Christopher Menaul: Killing Jesus (National Geographic Channel)

Starke Szenen, geläufige Szenen

05.04.2015 •

Immerhin ein Programmangebot, dass dem Feiertag gerecht wird, auch wenn eine erneute Verfilmung des Lebens Jesu nicht unbedingt besonders originell ist. Das US-amerikanische Sendeunternehmen Fox strahlt das aufwendige Historiendrama in Kino-Optik parallel in 171 Ländern und 45 Sprachen aus. Die Gemeinschaftsproduktion von National Geographic Channel, Scott Free Productions und Bill O’Reilly beansprucht laut Pressetext für sich, das Leben und Wirken des Jesus von Nazareth „erstmals“ im Kontext der intensiven politischen, sozialen und historischen Unruhen nachzuzeichnen, die letztendlich zum gewaltsamen Tod Jesu führten. Hierzulande läuft der Film beim zu Fox gehörenden deutschen Ableger des National Geographic Channel, der in den Netzen diverser Kabelanbieter und über den Pay-TV-Sender Sky zu empfangen ist.

Die Geschichte ist wohlbekannt, die Inszenierungen in Passionsspielen und Kinofilmen sind zahlreich. Gibt es also etwas Neues zu beobachten? Durchaus: Da ist einmal die Figur des Johannes des Täufers. Ihr wird über die gesamte erste Hälfte der gut zweistündigen Produktion Raum gegeben. Dass er in das Ränkespiel der Frauen um Herodes Antipas gerät, ist sein todbringendes Schicksal. Auch Judas, der Jesus verraten sollte, erhält mehr Raum als gewohnt. Es gibt zudem starke Szenen, wie etwa die mit der Ehebrecherin, die gesteinigt werden soll, wie es das Gesetz der Juden vorschreibt. Das Eingreifen Jesu verhindert die Hinrichtung.

Im Übrigen sind es meist geläufige Szenen, die ausgespielt werden – etwa die Heilung des epileptischen Jungen und später der aussätzigen Frau oder die Räumung des Tempels von den Geldwechslern und Taubenverkäufern. Das ist gefällig inszeniert, weitgehend treu den biblischen Texten folgend. Neu als Teil der Verfilmung sind hier eher die politischen Intrigen im Hintergrund, wenn die Hohen Priester Hannas und Kajaphas König Herodes und den römischen Statthalter Pilatus zu Komplizen machen.

Wohltuend ist die Zurückhaltung der Inszenierung, die nicht alles erklären will, sondern manches nur anspielt und es der Phantasie des Zuschauers überlässt, sich den Fortgang der Geschichte vorzustellen. Das betrifft zum Beispiel den Kindermord in Bethlehem oder später die Geißelung Jesu. Auch Spektakuläres wie der überlieferte Bericht über Jesu Wandlung über das Wasser des Sees Genezareth bleibt aus. Merkwürdig sind allerdings gelegentlich die erkennbar angeklebten Bärte, was eher an Schultheateraufführungen denken lässt denn an eine aufwendige US-Produktion. Schnelle Orts- und Szenenwechsel machen die gut 125 Minuten wenngleich nicht unbedingt kurzweilig (was angesichts des Stoffes auch nicht angemessen wäre), so doch leicht konsumierbar.

Leider traut sich auch diese Produktion nicht an die Kindheit Jesu heran. Dabei wäre doch gerade diese Zeitspanne von rund 20 Jahren reizvoll, weil sie Rückschlüsse auf das spätere Wirken des Mannes aus Nazareth zulassen könnte. Spekulation, gewiss. Aber vielleicht eine Erklärung, woher er die vielen Gleichnisse aus der Landwirtschaft herleitete, woher seine Kenntnisse der Heiligen Schrift der Juden stammten und wie er in seiner Familie vom Kind zum Mann reifte, der mit seiner Botschaft die Menschen über 2000 Jahre bis heute bewegt. Im Film werden diese Jahre schlicht übersprungen – nach der Flucht vor den Nachstellungen des Herodes kommt nach zwölf Minuten der Titel des Films, um dann gleich in die Zeit des öffentlichen Auftretens zu wechseln.

„Killing Jesus“ basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Bill O’Reilly und Martin Dugard und ist nach den beim Emmy prämierten Historiendramen „Killing Kennedy“ und „Killing Lincoln“ die dritte Kooperation dieser Produzenten. Die Rolle des Jesus von Nazareth spielt Haaz Sleiman, seine Gegenspieler Herodes und Pilatus werden von Kelsey Grammer und Stephen Moyer dargestellt, die Regie führte Christopher Menaul („The Forsythe Saga“, Serie, 2002; „Vaterland“, 1994). Nach der globalen Premiere des Films als rund zweistündiges TV-Event an Ostern zeigt National Geographic Channel „Killing Jesus“ ab dem 10. April jeweils freitags um 21.50 Uhr auch als dreiteilige Mini-Serie.

05.04.2015 – Martin Thull/MK

Bekannte Geschichte: Doch es gibt durchaus Neues zu beobachten

Foto: Screenshot


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