Fußball-EM 2024: Deutsche Telekom gibt Sublizenzen an ARD und ZDF

25.03.2021 •

ARD und ZDF können doch noch einen großen Teil der Spiele von der Fußball-Europameisterschaft 2024 zeigen, die in Deutschland stattfindet. Möglich wird dies aufgrund einer Sublizenzierung von Übertragungsrechten durch die Deutsche Telekom an die öffentlich-rechtlichen Sender. Die Telekom hatte im Jahr 2019 vom europäischen Fußballverband Uefa den Zuschlag für die Übertragung aller 51 Spiele des Turniers erhalten und konnte damit ARD und ZDF ausstechen (vgl. MK-Meldung).

Wie die Telekom am 9. März mitteilte, können ARD und ZDF insgesamt 34 der 51 EM-Begegnungen übertragen. Die Free-TV-Live-Rechte an den übrigen 17 Partien sicherte sich der Privatsender RTL, ebenfalls über eine Sublizenzierung von der Telekom. Sämtliche EM-Partien werden über die kostenpflichtige IPTV-Plattform der Telekom, Magenta TV, übertragen. Zu den 34 EM-Begegnungen, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein werden, gehören 22 Gruppenspiele, darunter das Eröffnungsspiel, sowie sechs Achtelfinalpartien, drei Viertelfinalbegegnungen, die beiden Halbfinals und das Finale. Alle Spiele der deutschen Mannschaft werden auch bei ARD und ZDF zu sehen sein.

Weiteres Rechtepaket an RTL

Darüber hinaus sieht die Vereinbarung zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und der Telekom vor, dass die Anstalten über sämtliche Spiele in Zusammenfassungen berichten können, und zwar in all ihren Fernsehprogrammen und Online-Angeboten. Gesichert hat sich die ARD ferner eine „umfassende Audioberichterstattung“ von allen Begegnungen der Europameisterschaft 2024. Bei RTL werden von der EM 2024, wie die RTL-Gruppe mitteilte, 14 Spiele der Gruppenphase, zwei Achtelfinalpartien und ein Viertelfinale übertragen. Die Spiele werden auch im Livestream bei TV Now zu sehen sein, dem Streaming-Angebot der Unternehmensgruppe.

Von der Telekom sicherte sich die RTL-Gruppe ebenso wie ARD und ZDF ein Highlight-Rechtepaket, das eine sender- und plattformübergreifende Berichterstattung über alle EM-Spiele erlaubt. Im November 2020 hatten die RTL-Gruppe und die Telekom bereits eine Kooperation abgeschlossen, durch die seitdem TV Now für Magenta-TV-Kunden verfügbar ist (in den Tarifen „Magenta TV Smart“ und „Magenta TV Smart Flex“). Bernd Reichart, Chef der Mediengruppe RTL Deutschland zeigte sich nun über den Ausbau der Partnerschaft mit der Telekom erfreut.

Telekom: Aus eins mach drei

Die Deutsche Telekom erhielt für die Sublizenzierung von Übertragungsrechten an der EM 2024 an ARD und ZDF im Gegenzug von den öffentlich-rechtlichen Sendern umfangreiche Live-Rechte an den zwei kommenden großen Fußballturnieren: an der bevorstehenden EM, die wegen der Corona-Pandemie vom vergangenen auf dieses Jahr verschoben wurde und am 11. Juni 2021 starten soll, und an der Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Die gegenseitige Sublizenzierung stellt quasi eine Art Tauschgeschäft dar. Die Übertragungsrechte an der nächsten Europameisterschaft hatten ARD und ZDF im Jahr 2018 erworben. Die WM-Rechte hatten sich die Anstalten bereits 2014 gesichert (vgl. FK-Heft Nr. 26/14).

Alle 51 Spiele der im Juni beginnenden Europameisterschaft kann die Telekom über Magenta TV zeigen. So sieht es die entsprechende Sublizenzierung durch ARD und ZDF an die Telekom vor, die zugleich zehn der insgesamt 36 Gruppenspiele (ohne die der deutschen Mannschaft) exklusiv übertragen kann. Auch von der WM 2022 in Katar sind über Magenta TV alle 64 Begegnungen zu sehen, davon 16 Spiele (ohne deutsche Beteiligung) exklusiv. Das heißt, ARD und ZDF zeigen im Sommer von der EM nur 41 Spiele und 2022 von der WM in Katar nur 48 Partien.

Alle Spiele der drei nächsten großen Fußball-Turniere (EM 2021, WM 2022 und EM 2024) sind somit hierzulande nur auf Magenta TV live zu sehen. Sämtliche Begegnungen sollen dort im Ultra-HD-Standard übertragen werden. „Als Fußballfan kommt man an Magenta TV nicht vorbei“, erklärte Michael Hagspihl, der bei der Telekom als Geschäftsführer das Privatkundengeschäft verantwortet. Die Telekom ist nach der jetzigen Entwicklung letztlich die große Gewinnerin, indem der Konzern aus dem Kauf der Rechte an der EM 2024 nun zusätzlich den kompletten Zugang zu zwei weiteren hochkarätigen Fußballturnieren bekommen hat. Bei Magenta TV sind außerdem Übertragungen von Spielen der dritten Fußball-Liga sowie der Basketball-Bundesliga und der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu sehen. Magenta TV hat mit Stand vom 31. Dezember 2020 knapp 3,9 Mio Kunden.

„Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“

Katja Wildermuth, Intendantin des Bayerischen Rundfunks (BR), der in der ARD die Federführung beim Sportrechteerwerb hat, hob die Bedeutung der EM 2024 im eigenen Land hervor: Ein solches Turnier in Deutschland habe „eine außerordentliche gesellschaftliche Relevanz“. Sie freue sich daher sehr, „dass ARD und ZDF durch die Vereinbarung mit der Deutschen Telekom sämtliche wichtigen Spiele im Fernsehen, im Hörfunk und Online anbieten können – unter Beachtung unserer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und natürlich in der gewohnt hohen öffentlich-rechtlichen Qualität“. Tom Buhrow, ARD-Vorsitzender und WDR-Intendant, verwies darauf, dass es wichtig sei, „den Menschen im Land die EM frei empfangbar in die Wohnzimmer zu bringen“.

ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte mit Blick auf die Vereinbarung mit der Telekom zur EM 2024, der Vertrag habe durch die Sublizenzierung der Rechte von ARD und ZDF an der EM 2021 und der WM 2022 „auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“ abgeschlossen werden können. Weder die Telekom, die ARD, das ZDF noch die RTL-Gruppe äußerten sich zu den finanziellen Konditionen der nun zum Teil gegenseitig vereinbarten Sublizenzierungen bei den Fußballrechten.

25.03.2021 – vn/MK

Print-Ausgabe 7/2021

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