Fernsehen im
Gespräch halten

Quote, Quiz und Risiko: Interview mit ARD‑Programmdirektor Volker Herres

Von Dieter Anschlag

10.8.16 Volker Herres, 59, ist seit November 2008 bei der ARD Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen mit Sitz in München. Sein aktueller Vertrag mit fünfjähriger Laufzeit datiert bis Oktober 2018. Herres, geb. am 23. Juli 1957 in Cuxhaven, ist seit 1983 im öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig. Er arbeitete als Journalist und Moderator zunächst für das ZDF und ab 1987 für den NDR. Beim NDR wurde er im Mai 2004 Fernsehprogrammdirektor, bevor er dann im Herbst 2008 das Amt des ARD-Programmdirektors übernahm. Auch in dieser Funktion moderiert er weiterhin den sonntags vormittags im Ersten ausgestrahlten ARD-„Presseclub“. Dieter Anschlag traf sich in Bonn mit Volker Herres zum Interview über Entwicklungen der ARD im Speziellen und des öffentlich-rechtlichen Fernsehens im Allgemeinen. • MK

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MK: Herr Herres, die Fußball-Europameisterschaft ist seit kurzem zu Ende, die Olympischen Sommerspiele in Rio haben gerade begonnen. Solche Sportereignisse sind immer auch Fernsehgroßereignisse. Nun sind für den Zeitraum von 2018 bis 2024 die Olympia-Übertragungsrechte beim US-Medienkonzern Discovery und seinem europäischen Tochterunternehmen Eurosport, die bei den Verhandlungen mit dem Internationalen Olympischen Komitee ARD und ZDF ausstechen konnten. Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, wie Sie das kompensieren wollen? Oder ist dieser Rechteverlust vielleicht gar nicht so schlimm in Zeiten, wo sich die Bürgerinnen und Bürger Hamburgs und Münchens jeweils dagegen entschieden haben, dass ihre Städte Schauplatz eines Olympia-Spektakels werden.

Herres: Bei der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft, 2018 in Russland, werden wir dabei sein. 2020 findet dann die nächste Fußball-Europameisterschaft statt – wir werden sehen, wie die Rechtevergabe ausgeht. Und ja, die Olympischen Spiele sind ab 2018 bei Discovery. Wir sind mit dem Rechte-Inhaber im Gespräch – ob wir uns einigen, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir bemühen uns intensiv, den Zuschauern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Sportgroßereignisse zu zeigen. Aber wir können nicht jeden Preis zahlen.

Zu viel Fußball? Sie haben immer eine Alternative

MK: Zuletzt wieder bei der Fußball-EM haben ARD und ZDF endlose Strecken um die Spiele herum ausgebaut: mit Vor- und Nachberichterstattung in Hülle und Fülle. Das Erste und das Zweite sind in dieser Zeit praktisch Fußballsender, Sportsender. Ist es wirklich sinnvoll, diese Berichterstattung, die selbst die Abfahrt eines Mannschaftsbusses zum Event hochstilisiert, derart extensiv zu betreiben?

Herres: Ja. Die Spiele der Euro 2016 haben im Durchschnitt einen Marktanteil von 51 Prozent erzielt, 13,65 Millionen Zuschauer im Schnitt pro Begegnung. Die Vor- und Nachberichterstattung verfolgten durchschnittlich 7 Millionen Zuschauer. Das heißt: Wir haben ein überwältigendes Zuschauerinteresse, und wir wissen aus allen Untersuchungen und Befragungen, dass die Menschen es außerordentlich schätzen, wenn ARD und ZDF solche Turniere übertragen, einschließlich Vor- und Nachberichterstattung. Es ist ja auch spannend, nach einem Spiel über die Leistung der Mannschaft, über die Taktik oder ähnliches zu reden – das alles gehört zum Sport dazu. Mit Mehmet Scholl haben wir einen erstklassigen Fußballexperten. Und auch an den Spieltagen gibt es eingebettete Nachrichtensendungen. Ferner zeigt sich auch einmal mehr, wie sinnvoll es ist, dass ARD und ZDF die Spiele gemeinsam übertragen: Denn wir wechseln uns ja ab. Das heißt: Sie haben immer eine Alternative. Wenn Ihnen der Fußball beim ZDF zu viel wird, können Sie immer zum Ersten umschalten. Dort finden Sie das Regelprogramm, auch mit umfangreicher Information. Umgekehrt gilt das natürlich genauso – Sie müssen aber nicht unbedingt zum ZDF wechseln… [Lächelt.]

MK: Wer darüber klagt, dass ein öffentlich-rechtliches Programm an einem EM-Spieltag zum Fußballsender wird, dem sagen Sie also: „Man hat ja genug Alternativen.“ Zumal es ja auch noch RTL, Sat 1, Pro Sieben & Co. gibt…

Herres: Ja, man hat auch immer mehrere öffentlich-rechtliche Alternativen, wenn man ausführlich informiert werden will – was in kommerziellen Sendern nicht im gleichen Umfang wie bei uns möglich ist. Und auch das Erste zeigt während einer Fußball-EM politische Magazine und die „Tagesthemen“ an den Tagen, an denen das ZDF Fußball zeigt, selbstverständlich in voller Länge – beim ZDF galt das allerdings nicht: Dort wurde während der EM auch an Spieltagen, die die ARD übertragen hat, das „Heute-Journal“ auf 15 Minuten reduziert. Das haben wir mit den „Tagesthemen“ an ZDF-Spieltagen nicht gemacht.

MK: Wie fanden Sie denn „Beckmanns Sportschule“, das ja das neue ARD-Format zur Nachbetrachtung eines EM-Spieltags war? Darüber war in der Presse eher Negatives zu lesen. Der ARD-Programmdirektor bewertet diese Sendung sicher positiver…

Nicht selten werden wir von der uns begleitenden Publizistik ermahnt

Herres: Es wurde sehr kontrovers um dieses Format gestritten. Das finde ich erst einmal gut, zumal wir nicht selten von der uns begleitenden Publizistik ermahnt worden sind, doch endlich mal innovativ zu sein und nicht immer auf dieselben Formate zu setzen. Und Reinhold Beckmann hat mit seiner Produktionsfirma nun wirklich mal sehr mutig und kreativ etwas gänzlich Neues ausprobiert, das auch vom Publikum angenommen wurde. Im Schnitt hatte die Sendung sehr respektable 21,8 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum und bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern sogar einen Marktanteil von 23,6 Prozent. Dass man sich inhaltlich über eine solche Sendung auseinandersetzen kann, ist klar. Das ist aber immer so, wenn Sie ein neues Format ausprobieren. Bei der anschließenden Manöverkritik wird dann besprochen, was war gut und was beim nächsten Mal vielleicht noch besser gemacht werden kann.

