Ines Jacob/Jan Seemann: Der Kinomacher. Bernd Eichinger zum 50. Geburtstag (ARD/WDR)

Biedere Schreibtischarbeit

16.04.1999 •

Bernd Eichinger, Filmproduzent, Verleihchef, Großkinobetreiber, Regisseur, feierte am 11. April seinen 50. Geburtstag. Der Mann, dem die Kinogänger „Christiane F. – Die Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Die unendliche Geschichte“ sowie in neuerer Zeit die Literaturverfilmung „Das Geisterhaus“ und den Comic-Hit „Der bewegte Mann“ zu verdanken haben, ist in die Jährchen gekommen. Unvergessen seine Pokerdeals, mit denen er in Amerika Fuß fassen beziehungsweise US-Geld für deutsch-amerikanische Koproduktionen requirieren konnte, legendär seine Turnschuhauftritte auf filmischem Hochfinanzparkett. Auch immer eine Schlagzeile wert: Bernd Eichingers Frauengeschichten, die einfach zur Aura des nimmermüden Machers zu gehören scheinen.

Ein pralles Leben voller (Film-)Geschichte, Geschichten und Geschichtchen, das von Ines Jacob und Jan Seemann in ihrem Filmporträt „Der Kinomacher“ jedoch nur zögerlich vorgeführt wurde und dessen Aufzählung rasch ins wohlwollende Feuilleton einmündete, das niemandem wehtun mag, unterm Strich aber auch niemandem so richtig dient. Freunde, Mitarbeiter und Geschäftspartner kamen zu Wort, so die Regisseure Dieter Wedel und Uli Edel oder der Oscar-gekrönte Komponist Hans Zimmer. Und alle wussten sie von der Risikobereitschaft und dem manischen Arbeitswillen des Produzenten Eichinger zu berichten. Dass diese Eigenschaften unabdingbare Voraussetzungen zum Erfolg im Haifisch-Geschäft Film sind, wusste der halbwegs interessierte Zuschauer freilich auch schon vorher. So wurde der 45-minütige Film eigentlich nur dann interessant, wenn der Privatmann Eichinger mit äußerster Vorsicht eingebracht wurde, er sich auf seinem Gestüt tummeln durfte, die Tochter Nina etwas über die Extravaganzen des Vaters verlautbaren ließ oder die Münchner Filmkritikerin Ponkie über den Streit anlässlich ihres Verrisses der Eichinger-Produktion „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ befragt wurde.

Wirklich interessant war an diesem Porträt eigentlich nur festzustellen, was die Autoren alles ausgelassen oder nicht besonders hinterfragt haben. Die künstlerisch desaströsen Komödien „Werner Beinhart“ und „Ballermann 6“ wurden zum Beispiel nur ganz am Rande erwähnt – Kassenschlager, die Jacob und Seemann mit einem Feigenblatt zudeckten. Und gänzlich unerwähnt blieben die jüngsten Regieversuche des ehemaligen Studenten der Münchner Filmhochschule, der sich angesichts der gefloppten Sat-1-Reihe „German Classics“, die sich den Remakes „großer“ deutscher Filme der 50er Jahre verschrieben hatte, noch einmal in den Regiestuhl geschwungen hatte.

Was unterm Strich bleibt, ist eine biedere Schreibtischarbeit, die die Bedeutung eines wichtigen deutschen Kinomachers zwar würdigte, es jedoch nicht verstand, durch die Brüche in seiner Persönlichkeit seine wahre Größe herauszuarbeiten. Irgendwie ein verschenkter Termin, auch wenn es Bernd Eichinger in den vielen Interview-Szenen, die ihm eingeräumt wurden, gelang, das Bild vom hemdsärmeligen Macher in den Vordergrund zu stellen und kettenrauchend lakonische Bemerkungen zum Kinobetrieb einzuwerfen. Zur Situation des deutschen Films und zur Bedeutung Eichingers hat diese WDR-Produktion wenig beigetragen; sie hat sich auf die Ebene eines braven Geburtstagsständchens begeben, ohne das Interessante an der Person Eichingers tatsächlich ausloten zu wollen. Ein Kinoverrückter, der zeitweilig an 40 Projekten gleichzeitig beschäftigt ist, oder nur jemand, der ein glückliches Händchen hat und seine Schäflein ins Trockene bringen will, solange ihm das Schicksal hold ist?

• Text aus Heft Nr. 15/1999 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

16.04.1999 – Hans Messias/FK