Der Bayerische Fernsehpreis 2017: Gerhard Polt mit Ehrenpreis ausgezeichnet

02.06.2017 •

02.06.2017 • Am Abend des 19. Mai (Freitag) wurden im Rahmen einer feierlichen Fernsehgala im Prinzregententheater in München die Auszeichnungen des Bayerischen Fernsehpreises 2017 vergeben. Den Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten erhielt der 75-jährige Kabarettist, Autor, Fernseh- und Filmschauspieler Gerhard Polt. Wie im vorigen Jahr verlieh stellvertretend für Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die bayerische Medienministerin Ilse Aigner (CSU) diese Auszeichnung; Aigner ist auch stellvertretende Ministerpräsidentin. Der Nachwuchspreis beim Bayerischen Fernsehpreis ging an Katrin Nemec für ihre Dokumentation „Vom Lieben und Sterben“, die im Dritten Programm BR Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die TV-Übertragung von der Verleihung des Bayerischen Fernsehpreises wurde in diesem Jahr von 3sat und dem ZDF produziert, Moderator war Steven Gätjen. Live war die Verleihung von 19.00 bis 21.05 Uhr bei 3sat zu sehen. Dort hatte sie 150.000 Zuschauer bei einem Marktanteil von 0,6 Prozent. Das ZDF zeigte die Aufzeichnung von der Preisverleihung dann noch einmal in der Nacht von Freitag auf Samstag von 0.55 bis 3.00 Uhr (160.000 Zuschauer, Marktanteil: 3,0 Prozent). Von den von der Jury vergebenen Preisen gingen neun an öffentlich-rechtliche und drei an private Programme. Der Bayerische Fernsehpreis wird seit 1989 von der bayerischen Staatsregierung „für herausragende Leistungen im deutschen Fernsehen“ vergeben und ist der höchstdotierte TV-Wettbewerb in Deutschland. Der Preis wurde jetzt zum 29. Mal verliehen, die Preissumme betrug in diesem Jahr insgesamt 120.000 Euro. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden neben der Geldprämie mit einem aus Porzellan bestehenden „Blauen Panther“ ausgezeichnet, dem Symbol des Bayerischen Fernsehpreises.  MK

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Der Blaue Panther

Bayerischer Fernsehpreis 2017: Gerhard Polt mit Ehrenpreis ausgezeichnet

• Im Folgenden alle Entscheidungen des Bayerischen Fernsehpreises 2016 und die Begründungen im Überblick:

Der Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten geht an Gerhard Polt für herausragende Leistungen im deutschen Fernsehschaffen.

Begründung der Jury:

Die Weisheiten vom Erwin und der Anni sind legendär. Gerhard Polt ist der Experte für das Leben in und die Wesensart der Bayern – und natürlich der bayerischen Landespolitik. Er zählt unbestreitbar zu den ganz Großen der deutschen Kulturszene. Mitte der 1970er Jahre wurden seine scharfe Beobachtungsgabe, seine Liebe zum Absurden und sein Talent als Geschichtenzähler entdeckt. Der Kabarettist, Satiriker, Bühnenkünstler und Autor tritt im Theater und in Fernsehsendungen auf, er schreibt Bücher und Drehbücher für Kino- und Fernseh­filme und ist sein eigener (Ko-)Regisseur und Hauptdarsteller. Dem Fernsehpublikum bekannt wurde er durch die Sketchreihe „Fast wia im richtigen Leben“. Es folgten Rollen in „Monaco Franze“, „Scheibenwischer“ und die Kinofilme „Kehraus“, „Man spricht deutsch“ und „Herr Ober“, die längst Klassiker geworden sind. Zu den zahlreichen Preisen, die Gerhard Polt im Laufe seiner Karriere erhalten hat, zählen der Adolf-Grimme-Preis, der Deutsche Filmpreis, der Jean-Paul-Preis, der Bayerische Kabarettpreis und der Kulturpreis Bayern.

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Der mit 10.000 Euro dotierte Nachwuchsförderpreis der LfA Förderbank Bayern geht an Katrin Nemec als Autorin und Regisseurin der Dokumentation Vom Lieben und Sterben (BR Fernsehen).

