Martin Grasmück zum neuen Intendanten des Saarländischen Rundfunks gewählt

26.02.2021 •

Beim Saarländischen Rundfunk (SR) wird dessen Hörfunkdirektor Martin Grasmück neuer Intendant. Der Rundfunkrat des öffentlich-rechtlichen Senders wählte Grasmück am 23. Februar in Saarbrücken zum Nachfolger des scheidenden Amtsinhabers Thomas Kleist. Im September 2020 hatte Kleist angekündigt, die Leitung des Senders Ende April 2021 vorzeitig abzugeben (vgl. MK-Meldung). Der 65-jährige Kleist, der 2011 Intendant der zweitkleinsten ARD-Landesrundfunkanstalt wurde, tritt dann in den Ruhestand. Grasmück, 50, übernimmt die Nachfolge am 1. Mai. Er wurde vom Rundfunkrat für sechs Jahre zum SR-Intendanten gewählt, seine Amtsperiode dauert somit bis zum 30. April 2026.

Im Rundfunkrat setzte sich Martin Grasmück gegen zwei Mitbewerber durch: die 47-jährige SR-Chefredakteurin Armgard Müller-Adams und den 61-jährigen ARD-Chefredakteur Rainald Becker. Der vom SR-Rundfunkrat eingesetzte siebenköpfige Wahlvorbereitungsausschuss hatte am 13. Februar Grasmück, Müller-Adams und Becker als Kandidaten nominiert. Die Intendantenstelle war im Dezember 2020 öffentlich ausgeschrieben worden. Es gab insgesamt mehr als ein Dutzend Bewerbungen (vgl. MK-Meldung).

Entscheidung im siebten Wahlgang

Die Intendantenwahl im Rundfunkrat, dem 39 Mitglieder angehören, begann am 22. Februar und wurde, da an diesem Tag in drei Wahlgängen keiner der drei Kandidaten das notwendige Quorum erreichte, am Folgetag fortgesetzt. Beide Sitzungen fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Sitzungsort war aufgrund der Corona-Pandemie die Saarlandhalle in Saarbrücken. Laut dem Saarländischen Mediengesetz (SMG) ist zum SR-Intendanten gewählt, wer im Rundfunkrat eine Zwei-Drittel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält. Wird diese in sechs Wahlgängen nicht erreicht, ist anschließend in einem siebten Wahlgang die einfache Mehrheit ausreichend.

Thomas Kleist war 2011 im siebten Wahlgang zum SR-Intendanten gewählt worden. Mit einer Stimme Vorsprung konnte er sich damals gegen den weiteren Kandidaten, den damaligen Arte-Programmdirektor Christoph Hauser, durchsetzen (vgl. FK-Meldung). Auch dieses Mal waren sieben Wahlgänge nötig, bis feststand, dass Martin Grasmück neuer SR-Intendant wird. Er lag in vorherigen Wahlgängen bereits deutlich vorne. Im dritten Wahlgang, dem letzten am 22. Februar, erhielt Grasmück aus dem Rundfunkrat 23 Stimmen; Müller-Adams kam auf 11, Rainald Becker auf 5 Stimmen. Da alle Mitglieder des Rundfunkrats an der Wahl teilnahmen, lag die Zwei-Drittel-Mehrheit bei 26 Stimmen. Kurz vor Beginn der Rundfunkratssitzung am zweiten Tag zog Becker in einer E-Mail seine Kandidatur für das Intendantenamt zurück, so dass dann nur noch die beiden internen Kandidaten Martin Grasmück und Armgard Müller-Adams zur Wahl standen.

Grasmück, der aufgrund seines Stimmenvorsprungs als eindeutiger Favorit auf das Intendantenamt in den zweiten Wahltag gegangen war, erreichte jedoch auch am 23. Februar in den nächsten drei Wahlgängen nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit, die weiterhin bei 26 Stimmen lag. 38 Rundfunkratsmitglieder nahmen am zweiten Tag an den Wahlgängen teil. Am Ende musste der siebte und letzte Wahlgang angesetzt werden, in dem auch die einfache Mehrheit ausreichen würde, um die Entscheidung zu bringen. Und in diesem Wahlgang wurde Martin Grasmück mit 26 Stimmen – die dann doch noch eine Zwei-Drittel-Mehrheit bedeuteten – zum neuen SR-Intendanten gewählt. Müller-Adams erhielt 12 Stimmen.

