USA: Netflix verdrängt Pay-TV-Sender Showtime

06.09.2013 •

Netflix, der führende US-amerikanische Anbieter von Videostreaming, hat jetzt einen Lizenzvertrag mit dem hochgeschätzten unabhängigen Filmstudio The Weinstein Company abgeschlossen. Der Kontrakt sichert Netflix die exklusive TV-Auswertung von Filmen der Weinstein Company. 

Das Weinstein-Studio war im Jahr 2005 in der Nachfolge von Miramax Films entstanden, einem Produktions- und Distributionsunternehmen, das bis 2010 zur Walt Disney Company gehört hatte. Weinstein hat sich unter anderem mit Filmen wie „Inglourious Basterds“, „The Fighter“ und „Silver Linings Playbook“ einen Namen gemacht. Bisher werden die Weinstein-Filme im Fernsehen vom Pay-TV-Sender Showtime ausgewertet, der nun die Rechte an Neuproduktionen aufgrund des Netflix-Abkommens Ende 2015 verliert.

Ausbau der Vormachtstellung

Die Weinstein Company und ihre Gründer Bob und Harvey Weinstein stehen in der amerikanischen Film- und Fernsehindustrie in hohem Ansehen. Viele ihrer Filme gehörten in den vergangenen Jahren – wie früher auch schon die Miramax-Produktionen – zu den aussichtsreichsten Konkurrenten beim jährlichen Wettbewerb um die Oscar-Auszeichnungen. Deshalb wird das jetzt geschlossene Abkommen mit Netflix in der Branche als ein Meilenstein beim Ausbau der Vormachtstellung von Netflix auf Kosten der Pay-TV-Sender angesehen. Netflix besitzt bereits ähnliche Auswertungsverträge mit den Firmen Dreamworks Animation, Relativity Media, Film District und Open Road Films. Auch Rechte an den Filmen der Walt Disney Company, einschließlich deren beliebter Katalogfilme, gehen Ende 2015 vom Pay-TV-Sender Starz auf Netflix über.

Das „Wall Street Journal“ zitierte Matt Blank, den Chief Executive Officer (CEO) von Showtime, angesichts des Rechtsverlustes und der Verdrängung durch Netflix mit folgender Äußerung: „In vielen Fällen waren die Output-Deals mit großen Studios zu teuer im Vergleich zum Wert, den wir erhielten. Wir ziehen es vor, diese Dollars zur Schaffung eigener Produktionen zu verwenden, die einzig und allein Showtime gehören.“ 

Dass Netflix auf diesem Sektor ebenfalls aktiv und erfolgreich ist, haben dessen Originalserien „House of Cards“ und „Orange Is the New Black“ bewiesen. Was die Fernsehauswertung von Kinofilmen angeht, ist Showtime zukünftig auf die Firmen Dreamworks SKG und CBS Films angewiesen. Nachdem Showtime schon 2008 seine Zusammenarbeit mit Paramount, Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) und Lions Gate verloren hatte, besitzt es jetzt keine längerfristigen Verträge mit einem der relevanten US-Filmstudios mehr.

• Text aus Heft Nr. 36/2013 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz

06.09.2013 – Ev/FK