USA: Wachsende Popularität von Anthologie-Serien

Fernsehserien waren in den USA (und wohl nicht nur dort) noch nie so populär wie heute. Deren immer zahlreichere Präsenz vor allem im Programm der Kabelsender und der Videostreaming-Anbieter hat zu der steigenden Nachfrage beigetragen, aber auch die vielerorts zu beobachtende Qualitätsverbesserung des Angebots und die Bereitschaft namhafter Autoren, Regisseure und Darsteller, an Fernsehproduktionen mitzuwirken. Kinofilme wie „Mission Impossible“ und „Jurassic World“ sorgen zwar kurzfristig für große Aufmerksamkeit und mögen Besucherrekorde erzielen, doch mit der allgegenwärtigen Präsenz der sich über Monate und Jahre hinziehenden Fernsehserien können sie heutzutage kaum noch mithalten.

Die erstaunliche Popularität des Serien-Angebots im US-Fernsehen hat auch viel damit zu tun, dass die Uniformität des Genres in den letzten Jahren immer häufiger aufgebrochen wurde. Das gilt nicht nur für die Inhalte, die sich von den allzu gleichgesichtigen Detektivserien früherer Jahrzehnte zu differenzierteren Produktionen entwickelt haben, die heutigen Moden und Trends Rechnung tragen. Ein immer beliebter werdendes Format sind in den USA die sogenannten Anthologie-Serien, die von den Sendern häufig als „Event Series“ oder „Limited Series“ angekündigt werden.

Diese Serien bestehen zumeist aus acht oder zehn Episoden, mit denen quasi das Terrain getestet wird. Schlägt das Konzept fehl, so verschwinden sie klaglos aus dem Programm. Haben sie Erfolg, so kehren sie in der nächsten TV-Saison wieder, aber nicht als Fortsetzung oder mit denselben Figuren, sondern mit neuen Geschichten und anderen Handlungsträgern. Sie lassen sich am ehesten mit Sammlungen von Short Stories vergleichen, die zwar alle in sich abgeschlossen sind, aber unter einem einigenden Thema stehen. „Fargo“ (FX), „American Crime“ (ABC) und „True Detective“ (HBO) sind Beispiele für solche Anthologie-Serien.

Bessere Autoren, bekannte Schauspieler

Das amerikanische Publikum scheint dieses neue Serien-Format zu mögen. Nicht zuletzt weil bessere Autoren daran beteiligt sind und bekannte Schauspieler mitwirken. „Fargo“ beruht auf einem gleichnamigen Kinofilm von Joel und Ethan Coen, „American Crime“ wurde von John Ridley, dem Autor des Oscar-gekrönten Spielfilms „12 Years a Slave“, und „True Detective“ von Nic Pizzolatto, einem aufstrebenden Neo-Noir-Autor, geschrieben. In diesen Serien wirkten Stars mit wie Matthew McConaughey, Woody Harrelson, Felicity Huffman, Colin Farrell und Billy Bob Thornton. Mehrere Emmy Awards bestätigten die Originalität der Serien. Alle drei wurden für eine weitere Saison verlängert.

Doch mit dieser Verlängerung kommt eine nicht zu unterschätzende Unsicherheit bei der Programmierung von Anthologie-Serien ins Spiel. Es liegt in der Natur der Sache, dass sie in jeder Saison eine abgeschlossene Geschichte erzählen, wie auch jede Novelle in einer Short-Story-Sammlung in sich abgeschlossen ist. Zwar mögen dieselben Darsteller wiederkehren, doch sie spielen andere Figuren in einer anderen Handlung. Das Network FX hat bei seiner Anthologie-Serie „American Horror Story“ damit Glück gehabt: Die Produktion ist seit 2011 im Programm und hat sich zur meistgesehenen Serie des Senders entwickelt.

„True Detective“ hingegen erntete zwar für seine erste Saison großes Lob bei Publikum und Presse, für die kürzlich angelaufene zweite Staffel lässt sich ein solcher öffentlich geäußerter Enthusiasmus jedoch nicht mehr feststellen, obwohl hier die Einschaltquoten für HBO nach wie vor hoch sind. Auch der Streaming-Anbieter Netflix versucht sich jetzt auf dem neuen Sektor, nachdem er mehrere Episoden der englischen Serie „Black Mirror“ (Channel 4) übernommen hat. Für das kommende Jahr werden jetzt zwölf eigene Folgen produziert. 

16.10.2015 – Ev/MK

Print-Ausgabe 14/2016

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