Drei Stufen in fünf Fällen

Online-Ausbau: Testverfahren bei BR, MDR und Radio Bremen

Von Volker Nünning

Von den Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten werden derzeit fünf Drei-Stufen-Tests durchgeführt. Alle Verfahren betreffen die ARD. Jeweils zwei Prüfverfahren sind vom Bayerischen Rundfunk (BR) und vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) gestartet worden. Ein weiterer Test ist bei Radio Bremen anhängig. Zuständig für die Prüfungen sind die Rundfunkräte des BR, des MDR und von Radio Bremen. Die fünf Drei-Stufen-Tests wurden alle innerhalb der zweiten Jahreshälfte 2015 gestartet, vier davon im November bzw. Dezember. Bislang haben die Aufsichtsgremien der ARD-Anstalten, des ZDF und des Deutschlandradios insgesamt 45 Drei-Stufen-Tests abgeschlossen (hinzu kommen nun die genannten fünf aktuellen).

Das Prüfverfahren des Drei-Stufen-Tests war mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag zum 1. Juli 2009 eingeführt worden. Über solche Tests müssen die Sendergremien seither prüfen, ob die Rundfunkanstalten neue Online-Dienste starten und Änderungen an bestehenden Angeboten umsetzen dürfen. In den Verfahren ist laut Rundfunkstaatsvertrag unter anderem zu untersuchen, ob das jeweilige Angebot „den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht“ und in welchem Umfang es „in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb“ beitragen werde. Das für einen Drei-Stufen-Test zuständige Gremium muss ferner bei einem unabhängigen Sachverständigen ein Gutachten in Auftrag geben, mit dem die marktlichen Auswirkungen des zu überprüfenden Online-Angebots untersucht werden. Im Folgenden Details zu den aktuell fünf laufenden Drei-Stufen-Tests:

BR: Mediatheken bei
br.de und daserste.de

Beim Bayerischen Rundfunk geht es in zwei Prüfverfahren darum, die Abrufzeiträume von bestimmten fiktionalen Sendungen zu verlängern: Das eine Verfahren bezieht sich dabei auf die Mediathek des BR (bei br.de), das andere auf die Mediathek des Ersten Programms der ARD (bei daserste.de). Beide Prüfungen hat der BR-Rundfunkrat am 10. Dezember 2015 gestartet. Da der Bayerische Rundfunk innerhalb des Senderverbunds federführend das ARD-Angebot daserste.de verantwortet, ist der BR-Rundfunkrat somit auch für die geplanten Änderungen bei der Mediathek daserste.de zuständig.

Sowohl in der Mediathek des BR als auch in der des Ersten sollen unter anderem Filme aus Reihen – beim BR etwa Heimatkrimis, beim Ersten etwa „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“ – länger im Netz bleiben können, und zwar künftig über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten (aktuell sind es bis zu drei Monate). Folgen von täglichen Unterhaltungsserien – beim BR beispielsweise „Dahoam is Dahoam“, beim Ersten etwa „Rote Rosen“ oder „Sturm der Liebe“ – sollen demnächst bis zu drei Monate verfügbar sein. Bisher gilt hier, dass die jeweilige Folge bis zu sieben Tage nach ihrer TV-Ausstrahlung online verfügbar sein kann.

Episoden von den übrigen Serien (vor allem wöchentliche) sollen künftig in beiden Mediatheken bis zu sechs Monate nach ihrer linearen Ausstrahlung abrufbar bleiben. Bislang gelten für solche nicht täglichen Serien zwei Regelungen. Der Abrufzeitraum für Unterhaltungsserien wie „Spezlwirtschaft“ (Bayerisches Fernsehen/BR), „Großstadtrevier“ oder „Um Himmels Willen“ (beide ARD) beträgt aktuell maximal sechs Wochen. Bei Serien, die geeignet sind, den gesellschaftlichen Diskurs zu fördern, sind es bis zu drei Monate. In dieses Segment fallen auf ARD-Ebene Produktionen wie „Weissensee“ oder die „Lindenstraße“. Mit der Neuregelung würden unterschiedliche Abrufzeiträume bei Serien entfallen, die nicht täglich ausgestrahlt werden.

Die Verlängerung der Abrufzeiträume in den genannten vier Segmenten rechtfertigen die Senderverantwortlichen mit den veränderten Erwartungen der Nutzer im Video-on-Demand-Bereich. Außerdem würde die vorgesehene Erweiterung der Abrufzeiträume lediglich an das bereits 2009 ausgearbeitete „ARD-Verweildauerkonzept“ angepasst. Seinerzeit legten die Anstalten für ihre eigenen Online-Angebote (etwa wdr.de, ndr.de) und ihre gemeinsam betriebenen Portale (zum Beispiel ard.de, daserste.de) anlässlich der damaligen Drei-Stufen-Tests einheitliche Abrufzeiträume fest. Im Jahr 2010 nahm hier aber der BR-Rundfunkrat – im Gegensatz zu anderen ARD-Aufsichtsgremien – Beschränkungen vor, die somit zu unterschiedlichen Regelungen innerhalb der ARD führten. Die Begrenzungen hatte der BR-Rundfunkrat damals damit begründet, dass sich zu lange Abrufzeiträume „negativ auf den noch vergleichsweise jungen Markt der Video-on-Demand-Angebote auswirken“ würden (vgl. FK-Heft Nr. 27-28/10).

