Zwei Frauen teilen sich künftig die Leitung des SWR‑Justitiariats

12.05.2020 •

Beim Südwestrundfunk (SWR) übernehmen künftig zwei Frauen die Leitung des Justitiariats. Alexandra Köth und Katrin Neukamm werden ab Sommer gemeinsam an der Spitze des Direktorenbereichs stehen, wie der SWR mitteilte. Köth, 47, und Neukamm, 42, werden sich dabei die Aufgabe teilen und jeweils zu 50 Prozent in Teilzeit arbeiten. Erstmals wird es damit in der ARD auf der obersten Führungsebene einer Rundfunkanstalt ein Teilzeit-Modell geben; aber auch für den hiesigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt ist dies ein Novum. Teilen sich zwei Personen eine Führungsposition, wird dies auch als „Topsharing“ bezeichnet.

Die Leitung des SWR-Justitiariats musste neu besetzt werden, weil im Sommer Justitiar Hermann Eicher in den Ruhestand tritt. Wann Köth und Neukamm Eichers Aufgaben genau übernehmen, steht noch nicht fest. Eicher, der am 7. Juli 65 Jahre alt wird, ist seit Gründung des Südwestrundfunks Anfang Mai 1998 im Rang eines Direktors Justitiar der zweitgrößten ARD-Landesrundfunkanstalt, die ihren zentralen Sitz in Stuttgart und zwei weitere Sender- und Verwaltungsstandorte in Mainz und Baden-Baden hat. In Mainz ist das Justitiariat angesiedelt. Der SWR entstand aus der Zusammenlegung von Süddeutschem Rundfunk (SDR) und Südwestfunk (SWF).

Ein öffentlich-rechtliches Novum

Der Verwaltungsrat des SWR billigte in seiner Sitzung am 13. März den Personalvorschlag von Intendant Kai Gniffke, Alexandra Köth und Katrin Neukamm zur neuen Doppelspitze des Justitiariats zu berufen. In dem künftigen Tandem-Modell sieht Gniffke „ein Zeichen für innovatives, zeitgemäßes Führen im SWR und der ARD“. Gemäß dem SWR-Staatsvertrag ist bei der Besetzung der Leitung des Justitiariats die Zustimmung des Verwaltungsrats nötig. In der Nachfolge von Peter Boudgoust ist Kai Gniffke seit Anfang September vergangenen Jahres Intendant des Südwestrundfunks. Gewählt worden war er im Mai 2019 für fünf Jahre. Bei seiner Bewerbungsrede für das Intendantenamt hatte Gniffke damals erklärt, sein Ziel sei es unter anderem, beim SWR alle Führungspositionen jeweils zur Hälfte mit Männern und Frauen zu besetzen (vgl. MK-Meldung).

Was die oberste Führungsebene beim SWR anbelangt, wird dies nun ab dem kommenden Sommer der Fall sein. Die achtköpfige Geschäftsleitung des Senders wird dann zur Hälfte mit Männern und Frauen besetzt sein. Die beiden SWR-Landessender Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz werden bereits seit längerem von Stefanie Schneider (seit 2014) und Simone Schelberg (seit 2007) geleitet. Zur neuen Programmdirektorin Kultur, Wissen, Junge Formate hatte Gniffke im September 2019 Anke Mai vom Bayerischen Rundfunk berufen (vgl. MK-Meldung). Mai übernahm das Direktorenamt am 1. Februar 2020 für fünf Jahre. Hinzu kommt dann ab Sommer die weibliche Doppelspitze beim Justitiariat. In der Amtszeit von Peter Boudgoust als SWR-Intendant gab es ab 2009 zwei Frauen in der Geschäftsleitung der Rundfunkanstalt. Neben Simone Schelberg war dies noch Ingrid Felgenträger, die damals die Leitung des SWR-Landessenders Baden-Württemberg übernommen und diese Position dann 2014 an Stefanie Schneider übergeben hatte.

Alexandra Köth, 1973 in Ludwigshafen geboren, studierte Rechtswissenschaften an der Universität Mannheim. Dort arbeitete sie nach ihrem Studienabschluss als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht, Handels- und Wirtschaftsrecht. Nach ihren beiden juristischen Staatsexamen und der Promotion kam Köth im Jahr 2003 ins Justitiariat des SWR. Dort ist sie verantwortlich für juristische Programmabnahmen, Fragen des Arbeitsrechts sowie strategische Konzeptentwicklungen. Zudem betreut Köth im Justitiariat federführend den Themenbereich ‘Hatespeech und Anfeindungen von Mitarbeitenden’.

In der Nachfolge von Hermann Eicher

Katrin Neukamm, geboren 1978 in Schorndorf (Baden-Württemberg), studierte Rechtswissenschaften in Münster und in Birmingham. Auch sie legte beide juristische Staatsexamen ab und promovierte, bevor sie 2008 ihre berufliche Laufbahn in Köln im Justitiariat des WDR begann. Dort war sie zunächst vor allem mit Fragen der Rundfunkfinanzierung, der Rundfunkgesetzgebung und des Rundfunkverfassungsrechts beschäftigt. Im Jahr 2016 wurde Neukamm in der WDR-Hörfunkdirektion Leiterin der Abteilung ‘Programmwirtschaft und Personal’. Nach dem zum Juli 2019 erfolgten strukturellen Umbau der beiden WDR-Programmdirektionen leitet Neukamm diese Abteilung seither in der neuen Programmdirektion ‘NRW, Wissen und Kultur’. Seit Januar 2020 ist sie zudem in dieser WDR-Direktion stellvertretende Leiterin der Hauptabteilung ‘Programmmanagement NRW, Wissen und Kultur’.

Der scheidende SWR-Justitiar Hermann Eicher studierte in Freiburg und Mainz Rechtswissenschaft. Im Jahr 1986 promovierte er an der Universität Mainz. Anschließend arbeitete er zunächst als Sozialrichter in Koblenz und Mainz, bevor er 1989 beim Südwestfunk in Baden-Baden persönlicher Referent des damaligen Intendanten Willibald Hilf wurde. Im Jahr 1991 übernahm Eicher im SWF-Landesstudio Rheinland-Pfalz in Mainz die Leitung der Abteilung Zentrale Aufgaben. 1996 wurde er in dem Landesstudio Hauptabteilungsleiter Produktion (Hörfunk und Fernsehen). Mit der Gründung des SWR 1998 wurde Eicher dann Justitiar der neuen Rundfunkanstalt. Der Jurist ist seit vielen Jahren innerhalb der ARD federführend für Fragen zum Rundfunkbeitrag zuständig und ein ausgewiesener Experte dieser Materie.

12.05.2020 – vn/MK