Frankreich/Italien: Allianz von Vivendi und Mediaset

13.05.2016 •

13.05.2016 • Vivendi, das führende Medienunternehmen Frankreichs, hat sich mit Mediaset, dem führenden Medienkonzern Italiens, auf die Bildung einer „strategischen und industriellen Allianz“ geeinigt. Das gaben die beiden Unternehmen am 8. April nach mehrmonatigen Verhandlungen bekannt. Ein Schwerpunkt dieser Allianz sei, so hieß es, die internationale industrielle Partnerschaft bei der gemeinsamen Produktion und beim Vertrieb von Fernsehprogrammen. Das zweite Hauptanliegen sei die Schaffung einer weltweiten Plattform für Internet-Fernsehen mittels OTT-Übertragung. OTT steht für Over-the-Top, was der Begriff für eine Technologie ist, bei der TV-Inhalte ohne Zwischenschaltung eines Internet-Providers übertragen werden. Weiterer Teil der französisch-italienischen Kooperation ist, dass beide Partner beim jeweils anderen 3,5 Prozent des Aktienkapitals übernehmen.

Als finanziellen Ausgleich übernimmt Vivendi als Seniorpartner der Allianz außerdem 100 Prozent der Aktien des Pay-TV-Unternehmens Mediaset Premium. Damit erhöht sich die Zahl der Pay-TV-Abonnenten von Vivendi in Europa auf über 13 Mio Kunden. Nach eigenen Angaben möchte Vivendi damit eine „starke Entwicklungsachse in Südeuropa schaffen, einen Markt für die Kultur und mit verwandten Wurzeln“. Außerhalb von Frankreich will Vivendi künftig die Präsenz von Mediaset in Italien und in Spanien (mit der auf dem dortigen Markt führenden Telecinco-Gruppe) für die Verbreitung seiner Free-TV- und Pay-TV-Kanäle nutzen.

Größter Filmproduzent Europas

Vivendi sieht in der Vereinbarung mit Mediaset einen „großen Fortschritt für sein Bestreben, eine große internationale Medien- und Inhaltegruppe europäischen Charakters“ zu werden. Mit seiner Tochtergesellschaft Studiocanal sei Vivendi bereits der größte Filmproduzent Europas und diese führende Position sei vor kurzem durch die Beteiligung an mehreren unabhängigen Fiction-Produktionsunternehmen in Großbritannien und Spanien noch beträchtlich verstärkt worden, hieß es dazu seitens des französischen Medienkonzerns. Die Vereinbarung mit Mediaset, die in den nächsten Monaten umgesetzt werden soll, bedarf noch der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden in den beiden Ländern.

Vivendi ist – nach dem deutschen Bertelsmann-Konzern – mit einem Umsatz von 10,76 Mrd Euro (2015) das zweitgrößte europäische Medienunternehmen. Mit einem Anteil von 14,35 Prozent ist die Groupe Bolloré des 64-jährigen bretonischen Industriellen Vincent Bolloré der größte Aktionär von Vivendi. Seit Juni 2014 ist es Vincent Bolloré, der weitgehend die Kontrolle über Vivendi ausübt. Im Jahr 2015 erwirtschaftete Vivendi einen Nettogewinn von 697 Mio Euro. Wichtigster Teil des Konzerns ist das im Film- und Fernsehbereich agierende Tochterunternehmen Canal plus mit einem Umsatz von 5,51 Mrd Euro (2015) vor der Musiktochter Universal Music Group mit 5,11 Mrd Euro.

Die Familie Berlusconi

Zur Canal-plus-Gruppe gehören diverse Pay-TV-Kanäle. Flaggschiff ist der Hauptsender Canal plus. Darüber hinaus gibt es fünf Canal-plus-Ableger wie die Programme Canal plus Cinema oder Canal plus Sport und rund 20 weitere thematische Pay-TV-Kanäle. Hinzu kommt die Satellitenfernsehplattform Canalsat mit mehr als 150 Fernsehprogrammen. Außerdem betreibt Canal plus die drei Free-TV-Sender D8, D17 und iTélé. D8 ist das fünftgrößte Fernsehprogramm Frankreichs nach TF 1, France 2, France 3 und M6. Canal plus hat insgesamt 11,2 Mio Abonnenten in Frankreich. Dazu kommen 2,1 Mio Kunden in Polen und zusammengerechnet 3,4 Mio Abonnenten in den französischen Überseegebieten, auf dem afrikanischen Kontinent in über 30 Ländern und in Vietnam.

Mediaset ist das größte italienische Medienunternehmen und erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von 3,52 Mrd Euro; der Nettogewinn betrug 4 Mio Euro. Größter Aktionär von Mediaset ist mit einem Anteil von 33,5 Prozent die Investitionsgesellschaft Fininvest. Sie gehört dem inzwischen 79-jährigen früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und seiner Familie, darunter die Söhne Pier Silvio und Luigi und die Töchter Marina Barbara und Eleonora. Im Jahr 2015 war das auf dem italienischen Free-TV-Markt erzielte Netto-Werbeaufkommen mit 1,71 Mrd Euro die wichtigste Einnahmequelle für Mediaset. Demgegenüber machten die Pay-TV-Einnahmen nur 560 Mio Euro aus; die Pay-TV-Plattform Mediaset Premium hat 2 Mio Abonnenten.

13.05.2016 – me/MK

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