WDR evaluiert Maßnahmen nach „MeToo“‑Affäre

08.09.2021 •

Als Anfang April 2018 mehrere Medien darüber berichteten, dass beim Westdeutschen Rundfunks (WDR) mehrere Frauen männlichen Mitarbeitern des Senders sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch vorwarfen, entschied das Sendermanagement einige Wochen später, auch eine externe Gutachterin zur Klärung der Vorwürfe einzuschalten. Beauftragt zur Untersuchung dieser sogenannten „MeToo“-Affäre, deren Bekanntwerden große Erschütterungen beim WDR auslöste (vgl. diesen MK-Artikel und diesen MK-Artikel), wurde die frühere Gewerkschaftsvorsitzende und ehemalige EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies. Sie solle „unabhängig und rückhaltlos“ prüfen, „wie der WDR mit Hinweisen auf sexuelle Belästigung umgegangen ist und umgeht“, erklärte damals WDR-Intendant Tom Buhrow.

In ihrem Bericht, den Wulf-Mathies im September 2018 vorlegte, konstatierte sie, „dass das Thema sexuelle Belästigung die Spitze des Eisbergs ist, hinter dem sich Machtmissbrauch, Diskriminierungserfahrung, aber auch nur eine generelle Unzufriedenheit oder ein Unbehagen mit dem Betriebsklima verbergen“. Es gehe auch um „Strukturprobleme und personalpolitische Defizite“ – es war ein insgesamt desaströses Urteil für den WDR und insbesondere für dessen Führungskräfte. Wulf-Mathies plädierte dafür, „ein Klima des Vertrauens zu schaffen, dass Betroffenen Beschwerden über sexuelle Belästigung erleichtert“. Es müsse beim WDR „eine nachhaltige Verbesserung in der Qualität der Zusammenarbeit von Führungskräften und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ geben. Nicht zuletzt sei auch eine neue Dienstvereinbarung zum Schutz vor sexueller Belästigung, Diskriminierung und Machtmissbrauch notwendig.

Monika Wulf-Mathies erneut beauftragt

Diese Dienstvereinbarung sollte, hatte Wulf-Mathies im September 2018 vorgeschlagen, in der Folge dahingehend evaluiert werden, ob die darin festgelegten Maßnahmen „dauerhaft zur Vermeidung von Diskriminierung, Machtmissbrauch und sexueller Belästigung“ beitragen (vgl. diesen MK-Artikel, diesen MK-Artikel und diesen MK-Artikel). Die Forderung von Wulf-Mathies, als Konsequenz aus den Vorkommnissen einen Kulturwandel einzuleiten, hatte der WDR nach damaliger Darstellung bereits parallel zu den Untersuchungen der Gutachterin eingeleitet, dies mit dem Ziel, dass man „die Zusammenarbeit und die Kommunikation im WDR verbessern“ wolle.

Nun hat der WDR, wie der öffentlich-rechtliche Sender am 24. August mitteilte, Monika Wulf-Mathies gebeten, die Evaluation dieses Kulturwandels zu unterstützen. Dabei gehe es darum, zu klären, was bisher erreicht worden sei und wo nachjustiert werden müsse. Wulf-Mathies werde zu diesem Zweck Gespräche im WDR führen, hieß es weiter. „Ein gutes Betriebsklima ist elementar wichtig für den Erfolg von Unternehmen – das gilt auch für den WDR. Wir sind auf einem guten Weg – aber noch nicht am Ziel“, erklärte Tom Buhrow laut der Pressemitteilung. Er freue sich, so der WDR-Intendant, dass Wulf-Mathies sich bereit erklärt habe, „darauf zu schauen, wo wir in unserem Prozess stehen. Ihr unabhängiger Blick von außen war vor drei Jahren sehr wertvoll.“ Er sei sicher, sagte Buhrow, „dass wir von ihrem Eindruck und ihren Empfehlungen auch für unsere nächsten Vorhaben und Entscheidungen profitieren können“.

WDR-Verwaltungsdirektorin Katrin Vernau und die WDR-Personalratsvorsitzende Christiane Seitz haben der Sendermitteilung zufolge als Verantwortliche für den „Kulturwandel-Prozess“ zwölf konkrete Maßnahmen umgesetzt. So seien unter anderem Führungskräfte-Feedbacks und Analysen zum Arbeitsklima eingeführt worden. Neu konzipiert worden sei das Mitarbeitergespräch; zudem seien die Grundsätze für Führungskräfte überarbeitet worden. Interne Veranstaltungen seien darüber hinaus dahingehend verändert worden, dass sie stärker Mitarbeiter und Führungskräfte in einen Dialog bringen sollen.

„Kulturwandel-Prozess“

Die neue Dienstvereinbarung, die der WDR außerdem auf den Weg brachte, trat am 1. März 2019 in Kraft, und umfasst – wie der Sender in seinem Geschäftsbericht 2019 darlegte – „erstmals neben sexueller auch diskriminierende Belästigung, Benachteiligung, Machtmissbrauch und Mobbing am Arbeitsplatz“. Zugleich nahm eine neue zentrale Beschwerdestelle im WDR ihre Arbeit auf, die jeglichen Hinweisen auf Fehlverhalten von Mitarbeitern nachgehen soll. Laut der Dienstvereinbarung ist bei der Intendanz des Senders eine sogenannte Zentrale Clearingstelle eingerichtet, an die die Beschwerdestelle die Beschwerde weitergibt.

Doch bereits im Oktober 2020 kündigte der WDR-Personalrat die Dienstvereinbarung wieder, was auch mit dem Umgang von Beschwerden seitens der Intendanz zu tun hat (vgl. hierzu diese MK-Meldung). Bis zum Inkrafttreten einer neuen Dienstvereinbarung bleibt die bisherige weiter gültig. Die Vorgänge um den Umgang mit Beschwerden im WDR dürfte nun auch die 79-jährige Wulf-Mathies unter die Lupe nehmen. Wann beim WDR die Evaluation zum „Kulturwandel-Prozess“ abgeschlossen sein soll und wann mit Ergebnissen zu rechnen ist, teilte die Rundfunkanstalt nicht mit.

08.09.2021 – vn/MK

` `