Bis zum 11. Februar konnten kommerzielle Wettbewerber zu den vorgesehenen Verlängerungen der Abrufzeiträume in den beiden Mediatheken gegenüber dem BR-Rundfunkrat Stellung nehmen. In seiner Sitzung am 4. Februar beauftragte der Rundfunkrat das Beratungsunternehmen Goldmedia (Berlin) damit, zwei Gutachten vorzulegen, die die marktlichen Auswirkungen der längeren Abrufzeiträume für die BR-Mediathek und das Portal daserste.de aufzeigen. Die beiden Gutachten sollen bis Ende März dieses Jahres vorliegen. Wann der BR-Rundfunkrat die beiden Prüfverfahren mit Entscheidungen abschließen wird, ist offen.

MDR: Online-Angebot
von MDR und Kika

Beim Mitteldeutschen Rundfunk beziehen sich die beiden Drei-Stufen-Tests auf den Ausbau des Online-Auftritts des Senders (Start des Test: Juli 2015) und auf die Ausweitung der Internet-Angebote des Kinderkanals von ARD und ZDF (Start des Tests: November 2015). Beim Kinderkanal (Kika) ist der MDR federführend, so dass für die Erweiterungspläne des Kika ebenfalls der MDR-Rundfunkrat zuständig ist (zum Kika siehe diese MK-Meldung).

Die Inhalte seines eigenen Online-Angebots will der MDR weiter optimieren. Sie sollen „netzspezifisch konfektioniert“ werden, das heißt: „Alle Funktionen, Angebots- und Verbreitungsformen können miteinander kombiniert und für alle Telemedieninhalte angewendet werden.“ Den Online-Nutzern will der MDR auch personalisierte Angebote offerieren, etwa für den Abruf über mobile Endgeräte.

Ausgebaut werden sollen unter anderem die Angebote für Kinder und Jugendliche. So ist der Start einer Kindermedien-App vorgesehen, die „durch eine Homepage sowie über ein lineares DAB-plus-Hörfunkprogramm komplettiert“ werden soll. Sein Online-Angebot will der MDR fortlaufend inhaltlich, gestalterisch und technisch anpassen. Außerdem will die Rundfunkanstalt Tests und Pilotversuche starten können, um dadurch Erkenntnisse für die stetige Weiterentwicklung ihrer Online-Aktivitäten zu gewinnen. Die jährlichen Kosten für ein ausgebautes Online-Angebot gibt der MDR mit 32,4 Mio Euro an – das entspräche einer Verdreifachung der bisherigen Ausgaben. Im Jahr 2015 beliefen sich die Aufwendungen des MDR im Internet-Bereich nach Senderangaben auf 11,3 Mio Euro.

Zu den Online-Plänen des MDR konnten bis zum 9. September 2015 kommerzielle Wettbewerber Stellung nehmen. Das vom Rundfunkrat einzuholende Gutachten zu den marktlichen Auswirkungen liegt bereits vor. Erstellt wurde es von der Technischen Universität Dresden. Wann der Rundfunkrat seine Beratungen in diesem Drei-Stufen-Test abschließen und eine Entscheidung treffen, steht noch nicht fest.

Radio Bremen:
Ausbau von Bremen Next

Seit dem 11. Dezember 2015 läuft bei Radio Bremen ein Drei-Stufen-Test, in dem geprüft wird, ob die Rundfunkanstalt ihr Hörfunkangebot Bremen Next crossmedial ausbauen darf. Bremen Next existiert bereits seit einiger Zeit als Projekt und war zunächst ein Webchannel; später kam dann eine Plattform im Netz hinzu, über die das lineare Programm seither als Livestream angeboten wird und beispielsweise auch Videobeiträge abrufbar sind. Bremen Next will junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren in Bremen und Bremerhaven erreichen – sie machen mit rund 90.000 Personen rund ein Siebtel der Gesamtbevölkerung des Bundeslandes aus. Bremen Next ist in der Stadt Bremen auch digital-terrestrisch über DAB plus zu empfangen.

Im Spätsommer 2016 soll Bremen Next in ausgebauter Form an den Start gehen. Ab dann soll es neben einem linearen Programm unter anderem auch journalistische Audio- und Video-Beiträge, Bewegtbild-Produktionen bzw. Bewegtbild-Livestreaming aus dem Radiobetrieb („Visual Radio“) sowie Textangebote und Bildergalerien geben. Zusätzlich wird laut Konzept „eine starke Präsenz in den zielgruppenrelevanten Social-Media-Kanälen“ angestrebt.

Radio Bremen hält ein solches crossmediales Angebot für ein jüngeres Publikum für notwendig, da man mit den bisherigen Programmen „den Anschluss an die jüngere Generation (unter 30 Jahren) zu verlieren droht“. Ziel sei es, mit Bremen Next „die Generationenlücke zu schließen und den öffentlich-rechtlichen Auftrag auch bei der jungen Zielgruppe zu erfüllen“. Als Budget für das ausgebaute Angebot kalkuliert Radio Bremen fürs Jahr 2016 mit einem Betrag von 371.000 Euro. In den Folgejahren soll es um einen „vergleichbaren Aufwand“ gehen.

Bis zum 5. Februar konnten sich beim Rundfunkrat von Radio Bremen kommerzielle Wettbewerber zu den Ausbauplänen bei Bremen Next äußern. Von dem Gremium wurde das Beratungsunternehmen Goldmedia damit beauftragt, ein Gutachten zu erstellen, in dem die marktlichen Auswirkungen von Bremen Next als crossmedial ausgebautes Angebot beschrieben werden. Die Expertise soll am 2. März vorliegen. Wenn Radio Bremen im Spätsommer 2016 mit dem erweiterten Angebot von Bremen Next an den Start gehen will, dann müsste der Rundfunkrat vor dem Sommerpause die Genehmigung dazu erteilen.

26.02.2016/MK

Print-Ausgabe 13/2016

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