MK: Vor wenigen Wochen wurden die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga von der DFL – für die Spielzeiten von 2017/18 bis 2020/21 – neu vergeben. Und es wurde ein Rekorderlös von der DFL erzielt, sie erhält für die Medienrechte in dieser Periode 4,64 Milliarden Euro. Die ARD konnte eigentlich zufrieden sein mit ihrem Ergebnis, denn Sie können im großen und ganzen das behalten, was Sie haben, mit der Samstags-„Sportschau“ als Basis. Womit Sie vielleicht nicht so zufrieden sein können, ist der Umstand, dass Sie, wenn man es aufs einzelne Spiel umrechnet, ab 2018 pro Spiel doppelt so viel bezahlen wie bisher. Nach unseren Informationen ist der Preis für die ARD jedenfalls enorm gestiegen, auf insgesamt 119 Millionen Euro pro Saison. Kann man das noch verantworten, diesen Preis zu zahlen? Inwiefern lohnt sich das noch?

Herres: Wir zahlen nicht doppelt so viel! Wir können aber auch nicht offenlegen, wie viel wir tatsächlich zahlen. Wir unterliegen zum einen der Verschwiegenheitspflicht und zum anderen würde eine Offenlegung der Kosten erhebliche wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen. Würden wir unseren Konkurrenten unsere Zahlen offenlegen, wären wir nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Gesamthöhe unseres Sportrechteetats ist ja bekannt. Bei einer Offenlegung der Kosten, könnte jeder runterrechnen, wie viel wir noch in der Kasse haben. Das ist eben ein wesentlicher Unterschied zu einem Privatsender wie Sky, bei dem es keinen gedeckelten Sportrechteetat gibt. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir beim Erwerb der Bundesliga-Rechte wirtschaftlich angemessen geboten haben. Wir sind jedenfalls nicht diejenigen, die zum beachtlichen Anstieg der Erlöse um 85 Prozent entscheidend beigetragen haben. Sicher kann man DFL-Chef Christian Seifert zu dem Abschluss insgesamt nur gratulieren, aber das Ganze zeigt auch, wie sich der Sportrechtemarkt entwickelt, wie enorm die Preissteigerungen also tatsächlich sind. Wir von der ARD sind aber nur sehr, sehr moderat dabei.

MK: Noch einmal nachgefragt: Warum nennt die ARD den Preis für die Bundesliga-Rechte nicht gleich nach Vertragsabschluss? Der Preis wird doch ohnehin immer bekannt, es ist nur eine Frage der Zeit. Warum also nicht gleich Transparenz? Damit würde sich die ARD doch viele nervige Nachfragen und viel Misstrauen ersparen, oder? Inzwischen ist ja, wie gesagt, auch bekannt, dass die ARD für das Bundesliga-Rechtepaket ab der Saison 2017/18 im Schnitt 119 Millionen Euro pro Spielzeit zahlt. Dieser von der MK recherchierten Zahl wurde jedenfalls nicht widersprochen.

Wann Transparenz zum Zielkonflikt werden kann

Herres: Ich bin sehr für Transparenz, aber diese kann – wie dargelegt – auch in einem Zielkonflikt zum wirtschaftlichen Umgang mit Beitragsgeldern stehen. Wir müssen deshalb ebenso auf unsere Wettbewerbs- und Marktfähigkeit achten.

MK: Wechseln wir das Thema und kommen vom Sport zum Fernsehfilm der ARD, der mit dem „Film-Mittwoch im Ersten“ um 20.15 Uhr seinen festen Termin hat – der Termin für anspruchsvolle Filme. Ist dieser Sendetermin unter Druck geraten durch den Champions-League-Fußball, den das ZDF parallel dazu zeigt? Denn das kostet die ARD ja Zuschauer. Mit der Fahndungssendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ zeigt das ZDF am Mittwoch um 20.15 Uhr ein anderes populäres Format als Konkurrenz. Alles eine Gefahr für die Einschaltquote des anspruchsvollen ARD-Films. Ab welchem Marktanteil beginnt hier der Druck in die Richtung, dass auch Sie meinen könnten, Sie müssten den ARD-Mittwochsfilm stärker popularisieren, damit er sich gegen die Konkurrenzprogramm quotenmäßig behauptet? Können Sie auch mit sieben, acht Prozent Marktanteil für den Mittwochsfilm leben?

Herres: Ich habe den Anspruch, dass sich das Erste im Fiktionalen von allen anderen Angeboten im deutschen Fernsehmarkt deutlich unterscheiden und das ganze Spektrum fiktionaler Film- und Erzählkunst abbilden muss. Also nicht auf ein Genre wie etwa Krimi – was immer sehr erfolgversprechend ist – reduziert wird, sondern die ganze Breite aufrechterhält, vom Drama bis zur Komödie. Wir haben diese Genre-Mischung mit den sehr erfolgreichen Sonntagskrimis, also „Tatort“ und „Polizeiruf 110“, mit den jetzt auch neu ausgerichteten, immer etwas populäreren Degeto-Filmen am Freitag um 20.15 Uhr und mit dem klassischen „Film-Mittwoch im Ersten“. Letzterer wird genau die inhaltliche Vielfalt, die er auch jetzt schon hat, beibehalten. Der „Film-Mittwoch im Ersten“ ist unser Platz für inhaltlich relevante Stoffe und für Filme, die dramaturgisch auch immer wieder neue Wege gehen. Wir sind dort mutige Wege gegangen, etwa mit „Altersglühen – Speed Dating für Senioren“, einer Produktion gänzlich ohne Drehbuch von Jan Schütte. Im kommenden Herbst werden wir wieder so einen Improvisationsfilm vom selben Regisseur im Programm haben: „Wellness für Paare“ mit Anke Engelke, Anneke Kim Sarnau, Bjarne Mädel und anderen. Natürlich haben wir auch die Zuschauerzahlen im Blick und versuchen, die Filme so attraktiv wie möglich zu gestalten, aber nicht um den Preis, sie in ihrer inhaltlichen oder dramaturgischen Substanz zu entkernen.

MK: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum der herausragende Dreiteiler über die Verbrechen der rechten NSU-Terrorgruppe, der im März und April dieses Jahres im Ersten zu sehen war, nicht eine so gute Zuschauerresonanz erzielte, wie er sie eigentlich verdient gehabt hätte? Die Zahlen für die drei Folgen von „Mitten in Deutschland: NSU“ lagen im Schnitt bei rund 2,7 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 8,5 Prozent.

Herres: Natürlich hätte ich mir mehr gewünscht, aber andererseits hat mich das Ergebnis auch nicht überrascht: Der NSU-Dreiteiler ist ein sehr anspruchsvolles Projekt – allein auch schon vom filmischen Ansatz her, eine Geschichte von drei Regisseuren aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen zu lassen. Viel Stoff, um sich an drei Abenden diesem wichtigen, zugleich auch sehr anstrengenden und belastenden Thema zu widmen. Aber das war nie unser Entscheidungskriterium. Wir fanden es wichtig, diese ungeheuerlichen Ereignisse unserer jüngeren deutschen Geschichte so aufzugreifen und so intensiv zu behandeln, wie wir es getan haben.

MK: Kinospielfilme und ausländische Serien gibt es im Ersten kaum noch. Weshalb hat die ARD dies im Grunde aufgegeben? Zumal man ja mit Kinofilmen und US-Serien wahrscheinlich auch gerade das jüngere Publikum besser erreichen könnte.