Begründung der Jury:

Er ist ein erfolgreicher Musiker und glücklich mit einer jungen Frau verheiratet – bis zu einem Verkehrsunfall, den er vom Kopf abwärts querschnittsgelähmt überlebt. Jahrelang kämpft das Paar, aber dann will er nur noch sterben. Die Sterbehilfe in der Schweiz hat er (gegen den Willen seiner Frau) vorbereitet. Doch dann rafft ihn eine Bronchitis, die er nicht behandelt haben will, dahin. Man kann es kaum glauben, dass dies ‘nur’ der Abschlussfilm einer Filmstudentin sein soll. Reif und stilsicher, wie eine ganz erfahrene Autorin, erzählt Katrin Nemec diese tragische Geschichte vom Sterben, aber auch vom Lieben. Ein einfühlsamer, immer wieder poetischer Dokumentarfilm, der große Nähe schafft, aber nie voyeuristisch wird.

Ein mit 10.000 Euro dotierter Bayerischer Fernsehpreis geht an Lars Friedrich als Autor und Regisseur der Dokumentation Schwermut und Leichtigkeit. Dietls Reise (BR Fernsehen).

Begründung der Jury:

Lars Friedrichs Porträt des großen Filmemachers, Regisseurs und Autors Helmut Dietl umfasst alle Facetten dieses unvergessenen Dialogkünstlers. Eingebettet in das letzte Interview zum 70. Geburtstag von Dietl zeichnet Lars Friedrich das Leben und das künstlerische Schaffen dieses Ausnahmekünstlers nach mit historischem Bildmaterial, Einblicken von Freunden und Weggefährten sowie mit wunderbaren Werkausschnitten. Neben der sensiblen Gesprächsführung überzeugt die Dokumentation durch eine außergewöhnliche Bildsprache und poetisch-humorvolle Texte. Entstanden ist ein Film, der liebevolle Hommage ist – und eine psychologische Annäherung an einen der wichtigsten bayerischen Film- und Fernsehregisseure der vergangenen Jahrzehnte.

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Ein mit 10.000 Euro dotierter Bayerischer Fernsehpreis geht an Carmen Butta und Gabriele Riedle als Autorinnen der Dokumentation Die heimliche Revolution – Frauen in Saudi-Arabien (ZDF).

Begründung der Jury:

Verschleierung, Fahrverbot und Religionspolizei: Irgendwie haben wir alle eine Vorstellung, dass das Leben der Frauen in Saudi-Arabien anders ist als in der westlichen Welt. Aber was diese und weitere Beschränkungen im Alltag bedeuten, wie sie das Privatleben und auch die Berufsausübung saudischer Frauen behindern, aber auch welche Möglichkeiten findige Frauen nutzen, um trotz strenger Vorschriften ihr Leben zu gestalten und durchaus erfolgreich auch mit Männern zu konkurrieren, zeigt uns dieser genau recherchierte und anschaulich gestaltete Beitrag von Carmen Butta und Gabriele Riedle. 

Am Beispiel von zwei Unternehmensberaterinnen, einer Anwältin, einer Chefredakteurin sowie von Politikerinnen und Dessousverkäuferinnen zeigen uns die Autorinnen, dass auch in Saudi-Arabien mehr geht, als man allgemein vermuten würde, auch wenn die Emanzipation nur mühsam und über viele Umwege vorankommt. Ein spannender Film, der neue Einblicke und Erkenntnisse über den Alltag einer islamistischen Gesellschaft verschafft und zugleich Hoffnung gibt, dass der Wandel auch dort – wenn auch mit sehr kleinen Schritten – vorankommen kann.

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Ein mit 10.000 Euro dotierter Bayerischer Fernsehpreis geht an Arndt Ginzel und Markus Weller als Autoren und Reporter des vom ARD-Magazin Fakt (MDR) produzierten Beitrags Spiel im Schatten – Putins unerklärter Krieg gegen den Westen (ARD/MDR) aus der Reihe Exclusiv im Ersten.

Begründung der Jury:

„Fake News“ ist das Schlagwort unserer Medienepoche. Gefälschte und verzerrte Nachrichten sind nicht nur Propaganda-Mittel in Wahlkämpfen von Parteien und Kandidaten. Gezielte Falschmeldungen werden mittlerweile wie Kriegswaffen genutzt. „Hybride Kriegsführung“ heißt das in der Sprache der Militärstrategen. Am Beispiel gezielter Desinformationskampagnen, die moskaugesteuerte Sender wie „Anna-News“ und „Russia Today“ in Deutschland betreiben, zeigen Arndt Ginzel und Marcus Weller Methoden der russischen Einflussnahme auf. Ihre sorgfältig recherchierte Reportage belegt eindrucksvoll, wie Kriege ohne formelle Kriegserklärung funktionieren und wie das Internet längst zum Schlachtfeld des 21. Jahrhunderts geworden ist.

