ZDF-Intendantenwahl: Norbert Himmler und Tina Hassel vorgeschlagen

02.06.2021 •

 Für die bevorstehende Intendantenwahl beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) in Mainz sind aus dem Fernsehrat des öffentlich-rechtlichen Senders zwei Kandidaten vorgeschlagen worden. Dabei handelt es sich – erwartungsgemäß – um ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler und – durchaus überraschend – um die Journalistin Tina Hassel, die seit 2015 Leiterin und Fernsehchefredakteurin des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin ist. Hassel, 57, kommt vom Westdeutschen Rundfunk (WDR), der für die Besetzung der Leitungsposition beim ARD-Hauptstadtstudio das Vorschlagsrecht hat. Bevor sie nach Berlin ging, war Hassel unter anderem Leiterin des ARD-Fernsehstudios Washington, Chefin der WDR-Programmgruppe ‘Europa und Ausland’ sowie Korrespondentin in den ARD-Fernsehstudios Paris und Brüssel.

Die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) hatte in ihrer Ausgabe vom 1. Juni zuerst darüber berichtet, dass der politisch rote Freundeskreis des ZDF-Fernsehrats Tina Hassel ins Rennen um das Intendantenamt schicken will. Aus dem schwarzen Freundeskreis wird Norbert Himmler unterstützt, der seit 2012 ZDF-Programmdirektor ist. Himmler, 50, kam als Volontär zum ZDF und arbeitete anschließend in verschiedenen Positionen im redaktionellen und administrativen Bereich des Senders. 2009 wurde der promovierte Politikwissenschaftler Chef des Spartenkanals ZDFneo, bevor er drei Jahre später zum ZDF-Programmdirektor aufstieg. Das Amt hat er seit dem 1. April 2012 inne.

Breiter Konsens nötig

Zuständig für die Intendantenwahl ist der 60-köpfige Fernsehrat. Nötig ist in dem Gremium eine Drei-Fünftel-Mehrheit der Mitglieder. Zum ZDF-Intendant ist – für eine Amtszeit von fünf Jahren – somit die Person gewählt, die in dem Gremium mindestens 36 Stimmen erhält, und zwar unabhängig davon, wie viele Fernsehratsmitglieder an der Wahl teilnehmen. Das heißt letztlich, Intendant des Senders wird nur die Person, die auch aus dem jeweils anderen Freundeskreis Stimmen erhält. Der Fernsehrat sei, wie dessen Vorsitzende Marlehn Thieme in einem Online-Pressegespräch am 18. Mai sagte, darauf angewiesen, „einen breiten Konsens zu finden“.

Am 25. Mai war eine erste von Thieme mitgeteilte Frist abgelaufen, bis zu der Fernsehratsmitglieder Personen für das Intendantenamt nominieren konnten. Aus dem Fernsehrat können aber weiterhin Personen für die Intendantenwahl vorgeschlagen werden; auch am Wahltag selbst ist dies noch möglich. Beim ZDF muss der Chefposten neu besetzt werden, weil Amtsinhaber Thomas Bellut im März 2021 erklärt hatte, die Leitung des Senders Mitte März 2022 abzugeben (vgl. MK-Meldung). Nach zwei fünfjährigen Amtsperioden wird Bellut im Frühjahr nächsten Jahres im Alter von dann 67 Jahren in den Ruhestand treten.

Nachdem Thomas Bellut angekündigt hatte, nicht für eine dritte Amtsperiode kandidieren zu wollen, wurde sogleich ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler als De-facto-Nachfolger gehandelt. Dies soll dem Vernehmen nach Teile des Fernsehrats veranlasst haben, mindestens eine weitere in Frage kommende Person für den Leitungsposten zu suchen, am besten eine Frau. Tina Hassel hat dann signalisiert, für das Intendantenamt beim ZDF antreten zu wollen. In der bisherigen ZDF-Geschichte gab es noch nie eine Frau an der Spitze des Senders.

Intendantenwahl im Livestream

Offiziell nominiert für die Intendantenwahl ist aber bisher weder Norbert Himmler noch Tina Hassel. Wer dem ZDF-Fernsehrat zur endgültig zur Wahl vorgeschlagen wird, darüber will das erweiterte Präsidium des Gremiums in seiner Sitzung am 15. Juni in Mainz befinden. Das erweiterte Präsidium hat die Aufgabe, die Intendantenwahl vorzubereiten (als sogenannter Personalausschuss). Das Präsidium hat insgesamt zehn Mitglieder. Neben der Fernsehratsvorsitzenden sind dies noch ihre drei Stellvertreter und die sechs Ausschussvorsitzenden.

In der Präsidiumssitzung am 15. Juni soll dann auch entschieden werden, ob angesichts der Corona-Pandemie die Intendantenwahl in einer Präsenzsitzung des Fernsehrats am 2. Juli in Mainz stattfinden kann. Angestrebt wird, die Wahl an diesem Tag abzuhalten. Fernsehratsmitglied Leonhard Dobusch twitterte, nachdem der SZ-Bericht erschienen war, er habe sich mit anderen Fernsehratsmitgliedern dafür eingesetzt, dass die Kandidaten für die Intendantenwahl „aufgefordert werden, ihre Vorstellungen über die Zukunft des ZDF auch im Rahmen eines Konzeptpapiers zu verschriftlichen. Diese Konzepte“, so Dobusch, „sollten gegen Mitte Juni vorliegen.“

Abzuwarten bleibt, ob diese Konzeptpapiere auch veröffentlicht werden, so dass sie vor dem Wahltermin zugänglich sind. Möglicherweise wird sich das erweiterte Fernsehratspräsidium am 15. Juni mit dieser Frage ebenfalls befassen. Die Fernsehratsvorsitzende Marlehn Thieme hatte jedenfalls bei dem Pressegespräch am 18. Mai mit Blick auf die anstehende Intendantenwahl gesagt, dass ihr „die Transparenz des Verfahrens ein besonderes Anliegen“ sei. Fest steht bereits, dass die ZDF-Intendantenwahl im Fernsehrat, sollte sie am 2. Juli stattfinden können, an diesem Tag dann auch via Livestream zu verfolgen sein wird. Im Jahr 2020 hatte der Fernsehrat beschlossen, seine Geschäftsordnung so zu ändern, dass wesentliche Sitzungen, darunter die mit einer Intendantenwahl, im Internet übertragen werden (vgl. MK-Meldung).

02.06.2021 – Volker Nünning/MK

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