Herres: Wir haben doch Kinoplätze im Ersten: Seit 2007 zeigen wir „Das Sommerkino im Ersten“, das auch in diesem Jahr wieder läuft: montags um 20.15 Uhr. Ein Primetime-Platz also, mit attraktiven Fernsehpremieren wie etwa „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ oder „Winterkartoffelknödel“.

MK: Na ja, der Sommer geht schnell vorbei…

Wir wollen deutsche Filmproduktionen in besonderer Weise fördern

Herres: Das sind in diesem Sommer, der ja von großen Sportereignissen geprägt ist, immerhin fünf Primetime-Termine. Und ab dem 13. September 2016 haben wir die neue Reihe „Premieren-Kino im Ersten“ im Programm: acht Filme, immer dienstags um 22.45 Uhr. Zum Auftakt sehen Sie „Grand Hotel Budapest“, das war vor zwei Jahren der Eröffnungsfilm auf der Berlinale. Daneben läuft „Ich darf nicht schlafen“ mit Nicole Kidman – ein sehr schöner Film über eine Frau mit Erinnerungslücken, oder die Regie-Premiere von Dustin Hoffman mit „Quartett – Eine ewig junge Leidenschaft“. Also, alles echte Kinohighlights.

MK: Das sind fünf plus acht, also insgesamt dreizehn Kinotermine. Das Jahr hat 52 Wochen.

Herres: Neben den großen Kinoproduktionen zeigen wir auch Filme von jungen Regisseuren und Autoren in unserer Nachwuchsreihe „Film-Debüt im Ersten“. Wir haben also jeweils staffelweise schon drei reguläre Kinoplätze. Daneben haben wir Kino auch sonst auf Regelplätzen im Programm: am Samstagabend, am späten Sonntagabend und zusätzlich noch an Feiertagen. Also, Kino haben wir nicht aufgegeben. Aber wir gehen – das ist vielleicht eine Akzentverschiebung – nicht so sehr auf internationale Lizenzen, sondern setzen stark auf deutsches Kino und auf deutsche Kinokoproduktionen. „Toni Erdmann“ zum Beispiel ist eine davon, der Renner in Cannes dieses Jahr und der Eröffnungsfilm auf dem Münchner Filmfest 2016. Das machen wir, weil wir deutsche Produktionen in besonderer Weise fördern wollen. Das deutsche Kino, die ganze Kreativszene hat sich in jüngster Zeit auch erstaunlich gut entwickelt.

MK: Der Dienstagabend ist der Serienabend im Ersten, das heißt, der Abend mit deutschen Serien. Da gibt es um 20.15 Uhr ein ziemlich hartes Kontrastangebot bei der ARD. Da läuft einerseits so etwas wie „Vorstadtweiber“, eine peppige, schwarzhumorige Serie – die in diesem Fall aus Österreich kommt –, und andererseits so etwas wie „Um Himmels Willen“, ein nicht besonders überraschungsreiches Format, das man seit vielen, vielen Jahren kennt und das eher auf das ältere Publikum zielt. Da fragt sich: Wo will die ARD hier letzten Endes hin? Ist „Vorstadtweiber“ die Ausnahme von der Regel des bewährten Standards? Geht es in puncto deutsche Serie wieder zurück zu einem Programm für 70-plus-Zuschauer? Wie sehen Sie hier die Perspektive?

Satire und Comedy: Das Angebot ein Stück weit verdichten

Herres: „Um Himmels Willen“ ist eine der erfolgreichsten Serien im deutschen Fernsehen, die von Jung und Alt gesehen wird. Aber auch in der Serie wollen wir das ganze Spektrum abbilden. „Vorstadtweiber“ ist eine ganz andere, schrillere Farbe. Davor hatten wir „Mord mit Aussicht“ – auch eine etwas andere Farbe mit naturgemäß jüngerer Publikumsstruktur. Und diese Mischung werden wir beibehalten: Im Herbst startet die neue Serie „Frau Temme“, die sich in der Machart ebenfalls von unseren Klassikern unterscheidet. Es wird eine weitere Staffel von „Weissensee“ geben, wir arbeiten an „Charité“ und im Moment dreht Regisseur Tom Tykwer „Babylon Berlin“.

MK: „Babylon Berlin“ – hier arbeitet die ARD ja mit Sky zusammen – wäre dann also im Ersten auf dem Dienstagtermin um 20.15 Uhr zu sehen?

Herres: Das wissen wir noch nicht, die vielversprechenden Dreharbeiten laufen ja noch, und bei uns wird die Serie erst 2018 ausgestrahlt.

MK: Uns von der „Medienkorrespondenz“ ist da vielleicht etwas entgangen, aber: Wo sind die neuen, tollen und für Zuschauer unter 60 Jahren attraktiven Unterhaltungssendungen im Ersten? Wo ist die „Heute-Show“ der ARD, wo ein Format wie Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“? Dem ZDF ist es gelungen, hier etwas zu etablieren.

Herres: Seit Herbst 2014 haben wir einen Comedy-Platz am Donnerstagabend nach den „Tagesthemen“. In der Doppelbespielung Comedy/Satire werden hier durchaus auch Formate für Jüngere angeboten. Bei „Nuhr ab 18“ zum Beispiel sind Nachwuchskünstler am Start. Oder nehmen Sie den Vorabend im Ersten, der ja derzeit auf einem unglaublich guten Weg ist. Unsere eher unkonventionellen Quizformate sprechen ein jüngeres Publikum an: Bei den unter 49-Jährigen sind diese Quizsendungen bereits erfolgreicher als die „SOKOs“ des ZDF. Und im Hauptabend laufen unsere großen Unterhaltungsshows: Etwa die XXL-Formate unserer Vorabend-Quizsendungen und unsere Klassiker „Verstehen Sie Spaß?“ und „Klein gegen Groß“, die ebenfalls junges Publikum ansprechen.

MK: Was den Comedy-Abend am Donnerstagabend angeht, könnte man angesichts der diversen Formate dort von großer Vielfalt sprechen. Man könnte aber vielleicht auch sagen, das Ganze ist noch ein großes Kuddelmuddel aus Comedy- und Satireshows. Muss die ARD sich da nicht langsam etwas klarer profilieren?

Herres: Hier ist der „genetische“ Vorteil der ARD auch ihr Nachteil. Wir sind nun einmal vielfältig und wir sind neun Landesrundfunkanstalten, die sich alle rege an der Bespielung dieses Sendeplatzes beteiligen. Das ist zunächst sehr begrüßenswert – aber man muss auch nicht drum herumreden: Die klare Marke des ZDF mit der „Heute-Show“ hat durchaus einen Wettbewerbsvorteil. Das ist ja auch eine gut gemachte Sendung, das darf man als Wettbewerber ruhig mal sagen. Wir haben am Donnerstagabend jetzt vieles ausprobiert, auch viel Interessantes. Aber im zweiten Schritt werden wir das Angebot ein Stück weit verdichten: Dennoch, auf ein Wochenformat werden wir nicht kommen, eine gewisse Vielfalt wird bleiben.

