Luther und die Lügenpresse

30.09.2016 •

«Der Vorwurf lautet: „Ihr von der Presse lügt. Ihr sagt nicht die Wahrheit. Ihr dreht uns das Wort im Mund um und, schlimmer noch, ihr lasst uns überhaupt nicht zu Wort kommen, behauptet aber der Demokratie zu dienen.“ Lügenpresse eben. Der Begriff geht nicht zuletzt auf den Theologen Martin Luther zurück, der mit Blick auf die neuen Print-Produktionen der Konkurrenz, die neben seinen eigenen ja auch aus der Gutenberg-Presse kamen,  gerne von Lügen sprach. Sein Maßnahmenkatalog für die protestantischen Pfarrer in Sachen lügende Konkurrenz, sprich: Judentum, kann man eins zu eins als Strategiepapier für Nazis, Pegida und AfD lesen. In seinem Buch „Von den Juden und ihren Lügen“ gibt Luther Ratschläge für den Umgang mit Lügnern und Fälschern, die, Zitat, „schlimmer als der Teufel sind“.  Wörtlich lautet sein Rat: „Erstens, dass man ihre Synagogen mit Feuer verbrenne.“ Das haben die Nazis in die Tat umgesetzt, heute brennen Flüchtlingsunterkünfte und Moscheen. Luther will die gesamte Lügenpresse vernichten. Warum? „Weil jeder weiß“ – Zitat Luther – „dass sie hier lügen und sie uns in unserem Land durch ihren Wucher gefangen halten.“ Luther sagt also: Die Lügenpresse wird gesteuert vom Geld. Heute würde man sagen: von der Wall Street, von Banken. Diese Verschwörungstheorie wirkt bis heute.»

Moderator Gert Scobel in der am 29. September ausgestrahlten Ausgabe seiner Sendereihe „Scobel“ (3sat,  21.00 bis 22.00 Uhr) zum Thema „Niedergang des Journalismus: Der Qualitätsjournalismus verliert zunehmend an Terrain“

30.09.2016 – MK

Gert Scobel

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