ARD und ZDF zahlen für Olympia-Rechte insgesamt 221,5 Mio Euro

30.11.2017 • Die Aufsichtsgremien der ARD-Anstalten und der Verwaltungsrat des ZDF haben dem Olympia-Rechtevertrag zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und dem US-Medienkonzern Discovery Communications genehmigt. Das bestätigten Sprecher von ARD und ZDF auf MK-Nachfrage. Bis Ende Oktober musste die Zustimmung der Sendergremien vorliegen, damit der Rechtevertrag wirksam wird.

Am 11. August 2017 hatten sich ARD und ZDF doch noch mit dem Rechteinhaber Discovery hinsichtlich der Übertragungsrechte von den Olympischen Spielen der Jahre 2018 bis 2024 über eine Sublizenzierung einigen können. Die öffentlich-rechtlichen Sender teilten damals mit, sie erhielten dadurch „umfassende mediale Verwertungsrechte an den kommenden vier Olympischen Spielen“ (vgl. MK-Meldung). Ende November 2016 waren zwischen ARD und ZDF auf der einen und Discovery auf der anderen Seite die Verhandlungen über eine Olympia-Sublizenzierung gescheitert, nachdem sich beide Seiten nicht über die finanziellen Konditionen einig werden konnten (vgl. MK-Artikel).

Deutlich weniger Geld für Discovery

ARD und ZDF sollen damals bereit gewesen sein, für die TV-Rechte an den Olympischen Spielen 2018, 2020, 2022 und 2024 insgesamt 200 Mio Euro an Discovery zu zahlen. ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte seinerzeit, man sei dem US-Konzern bis an die Schmerzgrenze entgegengekommen. Discovery hatte dem Vernehmen nach einen Preis von 300 Mio Euro gefordert. Im Frühjahr 2017 nahmen beide Seiten wieder Verhandlungen über einen Olympia-Rechtevertrag auf, die dann zu einer Einigung führten.

Von den Winterspielen 2018 werden hierzulande neben ARD und ZDF auch die frei empfangbaren Discovery-Sender Eurosport 1 und TLC berichten. Eurosport 1 wird dabei in ein 24-stündiges Olympia-Programm umgewandelt. Hinzu kommen noch Übertragungen im Pay-TV-Sender Eurosport 2 und im Internet über den kostenpflichtigen Eurosport Player. Vom 9. bis 25. Februar 2018 finden die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang statt. Tokio ist Austragungsort der Sommerspiele 2020, die Winterspiele 2022 finden dann in Peking statt. Gastgeber der Sommerspiele 2024 ist Paris.

Discovery Communications hatte Ende Juni 2015 vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) den Zuschlag für die Übertragungsrechte an den Olympischen Spielen der Jahre 2018 bis 2024 für Europa (ohne Russland) erhalten. Dafür zahlt der in Silver Springs im US-Bundesstaat Maryland ansässige Discovery-Konzern insgesamt 1,3 Mrd Euro an das IOC (vgl. MK-Artikel). Nicht zuletzt über Sublizenzierungen an Fernsehsender in den einzelnen europäischen Ländern will der Konzern den Kaufpreis der Rechte refinanzieren. Die Einnahmen aus der Sublizenzierung an ARD und ZDF liegen nun aber deutlich unter den ursprünglichen Preisvorstellungen von Discovery.

Nach MK-Informationen zahlen ARD und ZDF an Discovery für die Übertragungsrechte an den Olympischen Spielen 2018 bis 2024 insgesamt einen Betrag von 221,5 Mio Euro. Dabei handelt es sich um den Nettopreis, auf den noch die Mehrwertsteuer in Höhe von sieben Prozent hinzurechnen ist, so dass sich Gesamtkosten von 237 Mio Euro ergeben. Im Einzelnen bedeutet das: Für die beiden kommenden Spiele 2018 und 2020 beläuft sich der Rechtepreis auf netto 90 Mio Euro; für die beiden Spiele 2022 und 2024 haben ARD und ZDF zugesagt, an Discovery netto 131,5 Mio Euro zu zahlen. Damit verteuern sich die beiden Spiele der übernächsten Periode gegenüber denen der kommenden Periode um immerhin 46 Prozent.

Wesentlich höherer Preis für Spiele 2022 und 2024

ARD und ZDF wollten diese Beträge, die sie für die TV-Rechte an Discovery zu zahlen haben, nicht bestätigen. Gegenüber der MK erklärten ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky und ZDF-Sprecher Thomas Hagedorn in gleichlautenden Statements: „Aus gesetzlichen wie vertraglichen Gründen können wir zu einzelnen Summen nicht Stellung nehmen.“ Mit derselben Aussage antworteten Balkausky und Hagedorn auch auf die Frage, warum die Übertragungsrechte an Olympia 2022 und 2024 insgesamt 46 Prozent teurer seien als die an den beiden Spielen 2018 und 2020.

