Das Fernsehen hat ihnen viel zu verdanken

Zum Gedenken an Bernd Eichinger, Michael Lion und Fritz Raff

Von Dietrich Leder
04.02.2011 •

Die letzte Januar-Woche war eine Woche der erschreckenden Todesmeldungen, die viele in der Film- und Fernsehbranche für mehr als einen Moment innehalten ließen.

Am 24. Januar starb in Los Angeles Bernd Eichinger im Alter von 61 Jahren an einem Herzinfarkt. Eichinger war seit 1974 als Produzent für das Kino und das Fernsehen tätig gewesen. Dabei hat er den Spielfilm in der Bundesrepublik Deutschland wie kein anderer Produzent vor ihm geprägt. Das lag zum einen an seiner Professionalität, mit der er Projekte initiierte, vorwärtstrieb, mit dem notwendigen Geld ausstattete und dann mit hinreichender Werbung auf dem Markt platzierte. Das lag zum anderen an der Leidenschaft, mit der er sein Geschäft betrieb. Eichinger, der einst in München an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) Regie studiert hatte, sah das Produzieren immer auch aus der Sicht eines Regisseurs. Er, dem der leise Auftritt eher fremd war, hatte ein gutes Gespür für das, was im Kino und im Fernsehen funktionierte. Aber er wagte sich auch regelmäßig an die Realisierung von Produktionen, bei denen vielleicht auch er selbst nervös wurde.

Am 25. Januar starb im Alter von 67 Jahren Michael Lion, der seit vielen Jahren den Sport im deutschen Fernsehen geprägt hatte. Er hatte das Handwerk als Sportjournalist bei der Tageszeitung „Der Abend“ gelernt, ehe er zum Fernsehen wechselte. Er arbeitete zunächst beim damaligen Sender Freies Berlin (SFB), dessen Sportredaktion er 1985 übernahm. Im Jahr 1992 wechselte er zum Privatsender Sat 1, wo er zusammen mit Reinhold Beckmann die neue Bundesliga-Fußballshow „ran“ aufbaute. Fünf Jahre später ging Lion als Sportchef zum privaten Konkurrenten RTL, ehe er 1999 zu Sat 1 als Sportdirektor zurückkam. In den Wirren des Niedergangs des Kirch-Konzerns, zu dem seinerzeit auch Sat 1 und das Deutsche Sportfernsehen (DSF) gehörten, das er zwischenzeitlich einmal interimistisch leiten musste, versuchte er die Qualitätsstandards, für die er stand, beizubehalten. In den letzten Jahren arbeitete der bedächtig wirkende Michael Lion, bei dem viele das Moderieren, Kommentieren und das Redaktionsmanagement gelernt haben, für die Internet-Plattform sportdigital.tv, die es derzeit verstärkt auch ins Fernsehen drängt.

Am 27. Januar starb im Alter von 62 Jahren Fritz Raff, der seit 1996 als Intendant dem Saarländischen Rundfunk (SR) vorstand. Raff hatte als politischer Tageszeitungsjournalist gearbeitet, ehe er sich gewerkschaftlich im Deutschen Journalisten-Verband (DJV) hauptberuflich engagierte. So arbeitete er sieben Jahre lang als dessen Hauptgeschäftsführer, eine Zeit lang war er zudem Chefredakteur der DJV-Zeitschrift „Journalist“. Nach einer Phase in der Politik, in der er als Bürgermeister einer Kreisstadt in Baden-Württemberg tätig war, ging er 1990 als Verwaltungsdirektor zum SR nach Saarbrücken. Fritz Raff war ein kommunikativer Mensch, war ein Intendant, der aus der Praxis kam und der sich mit aller Kraft in seinem eigenen Sender, aber auch nachhaltig in der ARD für das Programm einsetzte, ohne das Spiel mit der Politik blind zu ignorieren. Zu seinem großen Geschick gehörte es, so selbstverständlich aufzutreten und gleichzeitig geschickt im Hintergrund zu agieren, dass ein Zweifel an der Existenzberechtigung des kleinen Saarländischen Rundfunks nicht aufkommen wollte.

Bernd Eichinger, Michael Lion und Fritz Raff stehen für ein Fernsehen des Engagements, der Kompetenz und der Professionalität. Es hat ihnen viel zu verdanken.

• Text aus Heft Nr. 4/2011 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

04.02.2011/MK