11 Freunde TV. Fußballmagazin mit Philipp Köster und Jessy Wellmer (RBB Fernsehen)

Testsendungen

17.10.2014 •

Dass eine neue Sendung Zeit braucht, um sich zu entwickeln, ist nicht ungewöhnlich. Dass sich die ersten zwei Ausgaben eines neuen Formats enorm voneinander unterscheiden, ist hingegen schon ungewöhnlich. Dies war der Fall beim Fußballmagazin „11 Freunde TV“, das moderiert wird von der seit Anfang September auch in der ARD-„Sportschau“ zu sehenden Jessy Wellmer und von Philipp Köster, dem Chefredakteur jener Zeitschrift, die „11 Freunde TV“ ihren Namen gab. Das Dritte Programm RBB Fernsehen testete das neue Format im Abstand von sieben Wochen mit zwei jeweils 30-minütigen Ausgaben in seinem Programm.

Die erste Sendung im August stand im Zeichen des damals unmittelbar bevorstehenden Starts der Erstliga-Saison 2014/15. Als Interviewgäste waren Ex-Nationalspieler Arne Friedrich und der dem FC St. Pauli zugeneigte Musiker Thees Uhlmann eingeladen. Ein Gespräch kam in der „FC Magnet Bar“ – einer Berliner Kneipe, in der die Sendung aufgezeichnet wird – aber nicht zustande. Die Akteure wirkten hölzern, viele Formulierungen einstudiert. Dass die Interviewpassagen hastig montiert wurden, erwies sich zusätzlich als kontraproduktiv. Offenbar ging hier der Wunsch nach einer modernen Bildsprache nach hinten los. Noch schlimmer waren die satirischen Gehversuche: etwa ein Puppentheaterstück mit Pappfiguren, in dem unter anderem der im Sommer vom Hamburger SV zu Bayer Leverkusen gewechselte Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu veräppelt wurde. In einem separaten Beitrag musste auch der derzeit arbeitslose Torwart-Profi Tim Wiese (Werder Bremen, 1899 Hoffenheim) als Witzopfer herhalten. Diese Filme hatten bestenfalls den Charme einer Projektwoche Fernsehen an einer kleinstädtischen Realschule.

Es gab in der Debütausgabe nur einen einzigen sendefähigen Beitrag – den über langjährige HSV-Fans, die gerade einen eigenen Verein gegründet haben, weil sie sich mit der Ausgliederung der Hamburger Profi-Fußballabteilung in eine Aktiengesellschaft und den damit verbundenen Verlust an Mitbestimmung nicht abfinden wollen. In diesem Beitrag war auch der „Spirit“ der Zeitschrift „11 Freunde“ spürbar. Die bietet seit 14 Jahren aus der Perspektive des Stadiongängers einen teilweise branchenkritischen Fußballjournalismus; das Monatsblatt greift zahlreiche Themen auf, die im trotz aller Modernisierungsansätze weiterhin biederen Fußballfachblatt „Kicker“ keine Chance haben.

Die zweite Sendung erwies sich dann aber als großer Schritt nach vorn. Der Humor zum Beispiel wurde jetzt sparsamer dosiert. Verbesserungsbedarf gibt es in diesem Bereich jedoch weiterhin, denn die Titelmelodie der „Sendung mit der Maus“ in ironischer Absicht einzusetzen, wie es in einem Beitrag über die neue spielstrategische Idee des „geplanten Fehlpasses“ geschah, ist nun wahrlich nicht originell. Nachdem die beiden Moderatoren in der ersten Ausgabe noch bemüht gewesen waren, möglichst oft den Vereinsnamen Hertha BSC Berlin zu erwähnen – eine Konzession offenbar an den Standort des RBB –, bekam man den regionalen Bezug in der Oktober-Ausgabe souveräner hin: mit einem Film über das Magazin „No Dice“, das in englischer Sprache über den Berliner Amateurfußball berichtet. Die Zeitschrift sei „eine Liebeserklärung an Berlin“ und der Fußball lediglich ein Vehikel dafür, erläuterte dabei einer der Blattmacher. An den Film über die abtrünnigen HSV-Supporter aus der ersten Sendung knüpfte ein Beitrag über die Fanszene von Austria Salzburg an – ein Verein, den Anhänger 2005 neu gründeten, nachdem der Limonandekonzern Red Bull die alte Austria übernommen und deren Geschichte für ausradiert erklärt hatte.

Auch bei den Interviewpassagen zwischen den Filmen waren Fortschritte zu erkennen. Die Wortwechsel mit den Gästen Christian Heidel, Manager von Mainz 05, und dem Schriftsteller Axel Hacke hatten nun zumindest formal Gesprächscharakter. Inhaltlich war das Gesagte allerdings unergiebig, was sich an Formulierungen wie „Die schöne neue Fußballwelt kommt ja doch sehr kalt und kapitalistisch daher“ (Moderatorin Wellmer) ablesen lässt. Wenn man „11 Freunde TV“ sieht, lernt man das Magazin „Sport Inside“ des WDR Fernsehens schätzen, das nicht nur ohne Gäste auskommt, sondern auch ohne Moderation.

Ob weitere Sendungen von „11 Freunde TV“ (Produktion: Riesenbuhei Entertainment) folgen werden, ist noch unklar. Ein ähnliches Testverfahren mit einer neuen Sportsendung hat das NDR Fernsehen mit „Wumms! Die Sportshow“ praktiziert, von der zum Ende der vergangenen Fußballsaison eine Folge lief (vgl. FK 21/14). In letzterem Fall steht mittlerweile fest, dass es weitergeht: Im Dezember dieses Jahres  läuft eine zweite Ausgabe.

(MK; erschienen damals in „Funkkorrespondenz“ Nr. 42/2014)

17.10.2014 – René Martens/FK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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