USA: AT&T fusioniert seine Medienfirmen mit Discovery

07.06.2021 •

Erst drei Jahre ist es her, dass der Telekommunikationskonzern AT&T für die enorme Summe von 85 Mrd Dollar das Medienunternehmen Time Warner kaufte (vgl. MK-Meldung). Zum ersten Mal wurde damals auf breiter Ebene das Telefonie- und Mobilfunk-Geschäft mit legendären Mediengesellschaften wie Warner Bros., dem Pay-TV-Sender HBO und den Nachrichtenkanälen von Ted Turner (CNN) vereint, die unter dem Dach von Time Warner operierten, das nach der Übernahme durch AT&T in Warner Media umbenannt wurde. AT&T trat durch den Mega-Deal in die Welt der Mediengiganten ein und wühlte damit die Branche auf. Doch die Folgen dieses Vorgehens waren, wie sich sehr bald zeigte, gar nicht abzusehen.

Die Rechnung von AT&T ging nicht auf. Schuld daran war vor allem die rasch fortschreitende Abwanderung des amerikanischen Publikums zu den sich vervielfältigenden Streaming-Angeboten, die sehr bald Millionen von Abonnenten an sich zogen. Die Einkaufspolitik von AT&T, das sich im Jahr 2015 schon den Satellitenbetreiber und Pay-TV-Anbieter DirecTV an Bord geholt hatte, bescherte dem wagemutigen Unternehmen eine Schuldenlast von rund 180 Mrd Dollar. Im Februar dieses Jahres beschloss man deshalb bereits die Abtrennung von DirecTV in eine separate Einheit (vgl. MK-Meldung). Doch relativ kleine Schritte wie dieser schienen dem Unternehmen wohl nicht ausreichend zu sein, weshalb es nun zu einem spektakulären Rückzug von den hohen Ambitionen des AT&T-Konzerns gekommen ist.

Die Begleichung angehäufter Schulden

Am 17. Mai gab AT&T nun bekannt, man wolle sich wieder vom Entertainment-Geschäft zurückziehen und die vor drei Jahren gekauften Medienunternehmen zu einer selbständigen, an der Börse notierten Gesellschaft gemeinsam mit dem Kabelfernsehunternehmen Discovery fusionieren. An der neuen Gesellschaft, die den Namen Warner Bros Discovery erhält, sollen die AT&T-Aktionäre 71 Prozent und die Discovery-Aktionäre 29 Prozent der Anteile halten. AT&T würde, wenn die staatliche Genehmigung der Neugründung erfolgen wird (womit höchstwahrscheinlich zu rechnen ist), 43 Mrd Dollar zur Begleichung angehäufter Schulden einnehmen. Für den Discovery-Konzern, dessen bisher eher mühsam aufstrebendes Streaming-Angebot zur Zeit weltweit über rund 15 Mio Abonnenten verfügt, bedeutet der Deal einen großen Gewinn, weil sich dadurch den Non-Fiction-Programmen von Discovery der Fundus attraktiver Serien aus der Warner- und HBO-Produktion hinzugesellen würde.

Durch die avisierte Fusion der Medienfirmen von AT&T mit Discovery würde nochmal ein neuer Mediengigant entstehen. Und erste Kommentare amerikanischer Medienanalysten trauen dem Vollzug des Geschäfts eine revolutionäre Wirkung auf die Zukunft Hollywoods und der einheimischen Medienindustrie zu. So schreibt zum Beispiel die „Los Angeles Times“: „Der Deal würde Hollywood von Grund auf verändern, nachdem es 2019 bereits den dramatischen Konzentrationsvorgang durch Walt Disneys 71-Milliarden-Dollar-Akquisition eines Großteils von Rupert Murdochs Entertainment-Reich erlebt hat.“ Und die „New York Times“ prognostiziert: „Das neue Unternehmen wird Netflix und NBC Universal übertreffen.“ Der Deal werfe ein Licht „auf die Notwendigkeit, dass sogar große Medienunternehmen noch größer werden müssten“. Medienkonzentration scheine der schnellste Weg zu mehr Zuschauern zu sein. Anfang Juni gaben AT&T und Discovery den Namen für das fusionierte Unternehmen bekannt: Es wird „Warner Bros. Discovery“ heißen.

07.06.2021 – Ev/MK

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