WDR-Ausstieg bei der 3sat-Sendung „nano“? Offener Brief freier Wissenschaftsautoren an den WDR-Rundfunkrat und an WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn

26.06.2015 •

Im Folgenden dokumentieren wir einen offenen Brief freier Wissenschaftsautoren des WDR, die damit Plänen des öffentlich-rechtlichen Senders entgegentreten wollen, seine Beteiligung an der bei 3sat ausgestrahlten Wissenschaftsreihe „nano“ aus Gründen des Sparens aufzugeben. • MK

Sehr geehrte Mitglieder des Rundfunkrates,
sehr geehrter Herr Schönenborn,

wir arbeiten als Autoren für Wissenschaftsformate im WDR. Viele von uns erstellen auch Beiträge für die aktuelle Redaktion der Sendung nano im WDR. Mit großer Bestürzung haben wir alle die Nachricht aus einem der anderen ARD‐Häuser aufgenommen, der WDR wolle seine Beteiligung an der 3sat-Sendung nano beenden. Aus unserer Sicht hätte ein solcher Schritt fatale Folgen, insbesondere für die weitere Erfüllung des Programmauftrages in den Bereichen Information und Bildung.

Mit der Beteiligung an nano schafft der WDR ein Programm, das tagesaktuell und kompetent Wissenschaftsthemen in einem extrem breiten inhaltlichen Spektrum bedient. Ob Pharmaskandal, Klimakonferenz oder neue Flüchtlingsströme – aktuelle gesellschaftliche Ereignisse erfordern immer wieder Antworten aus der Wissenschaft. Die sehr gute Zusammenarbeit der beteiligten Sendeanstalten von ZDF, SWR, RBB, MDR, RB, HR und SRF ist ein Paradebeispiel dafür, wie öffentlich‐rechtliche Rundfunkanstalten effektiv und konstruktiv zusammenarbeiten und die Gebührengelder einem Programm zugute kommen, das im Dienste dieses gesellschaftlichen Bedarfes, im Dienste des Informations‐ und Bildungsauftrages steht.

Der hohe Qualitätsstandard der nano‐Beiträge entsteht durch eine gewachsene aktuelle Wissenschafts‐Redaktion innerhalb des WDR, in Zusammenarbeit mit den anderen beteiligten Rundfunkanstalten. Tägliche Themenkonferenzen mit den Kollegen der anderen Sender bündeln die Kompetenzen der beteiligten Redakteure und Autoren. Sie kommen der Gewichtung unserer Themen, ihrer Auswahl und Umsetzung zugute und ermöglichen ein Programm, das in seinen konkreten Inhalten und seiner Aktualität in anderen, monothematischen Magazinformaten nicht stattfinden kann.

Alle Beiträge, die im Rahmen von nano durch den WDR produziert werden, sind nordrhein‐westfälische Forschungsgeschichten. Wo WDR draufsteht, ist immer NRW drin. Sämtliche dieser Beiträge stellt die Redaktion unmittelbar nach Fertigstellung aktiv dem gesamten WDR-Programm zur Verfügung. Und sämtliche Beiträge werden – ebenfalls unmittelbar nach Fertigstellung – auf den Plattformen wdr.de und der facebook‐Präsenz der PG Wissenschaft verbreitet. Damit verbinden gerade die jüngeren Nutzer aktuelle, relevante Wissenschaftsthemen mit dem WDR – ganz im Sinne der Leuchtturm‐Funktion der PG Wissenschaft.

Ein Rückzug des WDR würde die Sendung nano so empfindlich treffen, dass ein Weiterbestehen äußerst fraglich ist. Gemeinsam mit Zweitverwertungen aus den Sendungen W wie Wissen und Quarks und Co bestreitet der WDR durch Exklusivbeiträge 60 % des gesamten ARD‐Anteils an nano. Durch einen Rückzug wäre nicht nur ein renommiertes Format gefährdet, an dessen Erfolg der WDR einen maßgeblichen Anteil hat. Auch das WDR‐Programm selbst würde einen erheblichen Verlust erleiden.

Wir bitten Sie dringend – bei allem Verständnis für die fälligen Sparmaßnahmen – die Beteiligung an nano nicht aufzugeben. Gemessen an der Einsparung eines Jahresbudgets von 250.000 Euro würde ein Ausstieg aus nano ein unverhältnismäßig großer Schaden bedeuten. (Offener Brief vom 24. Juni 2015)

26.06.2015 – MK

Print-Ausgabe 17/2019

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