In Bezug auf die von Discovery erworbenen Olympia-Rechte hatte ZDF-Intendant Thomas Bellut Ende September in seinem zu diesem Zeitpunkt dem ZDF-Fernsehrat vorgelegten Tätigkeitsbericht erklärt: „Entgegen dem allgemeinen Trend steigender Lizenzsummen für sportliche Großereignisse konnten ARD und ZDF die Preise konstant halten. Dabei liegt die Summe pro Olympische Spiele leicht unter dem Betrag der beiden letzten Spiele (2014 und 2016). Die für den ersten Zyklus (2018 und 2020) allokierte Summe erreicht auch nicht den Betrag, den ARD und ZDF dem IOC im Rahmen der Ausschreibung der Übertragungsrechte 2015 geboten hatten.“ Die Zustimmung zum Olympia-Vertrag beim ZDF erfolgte aber nicht durch den Fernsehrat, sondern (am 1. September) durch den Verwaltungsrat. Dieses Gremium befasst sich gemäß einem internen Procedere beim ZDF mit den finanziellen Konditionen von Sportrechte-Verträgen; der Fernsehrat beschäftigt sich mit programmlichen Aspekten von Sportübertragungen.

Belluts Ausführungen zu den Olympia-Rechtekosten in seinem Tätigkeitsbericht, der auch auf den Internet-Seiten des ZDF-Fernsehrats veröffentlicht wurde, treffen gleichwohl nur zu, wenn man die vier kommenden Spiele einbezieht und dabei den Durchschnittspreis pro Veranstaltung zugrunde legt (55,4 Mio Euro). Der Vergleich der beiden kommenden Perioden (2018/2020 und 2022/2024) ergibt einen deutlichen Preisanstieg, dem ARD und ZDF letztlich zugestimmt haben. Akzeptiert haben die beiden öffentlich-rechtlichen Sender bei dem Olympia-Deal mit Discovery auch mehrere Einschränkungen, die nur für die Berichterstattung über die kommenden Spiele in Pyeongchang gelten (und also nicht für Tokio, Peking und Paris).

Eingeschränkte Rechte für Olympia 2018

„Wettbewerbe (sowie die dazugehörigen Qualifikationen und Training-Sessions) der Sportarten Eiskunstlauf, Snowboard und Short Track können nicht live, dafür aber unbegrenzt zeitversetzt verwertet werden“, schreibt der ZDF-Intendant in seinem Tätigkeitsbericht für den Fernsehrat außerdem in Bezug auf Olympia 2018: „Die Live-Verwertung beim Eishockey beschränkt sich für ARD und ZDF auf die deutschen Spiele und auf die Finals (Männer und Frauen). Auch hier gibt es die Möglichkeit zur unbeschränkten Nachverwertung an allen Spielen. Die Anzahl an zusätzlich zum Simulcast möglichen Live-Streams orientiert sich bei den Spielen 2018 an der Praxis der vergangenen Winterspiele und ist nur für die Spiele 2018 auf drei beschränkt.“ Bei den letzten Olympischen Spielen 2016 im Sommer in Rio de Janeiro hatten ARD und ZDF zusammen sechs Live-Streams für zusätzliche Übertragungen eingesetzt; bei den Winterspielen 2014 in Sotschi waren es insgesamt acht Live-Streams.

Ferner haben ARD und ZDF, wie es im Tätigkeitsbericht des ZDF-Intendanten heißt, „für 2018 verzichtet, zwischen 19.00 und 22.00 Uhr über die Olympischen Spiele in Form spezifischer Magazinsendungen zu berichten“. Wegen der Zeitverschiebung von acht Stunden – die Wettbewerbe in Pyeongchang finden nach deutscher Zeit zwischen 2.00 Uhr nachts und 15.00 Uhr am Nachmittag statt – böten sich, so Bellut, Zusammenfassungen am Nachmittag an. Auch das „Heute-Journal“ werde einen zusammenfassenden Olympia-Block zeigen. Aus Sicht von Bellut wird die Vereinbarung mit Discovery „den programmlichen Interessen des ZDF (und der ARD) vollauf gerecht“. Es dürfte allerdings kaum im Sinne der Zuschauer von ARD und ZDF sein, dass sie gerade dort in der Primetime keine zusammenfassenden Sendungen über die Olympischen Winterspiele 2018 sehen können. In diesem Punkt sind die Anstalten letztlich dem Discovery-Konzern entgegengekommen, der damit in seinen Programmen zur Hauptsendezeit exklusiv über Olympia-Highlights berichten kann.

30.11.2017 – Volker Nünning/MK