USA: Neuorganisation der Broadcast-Nachrichten

22.04.2021 •

Das Nachrichtenfernsehen in den USA ist gerade mächtig in Bewegung geraten. Susan Zirinsky, erst seit zwei Jahren Präsidentin von CBS News (vgl. MK-Meldung), verlässt ihren Posten und wird eine leitende Position im Produktionssektor bei der Muttergesellschaft Viacom CBS übernehmen. James Goldston wird als Präsident von ABC News durch Kimberly Godwin ersetzt, die bisher Executive Vice President bei CBS News war. Wendy McMahon und Neeraj Khemlani werden die Leitung des neuen Bereichs übernehmen, der aus der soeben angekündigten Zusammenlegung der legendären Nachrichtenabteilung des Networks CBS mit dessen TV Stations Group entsteht. McMahon galt bisher als „aufsteigender Stern“ bei Walt Disney, während Khemlani die letzten acht Jahre als Produzent für das CBS-Magazin „60 Minutes“ arbeitete. Jeff Zucker hatte bereits im Februar angekündigt, dass er Ende dieses Jahres als Präsident von CNN zurücktreten werde. Und Rashida Jones ersetzte kürzlich Phil Griffin als Chef von MSNBC.

Die Nachrichtenbereiche im amerikanischen Fernsehen sind im Umbruch. Die Ursachen dafür sind verschiedener Natur. Aber sie haben viel zu tun mit dem Wechsel im Präsidentenamt der USA: Eine grundlegend andere Politik an der Spitze des Staates bedingt zumeist auch eine Umorientierung in den Nachrichtenabteilungen. Die ist nach dem im Januar dieses Jahres erfolgten Wechsel vom Republikaner Donald Trump zum Demokraten Joe Biden deutlicher wahrnehmbar als bei weniger krassen Machtverschiebungen in Washington. Noch ausschlaggebender für die Reformen auf dem Nachrichtensektor waren aber wohl die sich verändernden Sehgewohnheiten des Publikums im Zuge des immer populärer werdenden Videostreamings und die rapide Verlagerung des Zuschauerinteresses bei den Nachrichtenangeboten der verschiedenen traditionellen TV-Networks.

CBS hat viel aufzuholen

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass in jüngster Zeit sowohl die Nachrichtensendungen im Kabelfernsehen als auch die seit Jahrzehnten etablierten Nachrichtenprogramme der Broadcast-Networks stärker rückläufige Einschaltquoten zu verzeichnen hatten als noch vor einem Jahr, als die aufkommende Corona-Pandemie für überdurchschnittliches Interesse sorgte. Obwohl CBS News nach wie vor für verlässlichen Journalismus bekannt ist und das CBS-Nachrichtenmagazin „60 Minutes“ nichts an Renommee eingebüßt hat, sind die Hauptnachrichtensendungen des Networks neuerdings in der Quotenbilanz den Parallel­sendungen von ABC News und NBC News unterlegen. „World News Tonight“ (ABC) hat sich mit einem Durchschnitt von 9,4 Mio Zuschauern an die Spitze gesetzt. Laut „New York Times“ ist das der höchste Vorsprung seit dem Jahr 1995 vor den „NBC Nightly News“ (7,9 Mio) und ein noch größerer vor den „CBS Evening News“ (5,8 Mio).

So hat im Nachrichtensektor gerade CBS viel aufzuholen und das Network geht deshalb bei der Umordnung seiner personellen Besetzung in die Vollen. Man hatte sich von der Ära der aus der Produktion kommenden (und nun auch wieder dorthin zurückkehrenden) Susan Zirinsky wahrscheinlich mehr versprochen. Aber selbst mit der allgemein positiv aufgenommenen Verpflichtung der Star-Moderatorinnen Gayle King für „CBS This Morning“ und Norah O’Donnell für die „CBS Evening News“ sowie der Verlegung des Studios der Abendnachrichtensendung von New York ins politische Zentrum Washington blieben die beiden CBS-Formate auf dem dritten Platz stecken. Interne Querelen in anderen Arbeitsbereichen – wie die Anschuldigungen gegenüber zwei Geschäftsführern der CBS TV Stations Group, sie würden ein unerträgliches Arbeitsklima erzeugen – haben CBS zusätzlich geschadet.

22.04.2021 – Ev/MK

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