ARD sollte längere Schirach-Pause einlegen

18.05.2021 •

Die ARD zeigte am 3. Januar 2021 den von ihr im Vorfeld intensiv beworbenen Doppelfilm „Feinde – Gegen die Zeit“ und „Feinde – Das Geständnis“ nach Ferdinand von Schirach (vgl. auch diesen MK-Artikel). „Gegen die Zeit“ lief um 20.15 Uhr im Ersten, anschließend folgte „Das Geständnis“. In allen Dritten Programmen und im Spartenkanal One war an diesem Tag um 20.15 Uhr zunächst „Das Geständnis“ und dann „Gegen die Zeit“ zu sehen. Mit diesem Schirach-Fernsehen befasste sich in der Folge der ARD-Programmbeirat, in den vom Rundfunkrat jeder ARD-Landesrundfunkanstalt ein Vertreter entsendet wird. Über die Diskussion zu den beiden Schirach-Filmen im Programmbeirat wurde auch der Rundfunkrat des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) in seiner Sitzung am 18. Februar 2021 informiert. Dazu legte die Rundfunkratsvertreterin, die für das RBB-Gremium im ARD-Programmbeirat sitzt, unter dem Stichwort „Schirach  Feinde“ nachfolgende schriftliche Zusammenfassung vor, die dem Protokoll der Rundfunkratssitzung beigefügt ist (das Protokoll samt Anlagen wurde am 19. April auf Internet-Seite des RBB-Rundfunkrats veröffentlicht):

«Schirach – Feinde: Warum man an diesem Fernsehabend die föderale Vielfalt geopfert und die beiden Spielfilme zeitgleich im Ersten und – in umgekehrter Reihenfolge – in allen Dritten Programmen und auf One gezeigt hat, bleibt ein Rätsel. Sollte niemand der Volksbelehrung entkommen können? Es hätte genügt, die jeweilige Alternative in zwei dritten Programmen und ggf. auf One zu zeigen. Auf One war noch eine dritte Version zu sehen: „Feinde – Der Prozess“, Dauer 45 Minuten, davon gut 5 Minuten das Waterboarding, 35 Minuten der Prozess mit Urteil. In dieser Version wurde überhaupt nicht klar, was da verhandelt wurde – komplett überflüssig. Im Übrigen war die Reihenfolge der beiden Filme keineswegs gleichgültig; die im Ersten gezeigte war die sinnvollere. Die massive Werbung im Vorfeld für dieses „Event“ ist zu aufdringlich ausgefallen.

Die gut gemeinte Absicht, bei einem breiten Publikum Verständnis dafür zu schaffen, dass verbotene Vernehmungsmethoden immer zu einem Beweisverwertungsverbot und damit in diesem Fall zu einem Freispruch führen müssen, ist misslungen. Bei dieser Gemengelage ist man eher empört und lehnt dieses Prinzip ab. Auf der Positivseite stehen die Hauptdarsteller Bjarne Mädel und Klaus Maria Brandauer. Das Fazit ist zwiespältig, ebenso wie zu dem vorhergegangenen von-Schirach-Stück „Gott“, das im November 2020 gezeigt wurde. Das Erste sollte vorerst eine längere von-Schirach-Pause einlegen.»

18.05.2021 – MK

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