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Ein mit 10.000 Euro dotierter Bayerischer Fernsehpreis geht an Felix von der Laden alias Dner als Presenter der Reportage Like or dislike? YouTuber Dner im US-Wahlkampf (Funk/ZDF).

Begründung der Jury:

Im Vorfeld der USA-Wahl reiste der YouTuber Dner durch die USA und interviewte junge Amerikaner, um zu erfahren, wie das junge Amerika tickt. Dabei traf er auf professionelle Gamer, auf YouTube-KollegInnen, auf Politiker, auf Schüler, auf Menschen, die sich auf unterschiedlichste Weise engagieren. Dass „Like or dislike?“ auch Monate nach der amerikanischen Wahl nichts an seiner journalistischen Qualität verloren hat, liegt an dem Presenter Felix von der Laden. Erfrischend offen und voller Neugierde stürzt er sich in das amerikanische Leben und findet für jeden seiner Interview-Partner einen eigenen persönlichen Zugang. Bestechend sind vor allem die Teamfähigkeit und die positive Grundhaltung, mit der dieser junge Presenter seine Arbeit ausübt, seine kommunikativen Fähigkeiten und sein Integrationstalent, unterschiedlichsten Menschen aus verschiedensten gesellschaftlichen Schichten zu begegnen. Wichtige Informationen und Hintergrundwissen werden geschickt, verständlich und visuell überraschend in den Beitrag eingeflochten, ein guter Sound bereichert die Audioebene und die Bildsprache zeigt stimmig und konsequent die großen Unterschiede von Land und Leuten. Eine überzeugende Performance dieses jungen Presenters und man wünscht sich mehr davon!

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Ein mit 10.000 Euro dotierter Bayerischer Fernsehpreis geht an Christian Schwochow als Regisseur des Fernsehfilms Die Täter – Heute ist nicht alle Tage (ARD/SWR/MDR/Degeto), dem ersten Teil der ARD-Spielfilmtrilogie Mitten in Deutschland: NSU.

Begründung der Jury:

Der Regisseur Christian Schwochow hat mit seiner Inszenierung „Die Täter“ dazu beigetragen, die „NSU“-Spielfilmtrilogie zu einem herausragenden Opus der Zeitgeschichte werden zu lassen und damit seine Regiekunst einmal mehr überwältigend unter Beweis gestellt. Schwochows Film bietet nicht nur gute Unterhaltung, sondern greift ein gesellschaftspolitisch brisantes Thema auf, das uns nachhaltig in Atem hält. Wir sind konfrontiert mit dem Erstarken rechtsextremistischer Strömungen, die spätestens durch die NSU-Morde eine beklemmende Aktualität angenommen haben. Im Nachzeichnen und schöpferischen Erzählen der Genese des Trios um Beate Zschäpe erarbeitet Schwochow anhand jahrelanger, sorgfältiger Recherchen ein Deutungsangebot, wie individuelle Lebenswege zur Radikalisierung junger Menschen in der rechten Szene führen können. 

In Zusammenarbeit der Autoren, Regisseure und Redakteure der „NSU“-Trilogie ist eines der außergewöhnlichsten Fernsehprojekte der letzten Jahre entstanden. Mit deren erstem Teil „Die Täter“ hat Christian Schwochow einen ganz wesentlichen Beitrag dazu geleistet, die eigentlich unerzählbare und verstörende Geschichte „Mitten in Deutschland: NSU“ zu erzählen und verstehen zu können.

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Ein mit 10.000 Euro dotierter Bayerischer Fernsehpreis geht an Daniela Knapp als Kamera­frau bei dem Fernsehfilm Katharina Luther (ARD/MDR/BR/SWR/Degeto).

