ARD: Programmschemareform am Sonntag, aber der „Weltspiegel“ behält seinen angestammten Sendeplatz

06.12.2019 •

Seit einigen Wochen gab es ernsthafte Befürchtungen, dass der ARD-„Weltspiegel“ seinen angestammten Sendeplatz am Sonntag um 19.20 Uhr im Ersten verlieren könnte. Unter anderem 100 Auslandskorrespondenten der ARD hatten deshalb an die Intendanten des Senderverbunds appelliert, den Sendeplatz des Auslandsmagazins direkt vor der Hauptausgabe der „Tagesschau“ zu erhalten (vgl. MK-Dokumentation). Der Einsatz war nicht umsonst. Am 27. November gab ARD-Programmdirektor Volker Herres auf der Pressekonferenz in München nach der dortigen ARD-Hauptversammlung (25./26. November) das neue Programmschema bekannt, das ab dem 5. April im Ersten am Sonntag für die Zeit von 17.00 bis 20.00 Uhr gilt – und anschließend war klar: Der „Weltspiegel“ bleibt, wo er ist.

Die Schemaveränderung am Sonntag im Ersten ist dadurch bedingt, dass im März 2020 die seit Dezember 1985 laufende Serie „Lindenstraße“ (WDR) eingestellt wird, wie die ARD im November 2018 beschlossen hatte (vgl. MK-Artikel). Volker Herres bestätigte nun in München, was er bereits im September auf der „ARD-Medienlese“ in Berlin mitgeteilt hatte: Das vom MDR verantwortete Boulevardmagazin „Brisant“ erhält ab April nächsten Jahres auch am Sonntag einen Sendeplatz und ist somit ab dann an jedem Tag der Woche im Ersten zu sehen. „Brisant“ war Anfang 2019 25 Jahre alt geworden, die Sendung gibt es seit dem 3. Januar 1994. Der Sonntagstermin für das Boulevardmagazin ist die Zeit von 17.00 bis 17.30 Uhr. Danach gibt es von 17.30 bis 18.00 Uhr die Sendereihe „Echtes Leben“, in deren Rahmen Dokumentationen und Reportagen laufen, die aus den Religions- und Kirchenredaktionen der ARD-Landesrundfunkanstalten zugeliefert werden. „Echtes Leben“ (früherer Sendetitel: „Gott und die Welt“) bleibt damit ebenfalls auf seinem bisherigen Sendeplatz.

Von 18.00 bis 18.05 Uhr folgt eine kurze „Tagesschau“-Ausgabe. Anschließend gibt es dann den „Bericht aus Berlin“, der, wie Volker Herres in München weiter bekannt gab, um fünf Minuten verlängert und damit künftig von 18.05 bis 18.30 Uhr zu sehen sein wird. Derzeit wird das politische Magazin von 18.30 bis 18.50 Uhr ausgestrahlt und läuft vor der „Lindenstraße“. Auf den „Bericht aus Berlin“ folgt ab April 2020 von 18.30 bis 19.20 Uhr die Sonntags-„Sportschau“. Sie ist damit – neben „Brisant“ – die große Gewinnerin dieser ARD-Schemareform, denn sie erhält 20 Minuten mehr Sendezeit. Bisheriger Ausstrahlungstermin für die Sonntags-„Sportschau“ ist die Zeit von 18.00 bis 18.30 Uhr.

Quotenmaximierung

Die verlängerte „Sportschau“ solle insbesondere genutzt werden, so ARD-Programmdirektor Herres, „um über die vielen Ereignisse, die es auch am Sonntag im Bereich des Sportes gibt – etwa Finals im Tennis-Grand-Slam oder auch Formel 1, Handball, Basketball, Frauenfußball – intensiver berichten zu können, auch über europäische Ligen, aber nicht nur Fußball“. Man wolle aber in der Sendung „auch Hintergrundinformation bieten“, vergaß Herres nicht, zu sagen. Und dann schloss er seine Ausführungen zum neuen Sonntagsschema im Ersten mit der Bekanntmachung ab: „Und der ‘Weltspiegel’, um den sich viele schon beim bloßen Nachdenken über den Sendeplatz in große Erregung bringen konnten, der bleibt auf 19.20 Uhr, wo er bisher traditionell immer war.“

Die Erregung war entstanden, weil es in der ARD Überlegungen gab, dass die verlängerte Sonntags-„Sportschau“ den attraktiven Sendeplatz vor der 20.00-Uhr-„Tagesschau“ erhalten sollte und damit den „Weltspiegel“ verdrängt hätte. Das haben die massiven Proteste gegen diesen Plan nun verhindert. Hätte es diesen von weiteren prominenten Journalisten unterstützten Widerstand der ARD-Auslandskorrespondenten nicht gegeben, der wiederum auf große Resonanz in den Medien stieß, und die Programmdirektoren der ARD-Landesrundfunkanstalten und Volker Herres hätten hinter verschlossenen Türen entschieden, wäre die Sache wahrscheinlich anders ausgegangen. So aber ist, weil sich für ihn nun gerade nichts ändert, mit dem „Weltspiegel“ immerhin auch das Auslandsmagazin ein Mitgewinner der Schemareform am Sonntag, die ansonsten zwei Sendungen begünstigt („Brisant“, „Sportschau“), die für Quotenmaximierung stehen. Denn gesunkene Einschaltquoten waren der Grund für die Absetzung der „Lindenstraße“.

Das ab dem 5. April 2020 geltende neue Programmschema am Sonntag im Ersten für die Zeit von 17.00 bis 20.00 Uhr noch einmal im Überblick: 17.00 Uhr: Brisant, 17.30 Uhr: Echtes Leben, 18.00 Uhr: Tagesschau, 18.05 Uhr: Bericht aus Berlin, 18.30 Uhr: Sportschau, 19.20 Uhr: Weltspiegel, 20.00 Uhr: Tagesschau.

Das derzeitige Schema in diesem Zeitraum: 17.15 Uhr: Tagesschau, 17.30 Uhr: Echtes Leben, 18.00 Uhr: Sportschau, 18.30 Uhr: Bericht aus Berlin, 18.50 Uhr: Lindenstraße, 19.20 Uhr: Weltspiegel, 20.00 Uhr: Tagesschau.

06.12.2019 – da/MK

Print-Ausgabe 6-7/2020

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