USA: TV-Nachrichtensender profitieren von Donald Trump

Das Verhältnis des neuen US-Präsidenten Donald Trump zu Journalisten im allgemeinen und Nachrichtensendern im speziellen ist – gelinde gesagt – ambivalent. Die Zeit seiner Präsidentschaftskandidatur war voll von gegensätzlichen Äußerungen, die von Lobsprüchen über Verächtlichmachungen bis zum Vorwurf von Lügen reichten. Mit der Fox-News-Reporterin Megyn Kelly ließ Trump sich in ein frauenfeindliches Wortgefecht ein, den körperlich behinderten Serge Kovaleski, einen Journalisten der „New York Times“, versuchte er durch Imitieren bloßzustellen, was ihm zu Recht viel Kritik einbrachte.

Andererseits profilierte sich der Republikaner Trump vor Beginn seiner Amtszeit als der unorthodoxeste Anwärter auf das Präsidentenamt, den man sich überhaupt vorstellen kann, und damit als ein ständiges Ziel für Lob, Zorn und Karikatur nicht nur durch amerikanische Journalisten (vgl. zum Thema diese MK-Meldung und diese MK-Meldung). Richtige Journalisten müssten sich die Finger lecken, dass sie jetzt die Gelegenheit hätten, allem Möglichen im Zusammenhang mit Trump nachzuspüren und darüber zu berichten, sagte Jonathan Klein, ein Veteran der amerikanischen Fernsehnachrichten und CNN-Präsident von 2004 und 2010.

Das Interesse nimmt zu statt ab

Die TV-Nachrichtensender CNN, Fox News und MSNBC haben dementsprechend gehandelt, Fox News meistens für und MSNBC gegen Donald Trump, CNN stand dabei etwas unentschlossen in der Mitte. Das amerikanische Volk, immer noch verblüfft über den kometenhaften Aufstieg des Außenseiters Trump, verfolgte monatelang die Reportagen und Kommentare der Sender mit gesteigertem Interesse. Der demokratischen Partei nahestehende Zuschauer hingen den aufmüpfigen Attacken der MSNBC-Moderatoren an den Lippen, während politisch rechtslastiges Publikum bei Fox News seine Heimat fand. Rund 40 Prozent der Trump-Wähler bezogen während der Monate vor der Wahl alle ihre Fernsehnachrichten von Fox, stellte jetzt eine Studie des Forschungszentrums Pew Research fest.

Allgemein wurde angenommen, das stark polarisierte Interesse der amerikanischen Fernsehzuschauer an der innenpolitischen Berichterstattung der drei großen Nachrichtensender im US-Kabelfernsehen würde nach der Wahl abflachen. Doch man hatte sich getäuscht. Die Einschaltquoten zeigen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Präsident Trump erweist sich als Quotenfavorit. Im Vergleich zum Monat Januar 2016, als die Konkurrenz der Kandidaten um das höchste Amt im Staat so richtig in Gang kam, lagen die Einschaltziffern der Nachrichtensender nun während der ersten drei Wochen im Januar 2017 sogar beträchtlich höher. Dabei zeigt sich, dass es sich lohnt, unmissverständlich und pointiert Stellung zu beziehen. Das sonst immer an dritter Stelle stehende Network MSNBC verzeichnete einen Zuwachs um 36 Prozent, gefolgt von Fox News mit 24 Prozent. CNN, das stets um ausgewogene Berichterstattung bemüht ist, profitierte am wenigsten vom großen Interesse der Amerikaner am politischen Geschehen in Washington, legte aber immerhin auch noch um 15 Prozent zu.

Die Verkaufszahlen auf dem Zeitungsmarkt zeigen ebenfalls einen deutlichen Aufwärtstrend, wobei vor allem Donald Trumps liebste Angriffsziele, die „New York Times“ und die „Washington Post“, am stärksten profitierten. „Welcher politischen Richtung die Zuschauer auch zuneigen mögen“, schrieb die „Los Angeles Times“, „ihr intensives Interesse wird so schnell nicht nachlassen.“

27.01.2017 – Ev/MK

Print-Ausgabe 8/2017

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