Elfriede Gerstl: Sätze mit Haus und Haut (SWF 2)

Sprachspaßmacher

07.10.1971 •

Sprache an sich hat es den Hörspielautoren von heute angetan, nicht als dienendes Ausdrucks- und Verständigungsmittel, sondern als Studienobjekt. Die Variationsmöglichkeiten scheinen mir gering. Aus welchen Sprachbereichen man auch die Wortgruppen nimmt, die Analyse endet immer bei der Behauptung: Ausgehöhlt, entartet, institutionalisiert, vorurteilig repressiv. Der verbissene Ernst, mit dem das meistens nachgewiesen wird, wirkt längst nicht mehr kurzweilig.

Elfriede Gerstl aus Wien versucht nun einmal, das Thema von der heiteren Seite anzusteuern. Ihr wird in der gedruckten Programmerläuterung des Südwestfunks (SWF) bescheinigt, dass „Sätze mit Haus und Haut“ kein avantgardistischer Vorstoß in irgendein Neuland seien, sondern in erster Linie „Spaß machen wollen“. Aber der Spaß trat doch ziemlich windig auf. Elfriede Gerstl machte ihn sozusagen mit ernstem Bemühen und landete im alten Schema: ausgehöhlt, entartet, institutionalisiert, vorurteilig repressiv. Haus und Haut waren bald als Synonym für Eigentum (Haus), Erziehung (Schule), Gerechtigkeit (Justiz), Gesellschaft und Staat (Macht und Politik) enthüllt. Das Haus stürzte schon bald ein, unter Starfighter-Lärm, die Schule wackelte im aufständischen Pausenlärm und die Haut wurde mit Ohrfeigen, Maschinengewehrschüssen sowie ärztlicher und sonstiger Behandlung bedacht.

Aber es wackelte auch im Ernst keine Wand und nichts ging wirklich unter die Haut. Eine ziemlich trübselige Angelegenheit, die nur ein wenig gemütlicher, aber keinesfalls spaßiger wurde durch die Zuhilfenahme eines Gemischs aus „Pop-Musik und rhythmisch montiertem Testmaterial“. Das allerdings wurde nach Manfred Marchfelders Regieanweisung mit Geschick und Akribie gemacht. Eine „Hörsensation“, wie in der Ansage angekündigt, war das dennoch nicht.

• Text aus Heft Nr. 41/1971 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

07.10.1971 – Georg Krieger/FK