Franz Xaver Bogner: Moni’s Grill. 7‑teilige fiktionale Serie mit realen Talkelementen(ARD/BR Fernsehen)

Das Unterhaltungsdings

Was soll das? Auch nach bisher vier gesendeten Folgen von „Moni’s Grill“ findet man keine befriedigende Antwort auf diese Frage. Und das Kopfschütteln wird umso heftiger, wenn man gelesen hat, was Christine Neubauer, eine der Hauptdarstellerinnen in diesem, nun ja, Unterhaltungsdings des Bayerischen Rundfunks (BR), im Vorfeld vollmundig über das neue ARD-Format „Moni’s Grill“ gesagt hat: Es werde nichts weniger als „ein neues Kapitel der Fernsehgeschichte“ aufgeschlagen. Man wünscht sich eher, dieses Kapitel wäre nie verfasst worden.

In der Theorie klingt das Vorhaben in der Tat ehrgeizig bis spannend: Warum nicht einmal die zwei populärsten Formate im deutschen Fernsehen, Serie und Talk, miteinander kombinieren? So hat’s sich „Moni’s-Grill“-Erfinder Franz Xaver Bogner gefragt und sich an die Umsetzung in sieben Folgen à 30 Minuten rangemacht. Was den Part ‘Serie’ betrifft, bringt Bogner Erfahrung mit: Seit den Hippie-Geschichten um Sir Quickly (Ottfried Fischer) vor 30 Jahren in „Irgendwie und sowieso“ (ARD/BR) gilt der Autor-Regisseur in Bayern als unantastbar; für die Polizistenserie „München 7“ (ARD/BR) bekam er 2005 seinen zweiten Grimme-Preis. Nur, als Spezialist in Sachen Talk ist Bogner bisher nicht in Erscheinung getreten. Den überlässt er in „Moni’s Grill“ weitgehend seiner zweiten Hauptdarstellerin, der Kabarettistin und Schauspielerin Monika Gruber.

Und das ist die Grundkonstellation dieser Serie, die donnerstags eine halbe Stunde vor Mitternacht im Ersten auf dem Comedy- und Satire-Platz erstausgestrahlt und jeweils am Tag darauf im Dritten Programm BR Fernsehen um 19.30 Uhr gezeigt wird: „Moni’s Grill“ erzählt aus dem Leben der Wirtsschwestern Moni (Monika Gruber) und Toni Schweiger (Christine Neubauer) sowie deren Mutter Christa (Sarah Camp). Ort der Handlung ist das gleichnamige Lokal mitten in München auf dem Viktualienmarkt. Die Rollen sind klar verteilt: Toni werkelt in der Küche und versteckt ihre Reize hinter Großraumküchencouture, wenn sie nicht gerade im Négligée den rolligen Vermieter becircen muss, damit der die Mieterhöhung stecken lässt. Die elegantere Moni scharwenzelt als eine Art Platzanweiserin durch den Gastraum und schnabuliert Köstlichkeiten, wenn sie nicht gerade mit einem Gast plaudert oder sich mit der Schwester um die Vorherrschaft im Lokal zankt. Mutter Christa wiederum hütet ein Stockwerk darüber die Schweiger-Sprösslinge Hermes und Consuela, wenn sie nicht gerade online für viel Geld jüngere Männer datet. Der Umgang im Schweiger-Kosmos lässt sich mit liebevoll bairisch derb („Du oide Krampfhenne!“) umschreiben. Das ist für nicht-bayerische Ohren mitunter übersetzungsbedürftig, hat aber als Serien-Schmunzelware mit Lokalkolorit Potenzial.

Während sich im Leben des Damentrios also kleinere und größere fiktive Dramen abspielen (Finanzamt! Liebeskummer!), platzt in jeder Folge ein Promi (manchmal sind es auch zwei auf einmal) aus der U-Bahn-Station Marienplatz in die Bar hinein und wird dort von der völlig überrascht tuenden Moni in ein Séparée geführt. Dort schlüpft dann Monika Gruber bei Schnitzel und Bier in die Rolle der Talkmasterin Moni. Ihre Gegenüber sind mal Hella von Sinnen oder Sonya Kraus, mal die Wepper-Brüder Elmar und Fritz und noch andere Gäste.

Dass es für diese Talkszenen, die ein Drittel der Sendezeit in Anspruch nehmen, angeblich kein Drehbuch gibt, ist fatal. Von rund 90 Minuten improvisiertem Gespräch in der Rohfassung sind letztlich nur zehn Minuten belanglose Dampfplauderei zu sehen und die noch nicht einmal am Stück. Es ist unmöglich, einem Gesprächsfaden, so denn überhaupt vorhanden, zu folgen, weil die Gastgeberin permanent in die Küche oder die Wohnung enteilt („Entschuldige, Hella, die bleede Finanzwachtl“), um am Fortgang der fiktiven Erzählung etwa über die Pfändungsabsichten des Finanzamts teilzuhaben.

Eigentlich, das ist das erklärte Bogner-Ziel, soll die Grenze zwischen Serie und Talk „fließen“. Bei Premierengast Hella von Sinnen gelingt das auch in homöopathischen Ansätzen, weil sie vom Talkshow-Modus fließend in die Schauspielerei wechselt. Am Ende der Episode büffelt von Sinnen („Cicero ist mir generell sehr nahe“) mit Monis Sohn Hermes Latein. Bei den Rennrodlern Georg Hackl und Felix Loch (Folge 3) fließt hingegen gar nichts. Alles stockt, weil es sich rächt, dass Hackl und Loch nur sie selbst sind und sich nicht in die Fiktion von Monis plötzlich wieder aufgetauchtem Erzeuger Jacko einbringen (können). Zu allem Missvergnügen taucht in den letzten Minuten dieser Folge „Singing-in-the-rain“-summend der unvermeidliche Fernsehkoch Alfons Schuhbeck in Tonis Küche auf – nicht um auszuhelfen. Schuhbeck spielt vielmehr einen Zeitungsausträger und wieder fragt man sich: Was soll das?

Was Serien-Erfinder Bogner da gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk (Redaktion: Elmar Jaeger) und den Produzenten Michael Bütow und Heike Richter-Karst (Mecom Fiction) serviert, ist weder Fisch noch Fleisch. Es ist ungenießbar. Die Firma Mecom bezeichnet sich übrigens selbst als „Spezialisten für fiktionale TV-Produktionen“. Charakteristisch seien „emotionale Produktionen und Geschichten in Settings mit hoher visueller Attraktivität“. Von alldem hat „Moni’s Grill“ nichts zu bieten. (In der ARD-Mediathek sind alle sieben Folgen zum Anschauen abrufbar.)

19.10.2016 – Senta Krasser/MK