Wenn ich Journalisten beschreibe...

29.05.2015 •

29.05.2015 • «Der Videojournalist ist natürlich ein Thema. Die Videojournalisten sind ein Resultat der Einsparungen in den Redaktionen. Es wird immer seltener, dass ein Interview mit einem Redakteur, einem Kameramann und einem Ton-Mann gemacht wird. Jetzt macht das einer allein. Meistens werden dann die Texte eingespart und die Techniker. Das Thema der Pressekrise kommt natürlich in „Montecristo“ vor. Ich schreibe ja Romane über heute, über Leute von heute. Wenn ich da Journalisten beschreibe, dann kann ich ja nicht gut verheimlichen, dass die Journalisten immer mehr ihre Unabhängigkeit verlieren. Weil sich die Verlage zusammenlegen, weil sich die Redaktionen in News-Rooms zusammenfinden, wo die gleichen Leute für ganz unterschiedliche Titel schreiben. Man kann auch nicht verleugnen, dass das durch den Klick-Journalismus, also durch den Druck, der auf den Journalisten lastet, dass möglichst viele Leute ihre Schlagzeilen anklicken, Unabhängigkeit und Stil leiden.»

Aus einem am 21. März veröffentlichten Interview der Deutschen Welle (DW) mit dem Schweizer Schriftsteller Martin Suter über dessen neues Buch „Montecristo“ (Diogenes-Verlag 2015). In dem Roman geht es um Hochfinanz und um Journalismus. Das Interview ist auf der Webseite der Deutschen Welle (dw.de) weiterhin abrufbar.

29.05.2015 – MK

Print-Ausgabe 23/2019

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