Zwei Kandidaten für Intendantenwahl beim Hessischen Rundfunk nominiert

27.10.2021 •

Für die Intendantenwahl beim Hessischen Rundfunk (HR), die für den 29. Oktober (Freitag) angesetzt ist, sind von der Findungskommission zwei Kandidaten nominiert worden. Dabei handelt es sich um Stephanie Weber, 49, und Florian Hager, 45. Weber ist beim HR seit Januar 2021 Betriebsdirektorin, zuvor war sie Verwaltungs- und Betriebsdirektorin beim Saarländischen Rundfunk (SR). Hager ist seit Januar 2020 stellvertretender ARD-Programmdirektor und Channel-Manager der ARD-Mediathek. Die beiden Kandidatenvorschläge gab die zehnköpfige Findungskommission, die vom HR-Rundfunkrat eingesetzt worden war, Ende September in einer Pressemitteilung bekannt. Vorsitzender der Findungskommission war der Rundfunkratsvorsitzende Rolf Müller.

Beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt muss dessen Rundfunkrat einen neuen Intendanten wählen, da Amtsinhaber Manfred Krupp zum 1. März 2022 mit Ablauf seines Vertrags in den Ruhestand tritt (vgl. MK-Meldung). Krupp, der Ende Februar 2022 66 Jahre alt wird, ist seit März 2016 HR-Intendant. Er war damals Helmut Reitze nachgefolgt, der das Amt vorzeitig niedergelegt hatte. Krupp war damals von der Findungskommission als einziger Kandidat für das Intendantenamt vorgeschlagen worden (vgl. MK-Meldung).

Stephanie Weber und Florian Hager

Vom HR-Rundfunkrat, der 32 Mitglieder hat, ist die Person in das Intendantenamt gewählt, die in dem Gremium die einfache Mehrheit erhält. Der Rundfunkrat legt auch die Dauer der Amtszeit fest, die laut HR-Gesetz zwischen fünf und neun Jahren betragen kann. Abzuwarten bleibt nun, ob es neben den beiden von der Findungskommission nominierten Kandidaten Weber und Hager noch weitere Personalvorschläge für das Intendantenamt geben wird. Möglich ist dies laut dem vom Rundfunkrat beschlossenen Procedere. Demnach können weitere Personen für die Wahl nominiert werden, nämlich dann, wenn diese Personen jeweils von mindestens einem Rundfunkratsmitglied noch vorgeschlagen werden (vgl. MK-Meldung).

Auffällig ist, dass von der Findungskommission HR-Programmdirektorin Gabriele Holzner, 61, nicht nominiert wurde, die sich für das Intendantenamt zumindest in Stellung gebracht hatte. Doch möglicherweise ging es der Findungskommission bei deren Personalvorschlägen insbesondere darum, Kandidaten für die Wahl zu nominieren, die auch über einen längeren Zeitraum an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Senders stehen können und nicht wieder für nur eine mittellange Amtsperiode (wie ab 2016 Manfred Krupp, mit dem eine sechsjährige Amtsperiode vereinbart worden war).

Stephanie Weber, die interne Kandidatin für das Intendantenamt, die am Wahltag 50 Jahre alt wird, hat Rechtswissenschaften studiert. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst am Lehrstuhl für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, bevor sie 1999 zum SR und in dessen Justitiariat wechselte. Von 2011 bis 2016 war Weber beim SR stellvertretende Justitiarin, ab Januar 2017 dann Verwaltungs- und Betriebsdirektorin. Seit Januar 2021 ist sie beim HR in der Nachfolge von Berthold Tritschler Betriebsdirektorin und damit beim Sender die erste Frau in dieser Position. Dem Vernehmen nach hat die Juristin Weber den SR in Richtung HR verlassen, weil ihr in Saarbrücken wohl signalisiert wurde, dass ihre Ambition auf das SR-Intendantenamt keine ausreichende Unterstützung finden würde. Im September 2020 hatte SR-Intendant Kleist erklärt, das Amt Ende April 2021 vorzeitig abzugeben; im Februar 2021 wurde dann Martin Grasmück zum neuen SR-Intendanten gewählt (vgl. MK-Meldung).

Offenes Rennen im HR-Rundfunkrat

Florian Hager studierte in Stuttgart Medientechnik, Informatik und Multimedia und begann seine berufliche Laufbahn 2002 als Redakteur beim damaligen Doku-Kanal des ZDF (seit 2009: ZDFneo). Parallel zu seiner beruflichen Arbeit studierte Hager noch Publizistik und Filmwissenschaft in Mainz und Paris. 2006 wurde er Referent von Gottfried Langenstein, der damals beim ZDF Direktor Europäische Satellitenprogramme war und später zusätzlich Präsident des deutsch-französischen Kulturkanals Arte wurde. 2009 wechselte Hager dann zu Arte nach Straßburg. Bei dem Sender war er in verschiedenen Positionen tätig, ab 2012 als stellvertretender Programmdirektor und Hauptabteilungsleiter Programmplanung TV + Web. 2015 wurde Hager Gründungsgeschäftsführer von Funk, dem gemeinsam von ARD und ZDF veranstalteten Online-Angebot für 14- bis 29-Jährige, das am 1. Oktober 2016 startete. Anfang 2020 wechselte Hager in die ARD-Programmdirektion (vgl. MK-Meldung).

Wenn es nun dabei bleibt, dass es für das HR-Intendantenamt mit Stephanie Weber und Florian Hager zwei Kandidaten gibt, dann scheint es ein offenes Rennen zu sein, wer von beiden vom Rundfunkrat auf den Chefposten gewählt wird. Die Wahl könnte am Ende zu einem Novum beim HR führen: Würde Weber gewählt, wäre sie die erste Frau an der Spitze des Hessischen Rundfunks. Würde sich Hager durchsetzen, wäre er der zweitjüngste Intendant seit Bestehen der Rundfunkanstalt (der erste Senderchef Eberhard Beckmann übernahm die Leitung im Alter von 41 Jahren).

27.10.2021 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 23-24/2021

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren
` `