Diese Sendung war etwas Besonderes im deutschen Fernsehalltag: Zum Abschied vom „Neo Magazin Royale“

19.12.2019 •

In der letzten, der allerletzten Ausgabe vom „Neo Magazin Royale“ vorigen Donnerstag (12. Dezember) brannten Jan Böhmermann und die Crew der Kölner Produktionsfirma Bildundtonfabrik (BTF) noch einmal ein Feuerwerk ab, wohl auch um zu demonstrieren, worin sich diese seit Herbst 2013 bei ZDFneo ausgestrahlte Sendung – die unter dem Namen „Neo Magazin“ startete (vgl. FK-Kritik) – von vielen anderen unterscheidet. Sie basiert auf der populären Kultur der letzten zwanzig Jahre, zu der neben der Popmusik in all ihren Varianten das Kino und Computerspiele gehören wie auch all das, was man früher einmal als „Neue Medien“ bezeichnete (vom Internet über Social Media bis den Apps von Handys und Tablets). Deren Inhalte und spezifische Formen beherrschen die Macher des „Neo Magazins“ perfekt, so dass sie mühelos mit ihnen spielen können – sei es in Einspielfilmen oder in musikalischen Auftritten.

Anders als in den Regelsendungen der letzten sechs Jahre, die zusätzlich ein Schwerpunktthema behandelten (sensationell die Ausgabe vom 14. November 2019, in der sich Böhmermann in den Streit um die Verantwortung des deutschen Adels in Gestalt der Hohenzollern für die Gewaltherrschaft der Nazis einmischte), ging es in der finalen Ausgabe nur um die Sendung selbst. Die Mitarbeiter traten als Chor oder in Einzelperformances auf und reklamierten ihre Bedeutung für die Show, die nun verabschiedet wurde. Böhmermann selbst bedeutete wiederum in seinen Auftritten, dass seine Person viel doch zu wenig gewürdigt worden sei. Es entstand also ein imaginärer Wettbewerb zwischen dem Team, das die Sendung Ausgabe für Ausgabe stemmte, und dem Mann, der für sie sein Gesicht in die Kamera hielt und sich für eine Reihe von Auftritten jede Menge juristischen, politischen oder massenmedialen Ärger einhandelte. Und bei allem Jux wurde man das Gefühl nicht los, dass dieser Wettbewerb nicht nur ein selbstironisches Scheingefecht war, sondern auch manch tatsächlichen Konflikt wiedergab.

Dass die Erfolge der Sendung dabei eher indirekt thematisiert wurden, etwa wenn die Mitwirkenden der „Verafake“-Aktion, bei der man die Methoden der von Vera Int-Veen präsentierten RTL-Show „Schwiegertochter gesucht“ offengelegt hatte, klar ironisch beklagten, dass ihnen ihre Mitwirkung weder zu einer Karriere noch zu einer Ehefrau verholfen habe, entsprach dem Gestus einer demonstrativen Bescheidenheit, die selbstverständlich nichts als eine höhere Form der Eitelkeit darstellt. Tatsächlich war – darauf machte diese Abschiedsausgabe aufmerksam – die donnerstags von 22.15 bis 23.00 Uhr im Spartenkanal ZDFneo ausgestrahlte Sendung (die sich ab Februar 2015 den Namenszusatz „Royale“ gab) mit der Eleganz ihrer musikalischen Auftritte, dem enormen Tempo ihrer Einspielfilme und der Frechheit, mit der sie vieles ironisierte, was sich im Medienzirkus herumtreibt, im deutschen Fernsehalltag schon etwas Besonders.

Dass sie endet, liegt daran, dass Jan Böhmermann im Herbst 2020 mit einer neuen Show im Hauptprogramm des ZDF starten wird, in das es ihn immer schon zog. Und so war seine abschließende Gesangsnummer Dank und Mahnung an den Sender zugleich: Während er Leonard Cohens Song „Hallelujah“ sang, wurde hinter ihm in Übergröße das nicht gerade übersichtliche Organigramm des ZDF eingeblendet, während vor ihm große Fotos von ZDF-Intendant Thomas Bellut (rechts), ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler (Mitte) und der ZDF-Fernsehratsvorsitzenden Marlehn Thieme (links), angeordnet in der Form eines Klappaltars, zu sehen waren. Die Senderoberen mögen, so könnte man die Szene deuten, ihn und sein Team auch in den nächsten Jahren weiterhin so machen lassen wie bisher.

19.12.2019 – Dietrich Leder/MK