Begründung der Jury:

Ein außergewöhnlicher Fernsehfilm, der sich dem Leben von Martin Luthers Ehefrau widmet und konsequent aus ihrer Perspektive erzählt wird. Das Konzept der Regisseurin (Julia von Heinz) und ihrer Kamerafrau (Daniela Knapp), ganz nah bei der Hauptfigur Katharina Luther zu bleiben, geht auf. Die Jury ist von diesem direkten, nahen und unausweichlichen Ansatz begeistert. Die konsequente Kameraführung von Daniela Knapp ist dabei ungewöhnlich und faszinierend zugleich. Daniela Knapp arbeitet elegant mit Licht, ob in Räumen oder in der Natur, ohne jemals die Figuren zu verlieren. Die Grenzen zwischen den Figuren und den Räumen scheinen aufgehoben. Selten konnte man durch Details so viel Hintergrund, durch Nähe so viel Ferne mitbetrachten. Dass die Farben mit der Malerei der Luther-Zeit spielen und gleichzeitig einen zeitgemäßen, fast zeitlosen Ansatz bieten, ist die große Kunst dieser wunderbaren Bildgestalterin. Die Bilder des Fernsehfilms „Katharina Luther“ bleiben dank der großartigen Kameraarbeit von Daniela Knapp in Erinnerung.

Ein mit 12.000 Euro dotierter Bayerischer Fernsehpreis geht an Martin Eigler, Sönke Lars Neuwöhner und Sven S. Poser als Autoren der Serie Morgen hör ich auf (ZDFneo).

Begründung der Jury:

Mit einer entwaffnenden Leichtigkeit erzählen uns die Autoren Martin Eigler, Sönke Lars Neuwöhner und Sven S. Poser die Geschichte eines auf Abwegen geratenen Familienvaters. Mit großer Ernsthaftigkeit und bestechender Natürlichkeit führen sie ihre Figuren an dramatische Abgründe und in komödiantische Höhen. Sie ersparen und schenken ihren Figuren und dem Zuschauer nichts. Und während sie das tun, spürt man ihre große Liebe zu eben diesen und zu einem Genre, das es gerne mal etwas schwerer hat in der deutschen Fernsehlandschaft: die Komödie. Und was wäre die Komödie ohne das große Drama. Nur die Besten ihres Fachs schaffen diesen Balanceakt zwischen Lachen, Weinen und Weinen vor Lachen. Er ist die Visitenkarte dieser Ausnahmetalente.

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Ein mit 10.000 Euro dotierter Bayerischer Fernsehpreis geht an Matthias Kowalski (Produktionsfirma Talpa Germany) als Executive Producer der sechsten Staffel der Unterhaltungsshow The Voice of Germany (Pro Sieben/Sat 1).

Begründung der Jury:

Eine Gesangs-Castingshow im deutschen Fernsehen erfolgreich zu starten ist eine beachtliche Leistung. Eine Gesangs-Casting Show über sechs Staffeln hinweg auf Topmarktanteilen zu halten, ist eine Kunst. Dieses Werk ist „The Voice of Germany“ gelungen. Die Coaches Samu Haber, Yvonne Catterfeld, Michi Beck und Smudo sowie Andreas Bourani haben es in der 6. Staffel mal wieder geschafft, die Zuschauer von Pro Sieben und Sat 1 mitzureißen und zu verzaubern. 

Die Kandidaten, in der Show „Talents“ genannt, werden von den Coaches nicht aufgrund ihrer Erscheinung ausgewählt, nein, bei „The Voice of Germany“ zählt in erster Linie der Gesang der Kandidaten. Und das ist, neben den wirklich guten Gesangskünsten, wohl der größte Unterschied zu allen anderen Castingformaten dieser Art. Bei „The Voice of Germany“ steht die Musik im Vordergrund. Aber auch die Art der Inszenierung unterscheidet sich von anderen Castingshows. Bei „The Voice of Germany“ geht es nicht darum die Kandidaten ‘am Nasenring durch die Manege zu führen’. Hier wird erfolgreich eine emotionale Bindung zwischen dem Zuschauer und den Kandidaten sowie zu dessen Coach aufgebaut. Der Zuschauer wird eingeladen, mit den Kandidaten mitzufiebern – gemeinsam mit deren Familien, die immer wieder in die Show integriert werden. Das ist wunderbare Unterhaltung für die ganze Familie.

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Ein mit 10.000 Euro dotierter Bayerischer Fernsehpreis geht an Christian Becker (Rat Pack Filmproduktion) als Produzent der Spielfilmtrilogie Winnetou – Der Mythos lebt (RTL).

