öffentlich-rechtliche Rundfunk wert war, verteidigt zu werden.

Ihre Neugier und ihre Lernbereitschaft ließen auch nach ihrer Pensionierung nicht nach. Margret Trapmann, die am 2. Februar 1933 in Essen geboren wurde, in Düsseldorf-Oberkassel Abitur machte und in Bonn und Lissabon, studierte, hatte ihr Leben lang die Welt bereist, oft unter den widrigsten Umständen. Und als sie mit 65 Jahren in Pension ging, begann sie in München mit zwei Altersfreunden ein Studium generale.

23.12.2016/MK

Print-Ausgabe 24/2019

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