MK: Wann ist hier eine Entscheidung zu erwarten?

Herres: Im Herbst, denke ich. Die Umsetzung könnte dann Ende dieses Jahres erfolgen.

MK: Günther Jauch hat nach seinem Abgang bei der ARD in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ darauf hingewiesen – vielleicht, um sich einfach selbst noch einmal auf die Brust zu klopfen –, dass seine Talksendung verglichen mit der von Anne Will, die den Platz wieder übernommen hat, von den Quoten her erfolgreicher war. Haben Sie eine Erklärung für den Quotenverlust bei Anne Will? Oder ist das halb so wild, weil Anne Will auf dem populären Sonntagsendeplatz nach dem „Tatort“ ja trotzdem immer noch die erfolgreichste Talkshow des deutschen Fernsehens ist?

Herres: Die Popularität von Günther Jauch ist enorm, er ist einer der beliebtesten Fernsehmoderatoren Deutschlands. Und als Moderator eines der bekanntesten Quizformate im kommerziellen Fernsehen hat er mit seiner Sendung im Ersten auch ein Publikum angesprochen, das sich sonst wohl eher weniger für Politik interessiert. Deshalb hat es mich überhaupt nicht überrascht, dass Anne Will etwas hinter ihm liegt. Das ist, wenn man so will, der Jauch-Bonus, den ich ihm gönne. Entscheidend für mich ist: Anne Will macht journalistisch eine durch und durch überzeugende Sendung.

MK: Günther Jauch hat, Quotenerfolg hin, Quotenerfolg her, letztlich von sich aus aufgegeben. Wie würden Sie die fünf Jahre Jauch-Talk in der ARD bilanzieren? Sind Sie noch traurig, dass er es nicht mehr macht? Hätten Sie ihn gerne länger gehabt?

Die Kritik an Jauchs Talksendung empfand ich immer als unfair

Herres: Ich würde es als gute Zeit bilanzieren: Denn wir haben für ein Format, das immer schon sehr erfolgreich war, durch die Popularität von Günther Jauch ein noch größeres Publikum erschlossen. Die Kritik an seiner Talksendung, die er zuweilen erfuhr, empfand ich immer als unfair – andererseits, wenn sich jemand wie er auf so eine Sendung einlässt, dann ist auch klar, dass er besonders kritisch beäugt wird. Dabei ist es doch einfach so, dass bei allen Moderatoren die eine Sendung mal besser ist und die andere vielleicht nicht so gelingt. Jauch hat seine Sache gut gemacht und ich war froh, dass wir ihn im Ersten hatten. Ich habe aber auch akzeptiert, musste akzeptieren, dass er nach diesen fünf Jahren sagt: ‘Nun ist auch gut.’

MK: Aber eigentlich hat er ja früher aufgehört, als man erwartet hätte. Sie würden nicht sagen: Er ist gescheitert?

Herres: Nein.

MK: In Sachen Talkshows gab es zuletzt viele Diskussionen um die anschwellende Teilnahme von Politikern der rechtsextremen AfD, die eigentlich überproportional hoch sei. Soll man Leuten wie … ach, nennen wir ihre Namen lieber erst gar nicht …, soll man solchen Leuten wirklich eine so große Bühne bieten und sie damit vielleicht größer machen, als sie es verdienen?

Herres: Die AfD ist, egal wie man zu ihr steht, eine politische Kraft, eine Partei, die nicht verboten ist und die gerade einen bemerkenswerten Zuspruch erfährt. Unsere Rolle ist es nicht, darüber zu richten, sondern auch die Auseinandersetzung in der Gesellschaft abzubilden. Wenn also eine solche Kraft existent ist, dann gehört es dazu, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Deswegen ist es richtig, wenn AfD-Vertreter in unsere Talkshows eingeladen werden. Aber die Proportionen müssen stimmen.

MK: Tun sie das?

Herres: Wir achten sehr genau darauf, eine Verhältnismäßigkeit herzustellen. Das gilt im Übrigen für alle politischen Kräfte: Wir würden immer angreifbar sein, wenn wir eine politische Kraft in besonderer Weise berücksichtigen würden. Die Wahl und Zusammensetzung der Gäste ist natürlich auch immer von der Aktualität abhängig. Setzt eine politische Strömung besondere, umstrittene Themen, dann ist sie auch Gegenstand öffentlicher, kontroverser Diskussionen – das gehört zu einer offenen Gesellschaft. Insofern: angemessen, ja, und es ist auch richtig, dass diese Auseinandersetzung mit der AfD stattfindet. Stellen Sie sich mal vor, wir würden sie nicht einladen. Dann müssten wir uns vorwerfen lassen, aus falsch verstandener politischer Korrektheit einen Teil der Wirklichkeit gezielt auszublenden. Und die Anhänger der AfD würden sich in ihrer absurden Sichtweise, wir seien so etwas wie „Lügenpresse“, bestätigt sehen.

„Lügenpresse“ – das ist Vokabular des „Dritten Reiches“

MK: Wie geht die ARD denn mit dem Vorwurf „Lügenpresse“ um, der ja immer reflexartig aus dieser Ecke kommt und auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit einschließt?

Herres: Das ist Vokabular des „Dritten Reiches“. Ich halte das für einen völlig unvertretbaren Vorwurf und kann damit wenig anfangen, er ist auch objektiver Unsinn. Wir sind sowohl organisatorisch wie inhaltlich nachweisbar unabhängig und allein der Wahrhaftigkeit und Objektivität verpflichtet. Das stellen wir in unserer Berichterstattung Tag für Tag unter Beweis. Öffentlich-rechtliche Sender genießen, wie wir aus sämtlichen Studien wissen, unter allen Medien die höchste Glaubwürdigkeit – wir liegen hier selbst vor den Qualitätszeitungen, und das in allen Altersgruppen. Was die politische Information angeht, ist das Vertrauen zu ARD und ZDF zuletzt sogar gewachsen, wie die gerade neu erschienene ARD/ZDF-Langzeitstudie zeigt. Gleichwohl muss man sehr genau registrieren, was derzeit in unserer Gesellschaft passiert. Es findet ein Umbruch statt, der uns sehr beschäftigt und nachdenklich stimmt, ebenso wie er die gesamte Gesellschaft nachdenklich stimmen sollte. Offenbar gibt es Teile in der Gesellschaft, die sich von der Politik ebenso wenig vertreten fühlen wie der veröffentlichten Meinung, die sich abwenden und mit denen eine sachliche Auseinandersetzung auch schwierig geworden ist.

