USA: Neuausrichtung für das Paramount Network

24.11.2020 •

Auch wenn es viele noch nicht wahrhaben wollen, befindet sich das US-amerikanische Kabelfernsehen in einem durch Videostreaming und die Corona-Pandemie beschleunigten Umbruch (vgl. MK-Meldung). Überall werden Zeichen dafür sichtbar, dass die Eigentümer der in Bedrängnis geratenen Kabelnetworks nach neuen Konzepten suchen, um ihre Angebote für das Publikum wieder interessant zu machen. Einen deutlichen Schritt vorwärts geht jetzt das zum Medienkonzern Viacom/CBS gehörende Paramount Network, das 2018 aus dem früheren Spike TV hervorgegangen ist. Der Kabelfernsehsender Paramount Network kann in den Vereinigten Staaten von über 80 Mio Haushalten empfangen werden.

Wie jetzt bekannt wurde, soll im kommenden Jahr abermals ein Namenswechsel stattfinden. Der Sender wird dann Paramount Movie Network heißen. Nomen est omen: Das Schwergewicht des Programmangebots wird sich somit künftig, so ist geplant, ganz auf weitgehend eigenproduzierte Fernsehfilme und -serien verlagern. 52 solche Originalfilme will das Paramount Movie Network jährlich ausstrahlen.

Auch wenn die Verantwortlichen sich als Motivation für die Veränderung vornehmlich auf den Erfolg der beim Paramount Network bereits in der dritten Staffel laufenden Kevin-Costner-Serie „Yellowstone“ berufen, ist nicht zu verkennen, dass sie bei der Entwicklung ihrer neuen Strategie mit einem Auge zurückblicken auf die Tradition der in den 1960er und 1970er Jahren beim Publikum überaus beliebten „Movies of the Week“. Sie sagen es zwar nicht so, aber die Pläne, die jetzt vorgelegt werden, erinnern deutlich an jenes alte Konzept der Broadcast-Networks, mit dem diese regelmäßig hohe Einschaltquoten zu einer Zeit erzielten, als Kino und Fernsehen noch als scharfe Konkurrenten angesehen wurden. Vielleicht schwingt ja bei den Paramount-Verantwortlichen irgendwo im Hintergrund der Gedanke mit, ein ähnlicher Erfolg lasse sich für die Kabelsender im Wettstreit zwischen traditionellem Fernsehen und Videostreaming wiederholen.

Schwerpunkt: Filme und Serien

In einem Interview mit der US-Fachzeitschrift „Variety“ erläuterte Chris McCarthy, bei Viacom/CBS Präsident für den Bereich Entertainment, die bevorstehende Neuausrichtung des Paramount Networks als eine Abkehr von den dort zur Zeit überwiegenden „Unscripted Series“, also den nicht auf einem Drehbuch basierenden Serien. Das heißt, (Reality-)Show-Serien wie „Ink Master“, „Wife Swap“ und „Battle of the Fittest Couple“ werden abgesetzt. Weitere Programme dieser Art sollen in andere Networks des Viacom/CBS-Portfolios verlagert werden. Das Vorbild „Yellowstone“ hingegen wird „als Teil der neuen Strategie“ fortgesetzt und möglicherweise sogar auf zwei Episoden am selben Abend erweitert, wobei es sogar weniger Werbeunterbrechungen geben soll. „Yellowstone“ ist derzeit die erfolgreichste Serie im amerikanischen Kabelfernsehen.

Wie es scheint, denkt man bei Viacom/CBS auch darüber nach, andere Kabelsender des Konzerns dem Vorbild des Paramount Networks folgen zu lassen. Immerhin besitzt das Unternehmen eine erkleckliche Anzahl von Kabelsendern; die Palette reicht von MTV und Nickelodeon bis zum Smithsonian Channel und al diese Networks stehen letztlich vor denselben Problemen. Auf solche Strukturveränderungen deutet nicht zuletzt die Ankündigung des Konzerns hin, zukünftig rund 100 Originalfilme pro Jahr in den diversen Networks auszustrahlen, davon 52 im Paramount Movie Network, aber auch 20 bis 30 bei MTV und weitere 20 bis 30 bei Comedy Central. Und auch die Abschaffung des Namens „CBS All Access“ für die Streaming-Plattform von Viacom/CBS (vgl. auch diese MK-Meldung), die ab Januar 2021 „Paramount Plus“ heißen soll, folgt der Strategie, insbesondere Filme wieder deutlich in den Mittelpunkt des Programmangebots sämtlicher Viacom/CBS-Unternehmungen zu rücken.

24.11.2020 – Ev/MK

Print-Ausgabe 1/2021

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren
` `