USA: Gun TV, ein Sender zum Verkauf von Waffen

11.12.2015 •

Nicht einmal eine Woche nach dem Terroranschlag vom 2. Dezember in der kalifornischen Stadt San Bernardino, bei dem ein Mann und seine Ehefrau mit ihren Waffen auf einer Weihnachtsfeier 14 Menschen töteten und 21 zum Teil schwer verletzten, wurde bekannt, dass am 20. Januar 2016 im amerikanischen Kabelnetz ein neuer Home-Shopping-Sender seinen Sendebetrieb aufnimmt, über den Schusswaffen verkauft werden. Während das US-Parlament und die Bewerber für die Kandidatur zum Präsidentenamt ebenso wie die Medien und die amerikanische Bevölkerung nach dem Attentat von San Bernardino mit ungewöhnlich heftig vorgetragenen Argumenten darüber diskutieren, ob die Verfügbarkeit von Schusswaffen in den USA nicht drastisch eingeschränkt und die Waffengesetzte verschärft werden müssten, wird nun in wenigen Wochen ein nach dem Konzept der Teleshoppingkanäle QVC und HSN konzipierter Kabelsender dem Fernsehpublikum in den USA Schusswaffen zum Erwerb anbieten.

Das mit privaten Geldern finanzierte neue Network nennt sich denn auch Gun TV (also Gewehr TV) und wird über Kabel und Satellit überall in den USA zu empfangen sein. Seine Standortbasis befindet sich in Kalifornien im Coachella Valley nahe Palm Springs, pikanterweise nur 50 Meilen von San Bernardino entfernt. Nicht viel ist bisher über die Eigentumslage des Senders bekannt, außer dass die Muttergesellschaft ein Unternehmen namens ‘Social Responsibility Network’ aus dem US-Bundesstaat Delaware ist und die Gründer Doug Bornstein und Valerie Castle heißen, beide bisherige Manager in der amerikanischen Home-Shopping-Industrie.

Polizisten, Soldaten, Scharfschützen

Valerie Castle gab der britischen Tageszeitung „The Guardian“ ein Interview, in dem sie über Details des Projekts berichtete. Demnach wird Gun TV zunächst sieben Stunden während der Nacht senden, hat aber das Ziel, sehr bald schon auch tagsüber zwölf Stunden lang im Kabelnetz empfangbar zu sein und nach dem ersten Jahr seine Sendezeit auf täglich 24 Stunden auszuweiten. Der Sender wird Schusswaffen aller Art zum Kauf anbieten, darüber hinaus auch Munition, Pistolenhalfter, Jagdbekleidung und andere entsprechende Waren. Unter dem Motto „Live Shopping. Fully loaded“ sollen die Verkaufssegmente des Programms mit Beiträgen zu Schießübungen und Erläuterungen über die Verwendung der Waffen eingerahmt werden. Dabei will sich Gun TV angeblich der Hilfe von Ex-Polizisten, ehemaligen Soldaten und Scharfschützen bedienen.

Auch Gun TV wird sich nach den bestehenden US-Vorschriften für den Verkauf von Schusswaffen richten müssen. Deshalb können Kunden die gewünschten Waffen zwar bei dem Network kaufen, ihre Bestellung wird dann jedoch an den ihnen nächstgelegenen Waffenhändler weitergeleitet, der die gesetzlich vorgeschriebenen Nachforschungen anstellen muss, bevor die Waffen ausgeliefert werden. Doch damit lässt sich das Argument der Waffengegner, Gun TV werde die Anschaffung von Schusswaffen begehrlicher machen und den Zugang zu ihnen erleichtern, wohl kaum aus der Welt schaffen. Das Werbematerial des Senders beruft sich zur Rechtfertigung des Waffenverkaufs durch ein TV-Network unter anderem darauf, dass in den USA die bestbewaffnete Bevölkerung der Welt lebe, wo im Schnitt auf 100 Einwohner 89 Schusswaffen kämen und vier von zehn Haushalten eine Waffe besäßen. Unerwähnt bleibt dabei allerdings, dass in den USA im Schnitt an jedem Tag 85 Todesopfer durch den Gebrauch von Schusswaffen zu beklagen sind oder, anders ausgedrückt, über 30.000 Tote pro Jahr.

11.12.2015 – Ev/MK

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