MK: Schreckliche Ereignisse, Terror, Attentate, Amokläufe und Katastrophen wie der Germanwings-Absturz oder wie bei der Love Parade in Duisburg bedeuten in Zeiten der beschleunigten Internet-Kommunikation für die Medien, dass sie ihren Umgang damit neu definieren müssen. Die Gerüchtemaschine Internet führt hier immer wieder zu einer neuen Form der Hysterie. Gleichzeitig ist das Internet ein Echtzeit-Medium, mit dessen Schnelligkeit das Fernsehen und der Journalismus im Allgemeinen scheinbar nicht mithalten können. Die ARD und auch das ZDF mussten sich zuletzt beim Putsch in der Türkei vorhalten lassen, zu spät und nicht ausführlich genug berichtet zu haben. Beim tödlichen Geschehen im Münchner Olympia-Einkaufzentrum geschah dann das Gegenteil: Zu schnell wurde zu viel Falsches berichtet, sogleich wurden die eigenen Terrorismus-Experten interviewt, dann hieß es, dass es ein Amoklauf war, während noch später andere meinten, es sei die Tat eines Rechtsradikalen gewesen. Wieder gab es entsprechende Vorwürfe an die öffentlich-rechtlichen Sender wegen der Berichterstattung. Auf Fakten zu warten und eine gewisse Langsamkeit walten zu lassen – wären das nicht die Tugenden, die jetzt mehr denn je gefragt sind, wenn man seinen guten Ruf nicht verlieren will?

Herres: Ja, auf jeden Fall. Gründlichkeit geht immer vor Schnelligkeit – „be first, but first be right“, das ist die Devise, die für uns gelten muss. Wir müssen in diesen Zeiten mit ihren schnelllebigen Fluten digitaler Halbwahrheiten und Gerüchte ein Fels der seriösen Information bleiben.

MK: Und den Vorwurf, dass es in letzter Zeit auch bei der ARD in dieser Hinsicht einige Aussetzer gegeben hat, dass auf der Basis von Gerüchten, die etwa über Twitter verbreitet wurden, zu viel herumspekuliert wurde, statt Journalismus zu betreiben, den würden Sie nicht auf sich sitzen lassen?

Herres: Nein, den bestreite ich: Wir leben diese journalistischen Grundsätze, obwohl sie heute schwieriger einzuhalten sind, auch weil uns natürlich Bildmaterial von allen Schauplätzen dieser Welt in Sekundenschnelle zugeht und sie hinsichtlich ihres Wahrheitsgehalts überprüft werden müssen. Eine noch größere Herausforderung an unsere Gründlichkeit! Darauf reagieren wir insbesondere bei der für „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ zuständigen ARD-aktuell-Redaktion. Wir bauen Kapazitäten aus, um solches Material, das ja an sich erst einmal interessant ist, wirklich auf seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

MK: Aber gerade zuletzt nach dem Putsch in der Türkei und kurz darauf dem Geschehen im Münchner Olympia-Einkaufszentrum offenbarten sich doch tatsächlich Schwächen in der Berichterstattung, zusätzlich gab es auch so einige technische Pannen, etwa bei Schalten. Was immer Sie an „Kapazitäten ausbauen“ – reicht es wirklich, was Sie derzeit machen? Oder müssen Sie nicht völlig neue Überlegungen anstellen?

München: Das Erste hat sich hier in einen Nachrichtenkanal verwandelt

Herres: Technische Pannen sind gerade in Zeiten sich überschlagender Meldungen unter extremen Bedingungen nie ganz auszuschließen. Und dass mal was danebengeht, ist ja auch menschlich. Wir haben am Abend der schrecklichen Münchner Ereignisse stundenlang durchgesendet, bis in die Nacht. Das Erste hat sich hier in einen Nachrichtenkanal verwandelt. Und ich stehe zu dieser Entscheidung. Für Redaktionen, Produktion und Technik ist das eine enorme Herausforderung und Belastung. Da an der einen oder anderen technischen Panne herumzukritteln, finde ich wohlfeil. Entscheidend ist, dass wir die Menschen so umfangreich und seriös wie möglich in dieser unberechenbaren Situation informiert haben.

MK: Wechseln wir zum Thema Fernsehfilm. Der Regisseur und Autor Christian Petzold, der gerade für die ARD seinen zweiten Münchner „Polizeiruf 110“ gedreht hat, der am 11. September ausgestrahlt wird, hat kürzlich in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt: „Das Problem im TV ist, dass immer mehr an der Kreativität gespart wird: kleinere Budgets, kürzere Drehzeiten. Ich muss das Skript so schreiben, dass ich die Geschichte in 24 Drehtagen machen kann. 24 Drehtage sind sowieso schon mehr, als andere für einen ‘Polizeiruf 110’ bekommen.“ Ist das so, dass die Öffentlich-Rechtlichen zu sehr an der Kreativität sparen? Ist der Kostendruck schon so hoch, dass die Fernsehfilme derart darunter leiden müssen?

Herres: Ich glaube nicht, dass dies generell so zutrifft. Doch klar ist ebenso, dass der Kostendruck auch bei uns immens ist und dass eine vernünftige Balance ge­funden werden muss, was uns in der Regel gelingt. Abgesehen davon wünscht sich jeder Kreative, jeder Regisseur mehr Drehtage – das ist verständlich und liegt in der Natur der Sache. In Einzelfällen, wenn es finanziell mal klemmt, waren wir immer sehr flexibel. Ich habe mich auch des öfteren selbst eingeschaltet und für Linderung gesorgt. Denn was wäre die Alternative?

MK: Christian Petzold und seinen Kollegen mitzuteilen: Es gibt wieder mehr Drehtage.

Herres: Und wir produzieren dann auch deutlich weniger?

MK: Das wäre die Alternative?

Herres: Wir können den Euro ja nur einmal ausgeben. Die Alternative wäre in der Tat, deutlich weniger Filme zu produzieren.

MK: Entweder mit weniger Drehtagen viele Filme oder mit mehr Drehtagen insgesamt weniger Filme…

Herres: Wir achten schon sehr darauf, die Drehtage einigermaßen stabil zu halten. Aber wie gesagt: Es ist manchmal nicht leicht, die Balance zu finden.

MK: Sie sparen nicht an der Kreativität?

Herres: Nein.

Mehr Dokumentationen und Reportagen als in jedem anderen Vollprogramm

MK: Der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen hat im Jahr 2010 beim „Mainzer Mediendisput“ angemahnt, das öffentlich-rechtliche Fernsehen dürfe die Hintergrundberichterstattung nicht vernachlässigen; es sei nicht akzeptabel, wenn Dokumentationen und Reportagen in die Nacht rutschten. Tatsächlich kann man nicht behaupten, dass im Ersten Programm Dokumentationen und Reportagen Regelsendeplätze in der sogenannten Primetime haben. Man muss ja schon froh sein, wenn Dokus um 22.45 Uhr nach den „Tagesthemen“ zu sehen sind. Oft ist es noch wesentlich später. Der arbeitende Mensch muss dann in der Regel schlafen. Und 90-minütige Dokumentarfilme gibt es kaum noch. Was sagen Sie zu Fritz Pleitgens Mahnung?