Die Eigenständigkeit des Senders sichern

Die Rundfunkratsvorsitzende Gisela Rink (CDU) erklärte laut einer SR-Pressemitteilung, es habe sich mit Martin Grasmück „in einem maximal transparenten Verfahren ein hervorragend geeigneter Kandidat durchgesetzt“. Sie wünsche Grasmück „viel Fortune für dieses für den SR und das Saarland so wichtige Amt“. Es gelte jetzt, „den SR auf finanziell sicheren Füßen in die digitale Zukunft zu führen und weiterhin seine Eigenständigkeit als voll funktionsfähige Landesrundfunkanstalt der ARD zu wahren“. In der Stellenausschreibung für das Intendantenamt hatte es geheißen, von der neuen Intendantin oder dem neuen Intendanten werde unter anderem „erwartet, dass sie/er dem Saarländischen Rundfunk eine Zukunft als souveräne Landesrundfunkanstalt sichert“. Der SR hat rund 620 fest angestellte Beschäftigte (auf insgesamt 544 Planstellen); hinzu kommen noch zirka 200 freie Mitarbeiter. Das Jahresbudget des Senders für 2021 wurde Ende 2020 auf rund 130 Mio Euro taxiert.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) zeigte sich laut einer Pressemitteilung der Saarbrücker Staatskanzlei davon überzeugt, „dass Martin Grasmück die richtige Person zur rechten Zeit ist, um den Saarländischen Rundfunk auch in möglichen unruhigen Zeiten in die Zukunft zu steuern“. Staatskanzleichef Henrik Eitel (CDU), der auch dem SR-Verwaltungsrat angehört, erklärte, er sei sicher, „dass ein so erfahrener SR-Mann weiterhin das Potenzial des Senders voll ausschöpfen wird“.

Grasmück übernimmt den Chefposten beim SR nun in einer Zeit, in der der Sender aufgrund der ausgebliebenen Erhöhung des Rundfunkbeitrags noch stärker unter finanziellen Druck steht als ohnehin schon. Gegen das Nicht-Zustandekommen der eigentlich zum 1. Januar 2021 geplanten Beitragserhöhung (von bisher 17,50 auf 18,36 Euro pro Monat) klagen die öffentlich-rechtlichen Sender vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Ein Urteil wird für Herbst 2021 erwartet (vgl. MK-Meldung).

Der künftige SR-Intendant Martin Grasmück zeigte sich erfreut darüber, dass er „eine so große Mehrheit im Rundfunkrat des SR überzeugen konnte“. Es werde nun darum gehen, „den SR als eigenständige Rundfunkanstalt für das Saarland und die Menschen in der Großregion SaarLorLux zu erhalten“. Grasmück weiter: „Zugleich werden wir unsere Rolle im föderalen Verbund der ARD wahrnehmen und unsere Kompetenzen dort aktiv einbringen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk erfüllt einen wichtigen Auftrag für unsere demokratische Gesellschaft und muss dies unbedingt auch im digitalen Zeitalter tun.“ Dafür wolle er „mit ganzer Kraft arbeiten“.

Neubesetzung von Direktorenposten

In näherer Zukunft muss Grasmück über die Besetzung von drei Direktorenposten befinden, wobei jeweils der SR-Verwaltungsrat zustimmen muss. Es geht dabei um die Nachbesetzung von Grasmücks derzeitiger Position als Hörfunkdirektor und um die Neubesetzung der Verwaltungs- und Betriebsdirektorenposition. Außerdem läuft der Vertrag von Programmdirektor Lutz Semmelrogge Ende Oktober 2021 aus. Grasmück muss entscheiden, ob er den 59-jährigen Semmelrogge für eine dritte fünfjährige Amtsperiode als SR-Programmdirektor nominiert.

Martin Grasmück hat in Saarbrücken Informationswissenschaft, Politikwissenschaft und Anglistik studiert. Anschließend volontierte er beim SR und war in der Folge als fester freier Mitarbeiter im Hörfunkbereich für den Sender tätig. Er war unter anderem als Reporter und Moderator bei SR 3 im Einsatz und berichtete später vorrangig über landespolitische Themen. Eine Zeitlang war der parteilose Grasmück auch Vorsitzender des Programmmitarbeiter-Ausschusses. 2006 wurde er Referent des damaligen SR-Intendanten Fritz Raff. Zum 1. Januar 2008 übernahm Grasmück die Leitung der SR-Intendanz. Im Mai 2015 wurde er dann Hörfunkdirektor und Programmbereichsleiter ‘SR 1 und Junge Angebote’. Außerdem ist er seitdem stellvertretender SR-Programmdirektor.

26.02.2021 – Volker Nünning/MK

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