Begründung der Jury:

Das Berufsbild des Produzenten ist umstritten. Bestenfalls ist ein Produzent Träger einer Vision. Den Autoren Inspiration und Orientierung zugleich. Bewahrer und Verfechter einer Idee. Die Initialzündung einer Geschichte. Der Motor einer Produktion. Im Fall von Christian Becker kommt etwas hinzu, das diesen besten Fall weit überbietet: Mut, Unerschrockenheit und eine fast kindliche Freude am Beruf des Produzenten. Mit „Winnetou“ hat er sich nicht nur selbst einen Kindheitstraum erfüllt, sondern eine kostbare Erinnerung des Zuschauers zurückgeholt. Er hat sie mit Respekt behandelt, ihrer Unsterblichkeit ein weiteres Denkmal gesetzt und sie dabei charmant mit einer ganz eigenen Radikalität und Vision versehen. Christian Beckers Handschrift ist lesbar und für das deutsche Fernsehen unverzichtbar.

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• Im Gegensatz zu den bisher genannten Preisträgerinnen und Preisträgern ermittelte die Jury des Bayerischen Fernsehpreises die beste Schauspielerin und den besten Schauspieler jeweils in den Kategorien „Fernsehfilme/Serien und Reihen“ aus dem Kreis von jeweils drei Nominierten. Hier gab es die folgenden Entscheidungen:

Ein mit 10.000 Euro dotierter Bayerischer Fernsehpreis für die beste Schauspielerin in den Kategorien „Fernsehfilme/Serien und Reihen“ geht an Sonja Gerhardt für ihre Rollen in dem Fernsehfilm-Dreiteiler Ku’damm 56 (ZDF) und dem Fernsehfilm Jack the Ripper – Eine Frau jagt einen Mörder (Sat 1).

Begründung der Jury:

Ob Sonja Gerhardt in „Jack the Ripper“ eine Frau spielt, die 1888 in London ihren fälschlich beschuldigten Bruder vor dem Strick zu bewahren versucht und dabei schnell selber in das Visier des Mörders gerät, oder in „Ku’damm 56“ in den wilden Fünfzigern Berlins die ungeliebte Tochter verkörpert, die gegen die Konventionen der Zeit und um die Akzeptanz ihrer Mutter kämpft und ihre Kraft aus ihrer Leidenschaft für den Rock’n’Roll zieht – immer gelingt es ihr, mit einer unterhaltsamen Authentizität und einer spürbaren, ehrlichen Begeisterung für die jeweiligen Rollen den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Auf ihre temperamentvolle Art und Weise beherrscht Sonja Gerhardt sowohl das Melodram als auch humorvolle Momente mit der ihr eigenen Wahrhaftigkeit und Präsenz.

• Außerdem waren in dieser Kategorie nominiert: Karoline Schuch für ihre Rolle im Fernsehfilm Katharina Luther (ARD/MDR/BR/SWR/Degeto) und Johanna Wokalek für ihre Rolle in dem Fernsehfilm-Zweiteiler Landgericht – Geschichte einer Familie (ZDF).

Ein mit 10.000 Euro dotierter Bayerischer Fernsehpreis für den besten Schauspieler in den Kategorien „Fernsehfilme/Serien und Reihen“ geht an Devid Striesow für seine Rollen in den Fernsehfilmen Das weiße Kaninchen (ARD/SWR) und Katharina Luther (ARD/MDR/BR/SWR/Degeto).

Begründung der Jury: 

In „Das weiße Kaninchen“ geht es um das aktuelle Thema Cybergrooming, um Träume und Versuchungen, um das Spiel mit falschen Identitäten und um den Missbrauch von Vertrauen. Devid Striesow verkörpert mit größter Glaubhaftigkeit eine Figur, die von auseinanderdriftenden Gefühlen und Motivationen getrieben wird, von der nie klar wird, wie sehr sie die Außenwelt belügt und wie weit sich selbst. Und er schafft es mit seinem intensiven Spiel, die entsprechend ambivalenten Gefühle perfekt auch im Zuschauer auszulösen. 

Auch durch seine vielschichtige Darstellung des Luther in dem Film „Katharina Luther“ gelingt es Striesow mit einer Lausbubenhaftigkeit, aber auch mit einer Schüchternheit ein so beeindruckendes, ungewöhnliches Bild des Reformators zu zeichnen, dass man mit ihm gebannt durch die Ereignisse der damaligen Zeit geht. In beiden Filmen beweist Devid Striesow seine Vielfalt und sein unglaubliches Gefühl für Rollen. Er schafft es so bravourös, ganz in den Figuren zu verschwinden und ihnen doch seinen eigenen Stempel aufzudrücken, dass man voller Hochachtung von einer grandiosen und außergewöhnlichen, authentischen schauspielerischen Leistung sprechen kann.