Herres: Ich teile die Kritik des von mir geschätzten Kollegen Pleitgen nicht: Wir haben in der Hintergrundberichterstattung deutlich zugelegt, sind im Bereich des rechercheintensiven, investigativen Journalismus heute besser und stärker denn je. Denken Sie nur an zwei Stichworte aus der jüngsten Vergangenheit: „Panama Papers“ oder „Doping“, also die Enthüllungen unserer Doping-Redaktion um Hajo Seppelt zu den russischen Leichtathleten. Wir haben mehr Dokumentationen und Reportagen als jedes andere Vollprogramm. Und die Regelplätze nach den „Tagesthemen“ – mit den Reihen „Die Story im Ersten“ und im Anschluss daran „Geschichte im Ersten“ – gewährleisten einfach eine viel größere Aufnahmebereitschaft für dieses Genre. „Exclusiv im Ersten“ läuft vor den „Tagesthemen“ und auch am Wochenende haben wir Regelplätze für Inlands- und Auslandsreportagen. Daneben widmen wir uns relevanten Stoffen auch in der Reihe „Gott und die Welt“. Für den großen 90-minütigen Dokumentarfilm haben wir in der Regel zwölf Termine pro Jahr – so viel wie kein anderer Sender. Außerdem setzen wir Einzelstücke oder vertiefenden Talk auch auf ganz prominente Plätze – bei Themenabenden unmittelbar nach der Fiktion. Große Doku-Dramen wie „Der gute Göring“, „Eichmanns Ende“ oder „Ein blinder Held – Die Liebe des Otto Weidt“ laufen am Sonntag um 21.45 Uhr nach dem „Tatort“ – nach dem erfolgreichsten Regelsendeplatz, den es im deutschen Fernsehen gibt. Mehr an Audience-flow und eine bessere Zeit können Sie einem Dokumentarfilm gar nicht bescheren.

MK: Das stimmt einerseits, aber andererseits machen Sie das eben nicht jeden Sonntag, sondern vielleicht zwei-, dreimal im Jahr.

Herres: So viele Dokumentarspiele, die sich wirklich dazu eignen, gibt es nun auch nicht.

MK: Sonntags machen Sie noch eine andere Sache: Da gibt es im Ersten das Literaturmagazin „Druckfrisch“, etwa zweieinhalb Stunden nach dem „Tatort“, also gegen Mitternacht. Sicher, im Prinzip kann sich jeder in der Mediathek fast jede Sendung anschauen, wann er am besten Zeit dazu hat. Aber warum senden Sie eine so avancierte und gute Sendung wie „Druckfrisch“ nicht einfach mal früher im Ersten?

Herres: Wir haben ja unser Kulturmagazin „ttt“ auf einem sehr etablierten Sendeplatz am Sonntagabend nach den „Tagesthemen“, dort wird es auch gut eingeschaltet und „ttt“ ist das erfolgreichste Kulturmagazin im deutschen Fernsehen – ich meine, auch das beste, weil die Redaktionen wirklich erstklassige Arbeit leisten. Auch in „ttt“ findet Literatur regelmäßig statt, es werden ebenfalls Bücher vorgestellt und auf sehr kreative Weise filmisch inszeniert. Unser „Druckfrisch“ ist, wenn Sie so wollen, ein Special-Interest-Angebot, das wir, den Audience-flow von „ttt“ nutzend, im Anschluss platzieren, wenn Kulturinteressierte bereits fernsehen.

MK: Und wer „Druckfrisch“ sehen will, muss eben ein Nachtmensch sein und darf dann erst nach Mitternacht ins Bett gehen?

Herres: Oder bei DasErste.de einzelne Beiträge von „ttt“ und manchmal sogar die ganze Sendung vorab ab 18.00 Uhr ansehen. Die komplette Sendung „Druckfrisch“ steht immer am Sendetag um 18.00 Uhr zum Abruf bereit.

MK: Der Vorabend im Ersten gilt seit Jahren als Problemzone der ARD. Offenbar muss man jetzt sagen: Er galt als Problemzone. Denn Sie hatten zuvor schon erwähnt, der ARD-Vorabend sei mit den neuen Quizformaten „auf einem unglaublich guten Weg“. Da haben Sie jetzt anscheinend das Ei des Kolumbus gefunden. Haben Sie also Anlass, hier zufrieden zu schmunzeln?

ARD-Vorabend: Quizformate in neuer dramaturgischer Form

Herres: Wir haben am Vorabend Jahre der Dürre hinter uns und ich bin sehr froh, dass dort jetzt die Quizformate sehr erfreuliche Zuwächse erzielen. Nach vielen Experimenten ist es uns in der Tat gelungen, jetzt eine Farbe zu finden, für die offenbar ein großes Interesse besteht: Quizformate in neuer dramaturgischer Form.

MK: Wenn nichts mehr hilft, hilft Quiz. Eines der ältesten Formate der Welt.

Herres: Alle Formate im Fernsehen erleben ihre Konjunkturzyklen. Es gab Phasen, in denen Quiz nicht mehr so trendy war. Jetzt haben wir offenbar den Trend erwischt.

MK: Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ hat im Jahr 2010 Harald Schmidt in einem Interview einmal gefragt: „Finden Sie nicht, dass die ARD sich viel mehr Leute leisten müsste, die den Bildungsauftrag ernst nehmen?“ Was finden Sie?

Herres: Ich bin umgeben von Menschen, die den Bildungsauftrag ernst nehmen.

MK: Wie und wo äußert sich das im Ersten Programm?

Herres: In fast allen unseren Sendungen. Fangen wir mal mit den Quizsendungen an, über die wir gerade gesprochen haben. Ist das nicht auch Bildungsfernsehen, in populärer Form?

MK: Ratesendungen als Bildungsfernsehen? Sehr kühne Behauptung.

Herres: Ja, ich neige zu Kühnheit. Nein, ich meine das durchaus ernsthaft: Hier wird doch in einer sehr populären Form auch Wissen vermittelt. Aber auch unsere Unterhaltungsshows vermitteln Wissen, wie zum Beispiel „Frag doch mal die Maus“ und „Hirschhausens Quiz des Menschen“. Und wenn Sie sich das gesamte Informationsprogramm anschauen, dann ist das nicht nur aktuelle und hintergründige Information, sondern wir erklären den Menschen auch immer, worum es geht. Nehmen Sie unlängst die Berichterstattung vor und nach dem Brexit. Wir hatten dazu unzählige Sendungen: Sonder-, Diskussionssendungen und vertiefende Reportagen, in denen wir versucht haben, deutlich zu machen, was der Brexit bedeutet. Was passiert, wenn ein so großes Land wie Großbritannien tatsächlich die EU verlässt und welche Konsequenzen das für uns und für die Briten hat. Das ist doch auch eine Form von Wissensvermittlung. Und dann darf ich noch an unsere „Themenwochen“ erinnern.

„Babylon Berlin“: Nein, nein, er hat das Projekt nicht in Frage gestellt

MK: Sie erwähnten schon kurz die Serie „Babylon Berlin“, die gerade entsteht, ein Renommierprojekt, der Pay-TV-Sender Sky ist hier, wie gesagt, Kooperationspartner der ARD. Es gab dazu im Oktober vorigen Jahres eine auffällige Sache, die damals so einige in der Branche, sagen wir: irritiert hat. In der Sendung „ARD-Check“ mit NDR-Intendant Lutz Marmor und WDR-Intendant Tom Buhrow gab es diese Szene, als Buhrow plötzlich sagte, das „Babylon-Berlin“-Projekt könne vielleicht noch scheitern…

Herres: …es wackelt, hat er gesagt.

