Einjähriges Bestehen des Online‑Angebots ZDFkultur

29.02.2020 •

Vor einem Jahr, am 13. Februar 2019, ging das Online-Angebot ZDFkultur an den Start (vgl. MK-Meldung). Zum einjährigen Bestehen hat das ZDF die sogenannte digitale Kunsthalle überarbeitet, die Teil dieses Angebots ist. Nach der ‘Neueröffnung’ der digitalen Kunsthalle gibt es dort nun als erstes einen Schwerpunkt zur NS-Raubkunst. Dass man sich für dieses Thema entschied, habe gleich mehrere Gründe, erklärte Anne Reidt, die Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Kultur, gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

„75 Jahre Kriegsende und 75 Jahre Befreiung von Auschwitz sind gleich zwei Anlässe, uns auch in der Kultur mit der NS-Zeit zu befassen“, erklärte Reidt. Außerdem sei der neue Schwerpunkt geradezu ein „Paradebeispiel“ für eine gelungene Zusammenarbeit mehrerer Kooperationspartner im Rahmen von ZDFkultur. Die Gesamtzahl der Kooperationspartner sei im ersten Jahr von 35 auf 46 gestiegen und solle weiter wachsen, erläuterte Reidt.

Schwerpunkt zur NS-Raubkunst

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Städelmuseum Frankfurt, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen präsentieren beim jetzigen Schwerpunkt der digitalen Kunsthalle Werke der NS-Raubkunst, in deren Besitz sie gelangt waren und mit denen sie von der Enteignung und Verfolgung jüdischer Sammler profitiert hatten. Konkret geht es um Sammlungen der Familien Saulmann, von Klemperer, von Bleichröder und Rubinstein. Vier Namen, die stellvertretend für die Schicksale unzähliger jüdischer Familien während der NS-Zeit stehen – und für das Schicksal bedeutender privater Sammlungen, die von den Nationalsozialisten gestohlen, auseinandergerissen, verkauft oder zerstört wurden.

Objekte aus den Sammlungen und deren Geschichte sind seit dem 13. Februar in Bild, Text und Videos in der neu gestalteten digitalen Kunsthalle zu sehen. Dazu kommen prominente Stimmen zum Thema NS-Raubkunst wie die von Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die rund 35-minütige Dokumentation „Geraubte Kunst. Jüdische Sammlungen im Nationalsozialismus“, die auch in den Programmen 3sat (14.12.19), ZDFinfo (27.12.19) und ZDF (16.2.20) ausgestrahlt wurde und nun zudem in der ZDF-Mediathek abrufbar ist. Autoren der Dokumentation sind Felix von Boehm und Constantin Lieb.

Als dritten Anlass für die aktuelle Themenwahl bei der digitalen Kunsthalle nannte Anne Reidt gegenüber KNA das Ziel, mit ZDFkultur auch gesellschaftspolitisch Zeichen zu setzen: „Unser erstes Motto war ‘Kulturwelten erleben und verstehen’. Daraus wurde jetzt ‘Erlebe die Vielfalt’, denn wir wollen immer wieder die Frage stellen, wie Kultur in einer so vielfältigen Gesellschaft zur Verständigung beitragen kann.“ Und dazu gehöre in diesen Zeiten auch der Umgang mit der deutschen Vergangenheit.

Matisse, Coldplay, Philosophie

Hinzu komme ein vierter und ganz pragmatischer Anlass, so die Kulturchefin des ZDF: Eine Nutzerstudie habe gezeigt, dass die „Vielfalt des Angebots gut ankommt, die Navigation auf der Seite aber verbesserungsfähig ist“. Beziehungsweise „war“, wie Reidt hofft, denn die neue digitale Kunsthalle wolle mit optimierter Navigation die Nutzerfreundlichkeit verbessern und die einzelnen Objekte stärker in den Vordergrund rücken.

Zu den Höhepunkten des ersten Jahres – auch was die Nutzerzahlen angeht – zählten eine Matisse-Ausstellung und die Videoserie „Heroes“ mit jungen Comedians, die ihre Vorbilder treffen: „Aber nicht nur leichte Muse wie etwa ein großes Coldplay-Konzert, auch schwere Kost wie Philosophie läuft erstaunlich gut“, erklärte Reidt. Im Bereich Social Media wird bisher nur Facebook bespielt – aber das laufe, so Reidt weiter, „mit 126.000 Followern – davon zwei Drittel unter 45 und ein Drittel sogar unter 35 – für ZDF-Verhältnisse sehr erfreulich“. Daher wolle ZDFkultur noch in diesem Jahr auch auf YouTube und Instagram starten.

Als weiteres Beispiel für das Zusammenspiel des ZDF mit der digitalen Welt nennt Reidt einen Facebook-Post zu Lehnwörtern aus dem Arabischen. Dieser habe so viele Klicks und Reaktionen hervorgerufen, dass daraus ein eigener Instagram-Kanal „Sprachkulturen“ entwickelt werde. Weitere Schritte zur Fortentwicklung von ZDFkultur sollen folgen.

29.02.2020 – MK

Print-Ausgabe 21/2020

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