• Außerdem waren in dieser Kategorie nominiert: Ken Duken für seine Rolle in der Fernsehserie Tempel (ZDFneo) und Ronald Zehrfeld für eine Rolle im Fernsehfilm-Zweiteiler Landgericht – Geschichte einer Familie (ZDF).

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Die Jury des Bayerischen Fernsehpreises 2017

• Der Jury des Bayerischen Fernsehpreises gehörten die folgenden 13 Mitglieder an (in diesem Jahr ist die Anzahl der Jury-Mitglieder von zuvor 10 auf nunmehr 13 Mitglieder erhöht worden):

Klaus Schaefer (Vorsitz), Andreas BartlUlrich BerlsDaniel CurioGeorg FeilRalph FürtherFriedemann GreinerChristof LangAnne ReidtBettina ReitzBarbara ThielenYvonne Weber und Elke Walthelm.

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ZITIERT

Eine echte Opposition für die bayerische Staatsregierung

Gerhard Polt wurde beim Bayerischen Fernsehpreis 2017 mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet, die bayerische Medienministerin Ilse Aigner hielt die Laudatio auf Polt. Hier ein Auszug aus ihrer Rede:

«Lieber Gerhard Polt, ich bin mir ziemlich sicher, Sie hätten sich das vielleicht nicht zu träumen gewagt, dass Sie einmal von der bayerischen Staatsregierung einen Ehrenpreis für Ihr Lebenswerk bekommen. Umgekehrt vielleicht auch. Aber, heute, nach über 40 Jahren sollten wir vielleicht mal das Geheimnis lüften: Wir haben so eine Art Arbeitsteilung. Juristen würden von einer stillschweigenden Vereinbarung sprechen. Wir liefern Ihnen seit vier Jahrzehnten kostenlos und ungefragt zahllose Themen. Und von Ihnen erhalten wir dafür im Gegenzug pointierte Zusammenfassungen und scharfzüngige Analysen. Unvergessen ist in diesem Zusammenhang, wie Sie das politische Leben in Bayern, im Freistaat auf den Punkt gebracht haben. Ich darf zitieren: „Kein Mensch hier in Bayern wird gezwungen, eine Minderheit zu sein. [...] Ein jeder hat das Recht, sich zur Mehrheit zu bekennen.“

Lieber Herr Polt, aber auch wenn Ihre Zunge spitz und die Kritik schon manchmal auch ein bisschen beißend sein kann, muss ich schlicht und ergreifend oder darf ich festhalten: Es basst scho! Sie bereichern Bayern kulturell und politisch, denn auch die bayerische Staatsregierung hat eine echte Opposition verdient. Aber Spaß beiseite oder im Ernst, lieber Herr Polt, Politik ist für Sie kein Must-have, so wie man das heute in Bayern so sagt, die Hauptrolle Ihrer Inspiration ist schlicht das Leben. Wie kein Zweiter Humorist bringen Sie die bayerische Wesensart auf den Punkt, egal ob als Kabarettist, als Satiriker, als Theater- oder Drehbuchautor. Sie ringen vor allem mit Ihrer Heimat Bayern; selbst der Begriff Heimat, den nehmen Sie ja auch immer wieder gern etwas aufs Korn. Doch es ist nicht nur ein Kampf, sondern auch eine Form von Zuwendung, von Zuneigung. Es ist meine Überzeugung, was sich in der Satire an Kritik findet, legt manchmal auch Absurdes und Abgründiges offen. Sie wenden sich dem zu, weil es Ihnen eine Herzensangelegenheit ist, auch Position zu beziehen. Das haben Sie nicht zuletzt im Bunde auf der Bühne mit der Biermöslblasn vorgelebt. Und so ist Ihr Werk am Ende doch Ausdruck einer tiefen Zuneigung zu Bayern und zu den Menschen in Bayern. Sonst wäre es Ihnen auch die intellektuellen Mühen nicht wert. Und dafür ein herzliches Dankeschön! [...]»

02.06.2017 – MK