MK: Okay, es wackelt. Aber das ist ja schon befremdlich, wenn ein so hoher Repräsentant der ARD in einer öffentlichen Sendung des eigenen Programms das eigene Projekt derart in Frage stellt. Fast konnte man meinen, er bringt für dieses Projekt nicht die Liebe mit.

Herres: …nein, nein, er hat nicht das Projekt in Frage gestellt. Offenbar bekam er an diesem Tag eine Information, dass es bei der Umsetzung Schwierigkeiten gäbe, was bei Projekten dieser Größenordnung ja nicht ungewöhnlich ist.

MK: Ungewöhnlich ist aber, dass man es dann derart öffentlich kundtut. Da haben sich ja alle, die beteiligt sind, und alle, die dieses Projekt lobenswert finden, erst einmal ganz schön erschreckt…

Herres: …ich liebe Spontaneität.

MK: Mal spontan die Leute erschrecken?

Herres: Falls sich damals jemand erschrocken haben sollte, kann ich noch einmal beruhigen: Das Projekt läuft, wir sind mitten im Dreh.

MK: Bretagne, Istanbul, Südtirol, Urbino, Venedig, Athen, Kroatien, Israel – bei diesen Ortsangaben mag man an Reise- und Tourismussendungen denken, vielleicht auch an das „Traumschiff“ des ZDF. Bei der ARD stehen diese Orte und Regionen für Kriminalfilm-Reihen, in denen immer deutsche Schauspieler ausländische Kommissare spielen. Meinen Sie, dass das deutsche Fernsehpublikum deutlich verwirrt würde, wenn in einem ARD-Krimi, der in Italien spielt, ein Italiener einen italienischen Kommissar darstellen würde? Dass ein Italiener eine solche Rolle spielt, das war ja zumindest früher einmal so, etwa in der ganz hervorragenden Serie „Allein gegen die Mafia“. Man könnte etwas zugespitzter auch fragen: Warum müssen in so vielen Krimi-Mainstream-Produktionen so viele deutsche Schauspieler als italienische, französische oder israelische Kommissare herumdilettieren? Das ist doch irgendwie auffällig.

Herres: Wir reden hier ja von unterhaltender Fiktion und das deutsche Publikum schätzt deutsche Schauspieler. Wenn also ein Plot, ein Buch gut gemacht ist, dann funktioniert das, wie man am Zuschauerzuspruch eindeutig sehen kann. Denken Sie nur an das Format, was wir hier schon am längsten haben: „Mordkommission Istanbul“ mit Erol Sander. Das funktioniert absolut, und hier dilettiert auch niemand herum!

MK: Klar, Krimi und Quote, das funktioniert eigentlich immer, siehe „Tatort“. Apropos: Wer hatte eigentlich die Idee, Harald Schmidt zum „Tatort“ Freiburg zu holen, wie ist das entstanden? Können Sie etwas zum Hintergrund erzählen?

Herres: Nein, kann ich nicht: Das war eine Idee des SWR, der für diesen „Tatort“ zuständig ist. Aber ich stelle mir einen „Tatort“ mit Harald Schmidt schon sehr lustig vor.

MK: Wie geht es denn mit dem NDR-„Tatort“ von und mit Til Schweiger weiter? Geht es überhaupt weiter oder muss auch hier vielleicht an der Kreativität gespart werden, damit es weitergehen kann? Ein Til Schweiger hat ja mehr als 24 Drehtage.

Herres: Til Schweiger bleibt uns mit seinem „Tatort“ erhalten.

MK: Die ARD hat im Talkshow-Bereich bekanntlich reduziert. Jüngst hat der Medienforscher und Filmemacher Lutz Hachmeister aber in einem Interview mit der „taz“ zu der Frage, warum es insgesamt immer noch so viele Talkshows gebe, gesagt: „Weil es planwirtschaftliches Fernsehen ist. Man kann ungefähr die Quote absehen. Es ist im Vergleich zu anstrengenden Recherchen billig. Und es schafft eine strukturelle Regelmäßigkeit, die den Programmmanagern gefällt. Risikovermeidung ist das Lebenselixier technokratischer Programmplanung.“ Fühlen Sie sich angesprochen?

Es muss Quote mit den richtigen Inhalten sein

Herres: Ich neige ganz und gar nicht zur Risikovermeidung, im Gegenteil, ich liebe Risiken. Und, nun ja, es gibt ja nicht den Programmmanager, Menschen sind unterschiedlich. Aber dass unsere Programme generell sehr risikoscheu sein sollen, glaube ich nicht. Im Gegenteil: In toto sind wir in der ARD durchaus risikofreudig. Wir probieren doch immer wieder Formate aus, bei denen der Erfolg mitnichten garantiert ist. Nein, diese These von Hachmeister teile ich nicht.

MK: Stichwort „Quotenerfolg“. Daran machen auch öffentlich-rechtliche Programmmanager immer stärker fest, ob etwas funktioniert oder nicht. Quote gut, bedeutet: funktioniert, Quote schlecht, bedeutet: funktioniert nicht. Ist Quotenerfolg in diesem Sinne ein Wert an sich?

Herres: Nein, die Quote hat eine dienende Funktion. Wir haben einen öffentlich-rechtlichen Programmauftrag und den wollen wir so erfüllen, dass das Erste Qualitätsführer ist und bleibt – mit dem inhaltlich überzeugendsten und hochwertigsten Angebot. Das ist unser Anspruch. Das bedeutet nicht, dass wir ihn Tag für Tag einzulösen vermögen, aber es ist unsere Messlatte, die wir täglich anlegen. Aber natürlich wollen wir mit diesem Programm auch so viele Menschen wie möglich erreichen. Also: Quote allein wäre noch kein Erfolg. Es muss Quote mit den richtigen Inhalten sein. Aber Qualität, die kaum einer anschaut, wäre auch kein Programmerfolg, jedenfalls nicht für ein nationales Vollprogramm.

MK: Mit wem haben Sie zuletzt telefoniert, um ihn oder sie für die ARD zu gewinnen? Wer soll der neue Jauch der ARD werden, wer der neue Schimanski?

Herres: Wir sind personell bestens aufgestellt, aber freuen uns immer wieder über neue Protagonisten, wie zum Beispiel Carolin Kebekus, deren „Pussy Terror TV“ demnächst im Ersten läuft, erstmals voraussichtlich Ende September.

MK: Sicher sehen Sie sich manchmal Sendungen der privaten Konkurrenz an. Was schauen Sie da, zur Inspiration oder vielleicht eher zur Abschreckung? „Deutschland sucht den Superstar“ und „Bauer sucht Frau“ bei RTL? Oder „Circus Halligalli“ bei Pro Sieben, um daraus eventuell zu lernen, was die ARD tun muss, um jüngeres Publikum zu erreichen?

