Deutsche Telekom kauft TV‑Rechte an der Fußball‑EM 2024

30.09.2019 •

Die Deutsche Telekom steht vor dem Abschluss eines Rechtevertrags mit dem europäischen Fußballverband Uefa über den Kauf der Übertragungsrechte an der Europameisterschaft 2024 in Deutschland. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Bild“-Zeitung berichteten am 20. September in ihren Online-Angeboten unter Berufung auf Uefa-Kreise, die Telekom habe von dem Verband den Zuschlag für die Übertragung aller 51 Spiele des Turniers erhalten. Hinzu kommen sollen exklusive Rechte für zusammenfassende Berichte über die Partien der EM, die im Sommer 2024 in zehn deutschen Stadien ausgetragen wird. Lediglich die Unterzeichnung des Rechtevertrags durch die Beteiligten stehe noch aus, hieß es. Bis Ende September hatten Uefa und Telekom den Vertragsabschluss noch nicht bestätigt. Bekannt wurde bisher nicht, wie viel Geld der Konzern für die Rechte bezahlen wird.

Die Deutsche Telekom betreibt die kostenpflichtige Streaming-Plattform Magenta TV, über die die EM-Spielübertragungen verbreitet werden könnten. Bei Magenta TV sind bereits Übertragungen von Partien der dritten Fußball-Liga sowie der Basketball-Bundesliga und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu sehen. Außerdem sind über die IPTV-Plattform, die rund 3,4 Mio Kunden hat, die öffentlich-rechtlichen und privaten Programme zu empfangen. Ferner ermöglicht Magenta TV etwa den direkten Zugriff auf die ZDF-Mediathek sowie auf von den öffentlich-rechtlichen Sendern produzierte Serien und Filme.

Weniger Fußballrechte für ARD und ZDF

Um den Erwerb der Übertragungsrechte an der Fußball-Europameisterschaft 2024 hatten sich auch ARD und ZDF über ihre gemeinsame Rechteagentur SportA bemüht; sie wurden nun aber nicht berücksichtigt. Die TV-Rechte an der Europameisterschaft 2020 hatten sich ARD und ZDF im Jahr 2018 gesichert. Die EM 2020 findet in elf europäischen Metropolen statt. Hinzu kommt als zwölfter Austragungsort noch die asiatische Stadt Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans. Die nächste Fußball-Weltmeisterschaft, die 2022 in Katar stattfindet, wird auch bei ARD und ZDF zu sehen sein. Diese Rechte hatten sich die öffentlich-rechtlichen Sender bereits im Jahr 2014 gesichert (vgl. FK-Heft Nr. 26/14).

In den vergangenen Jahren kamen ARD und ZDF bei mehreren Vergabeverfahren von Fußballrechten nicht mehr zum Zuge. Seit 2014 überträgt der Privatsender RTL die Qualifikationsspiele der deutschen Nationalmannschaft zu den großen Turnieren (Europameisterschaften 2016 und 2020 und Weltmeisterschaften 2018 und 2022). Die Free-TV-Rechte an der Champions League konnte das ZDF nicht über die Saison 2017/18 hinaus verlängern.

Dass nun die Deutsche Telekom die Übertragungsrechte an der EM 2024 erhalten wird, bedeutet aber nicht automatisch, dass nicht doch noch Spiele des Turniers bei ARD und ZDF zu sehen sein werden. Denkbar ist, dass die Telekom Rechte sublizenziert. Daran könnten aber neben ARD und ZDF auch private Fernsehsender, etwa RTL, interessiert sein. Der Rundfunkstaatsvertrag schreibt jedenfalls vor, dass bei einer Fußball-EM bestimmte Spiele „in einem frei empfangbaren und allgemein zugänglichen Fernsehprogramm“ übertragen werden müssen. Dazu gehören sämtliche Partien der deutschen Elf sowie das Eröffnungsspiel, die Halbfinalbegegnungen und das Finale.

30.09.2019 – vn/MK