Herres: Das eine oder andere schaue ich mir rein professionell an. So viel ist das aber nicht, weil ich den Ehrgeiz habe, einen Großteil unseres eigenen Programms zu sehen, und das kann ein Menschenleben schon fast erfüllen.

MK: Kann man denn als öffentlich-rechtlicher Programmmacher von den Privatsendern etwas lernen?

Herres: Na klar, von einer Show wie „Circus Halligalli“ kann man durchaus lernen. Als Programmmacher schauen Sie doch immer, was andere machen und ob vielleicht das eine oder andere Format für das eigene Programm was sein könnte.

MK: Was ist die große Herausforderung von Fernsehen heute, für einen ARD-Programmdirektor, im Digitalzeitalter?

Das olympische Finale der Damen über 68 Kilo im Taekwondo

Herres: Fernsehen im Gespräch zu halten. Wir sind in einem digitalen Umbruch, gar keine Frage, und mancher sagt schon das Ende des linearen Fernsehens voraus. Doch alle Zahlen sprechen dagegen. Ich glaube aber durchaus, dass lineares, klassisches Fernsehen ein Stück weit einen Funktionswandel erlebt, weil sich Menschen zeitunabhängiger informieren können, weil sie schnell mal da und dort schauen. Aber Fernsehen kann auch mit klaren Marken Verlässlichkeit bieten, mit der „Tagesschau“, der „Sportschau“, mit dem „Tatort“ – alle drei Formate stehen jeweils für sich für erstklassige Qualität. Und Fernsehen kann große Ereignisse und Gemeinschaftserlebnisse stiften, wie zuletzt bei den Übertragungen von der Fußball-Europameisterschaft oder auch dem Eurovision Song Contest, bei großen Shows oder fiktionalen Events. Und ich glaube geradezu dialektisch, dass sich die Gesellschaft zwar in einem Umbruch befindet, der Mensch aber nicht als Nomade durch die digitale Welt irren möchte, sondern ein soziales Wesen ist und bleibt und das Gemeinschaftserlebnis in dem Wissen will: Womit ich mich gerade auseinandersetze, damit beschäftigen sich eben jetzt auch Millionen anderer Menschen. Das ist der Kitt unserer Gesellschaft. Diesen Funktionswandel zu meistern und zu bedienen, das ist heute die größte Herausforderung für einen Programmdirektor.

MK: Obwohl es eher abnimmt mit solchen großen Gemeinschaftsfernseherlebnissen, da dürfte es also schwieriger werden, es aufrechtzuerhalten. Denn über Videostreaming wird heutzutage – und wahrscheinlich in Zukunft noch mehr – doch immer stärker individuell geschaut. Sie müssen also als Fernsehmacher gegen den Trend arbeiten, oder?

Herres: Ich glaube nicht, dass wir gegen den Trend arbeiten, ich bin der Überzeugung, dass es dieses Gemeinschaftsbedürfnis gibt. Mein Lieblingsbeispiel ist das Finale der Damen über 68Kilo im Taekwondo bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London: Das hatte über 8 Millionen Zuschauer. Warum?

MK: Ganz ohne Telefonjoker geantwortet: Aufgrund des Gemeinschaftserlebnisses.

Herres: Würden Sie üblicherweise nach Hause eilen, um zu sagen: ‘Oh, gleich muss ich einschalten, es kommt das Finale der Damen über 68 Kilo im Taekwondo’?

MK: Ich würde jetzt noch fragen: Welches ist das beste Dritte Programm der ARD? Was ist Ihre Lieblingssendung im Ersten? Wobei – wahrscheinlich dürfen Sie das um des lieben ARD-Friedens willen ja gar nicht sagen.

Herres: Ich beantworte das mit Mielke: „Ich liebe doch alle.“

MK: Dann sagen Sie uns doch, was Ihre Lieblingssendung im ZDF ist. Da legen Sie sich dann mit niemanden am.

Herres: ZDF..? ZDF..? Da muss ich überlegen…

MK: Überlegen Sie! [Die Antwort lässt auf sich warten.] Die „Heute-Show“?

Herres: Das sagen alle und ich habe das auch schon mal gesagt – die „Heute-Show“ ist ja wirklich eine gute Sendung, das muss man neidlos anerkennen.

Die Legitimität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

MK: Okay, kommen wir lieber zurück zur ARD. Der ARD-Verbund erscheint aufgrund seiner komplexen Konstruktion oft eher unbeweglich und er ist an der Spitze personell von recht großer Konstanz geprägt. Sie sind seit November 2008 Programmdirektor, die meisten der Intendanten sind seit mehreren Jahren im Amt. Immerhin zwei Änderungen hat es in jüngster Zeit gegeben: Beim Hessischen Rundfunk hat Manfred Krupp Helmut Reitze, der aus gesundheitlichen Gründen aufhörte, als Intendant abgelöst und beim Rundfunk Berlin-Brandenburg folgte Patricia Schlesinger als Intendantin auf Dagmar Reim, die vorzeitig in den Ruhestand ging. Wenn Sie, der sie ja nach eigenen Worten das Risiko lieben, Intendant des HR oder des RBB wären, was beispielsweise würden Sie dem Ersten an ungewöhnlichen Programmideen anbieten, um damit den jeweiligen Sender innerhalb der ARD zu profilieren? Könnte – zum Beispiel – der RBB nicht das Hauptstadtstudio für sich reklamieren, das aufgrund Bonner Zeiten immer noch vom WDR aus Köln geleitet wird?

Herres: Die Leiterin des Hauptstadtstudios, Tina Hassel, kommt vom WDR. Die Federführung für das Hauptstadtstudio hat der RBB. Die ARD ist immer vielfältig und föderal. Und die von mir hochgeschätzte Kollegin Patricia Schlesinger wie der ebenso geschätzte Manfred Krupp sind leidenschaftliche Programmmenschen, die selbst am besten wissen, was ihre Häuser zum Erfolg des Ersten beitragen können.

MK: Der allgemeine Rundfunkbeitrag ist immer gut für eine Debatte. Von bestimmter Seite wird gerne alle Jahre wieder polemisiert, der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland sei überfinanziert. Auf rund 8 Milliarden Euro belaufen sich inzwischen für ARD, ZDF und Deutschlandradio die Gesamteinnahmen aus dem Rundfunkbeitrag. Wie könnte man mittelfristig für eine bessere Akzeptanz des Rundfunkbeitrags werben, wie kann man die Legitimität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stärken?

Herres: Sie sagen es: Es wird „polemisiert“. Ich bin überzeugt, dass alle, die unser Programm in seiner Vielfältigkeit bewusst wahrnehmen, durchaus erkennen, wie viel an Inhalten wir für 17,50 Euro bieten. Legitimität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entsteht durch Qualitätsprogramme, die es ohne uns in der Gesellschaft so nicht gäbe. Heute ist das angesichts der gesellschaftlichen Komplexität, der Umbrüche und Herausforderungen wichtiger denn je. Gäbe es öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht, müsste man ihn erfinden.

10.08.2016/MK

Print-Ausgabe 14/2017

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