ZDF-Intendant Thomas Bellut gibt sein Amt im März 2022 ab

02.03.2021 •

Beim ZDF in Mainz wird es im Frühjahr 2022 zu einem Wechsel an der Spitze des Senders kommen. Intendant Thomas Bellut erklärte heute Vormittag in einer E-Mail an die ZDF-Fernsehratsmitglieder, dass er sich nicht für eine dritte fünfjährige Amtsperiode als Intendant bewerben wolle. Wenig später gab das ZDF Belluts Entscheidung auch in einer Pressemitteilung bekannt.

Thomas Bellut, der am 8. März 66 Jahre alt wird, tritt dann – wie zu erwarten war – mit dem Ablauf seiner aktuellen Amtsperiode am 14. März 2022 in den Ruhestand. Bellut war vom ZDF-Fernsehrat im Juni 2011 zum Intendanten des ZDF gewählt worden. Er übernahm die Leitung des öffentlich-rechtlichen Senders dann am 15. März 2012 in der Nachfolge von Markus Schächter. Im September 2015 wurde Bellut vom Fernsehrat vorzeitig für eine zweite fünfjährige Amtsperiode wiedergewählt (vgl. MK-Meldung).

Ein aussichtsreicher Nachfolgekandidat

Thomas Bellut habe in seiner Amtszeit „wichtige Weichen für die digitale Welt gestellt und dem ZDF Sicherheit gegeben“, erklärte die ZDF-Fernsehratsvorsitzende Marlehn Thieme (Vertreterin der evangelischen Kirche) in einem Statement zu Belluts Ankündigung, nicht erneut für das Intendantenamt zu kandidieren. Der ZDF-Fernsehrat muss nun das Verfahren zur Neubesetzung des Intendantenamts in die Wege leiten. Das Prozedere hierzu will das Gremium in seiner nächsten Sitzung am 19. März festlegen, die im Livestream übertragen wird.

Laut ZDF-Staatsvertrag wählt der Fernsehrat den Senderchef für die Dauer von fünf Jahren. Nötig ist dabei in dem 60-köpfigen Gremium eine Drei-Fünftel-Mehrheit der Mitglieder. Zum ZDF-Intendant ist somit die Person gewählt, die in dem Gremium mindestens 36 Stimmen erhält, und zwar unabhängig davon, wie viele Fernsehratsmitglieder an der Wahl teilnehmen. Die Intendantenwahl dürfte im Herbst bzw. Ende 2021 stattfinden.

Als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Thomas Bellut gilt ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler. Er ist seit April 2012 Programdirektor des Senders. Himmler war damals vom neuen Intendanten Bellut auf diesen Posten berufen worden, den Bellut zuvor ab Ende November 2002 selbst innehatte, bevor er die Leitung des ZDF übernahm. Der noch amtierende Intendant Thomas Bellut, dessen Vorgänger Markus Schächter sowie dessen Vorgänger Dieter Stolte waren, bevor sie den Chefposten beim ZDF übernahmen, vorher ebenfalls jeweils Programmdirektor des Senders. Möglicherweise wird Himmler künftig als Vierter diese Reihe fortführen.

Norbert Himmler, der Ende Januar 50 Jahre alt wurde, volontierte ab 1998 beim ZDF. In den folgenden Jahren übernahm der promovierte Politikwissenschaftler dann verschiedene Positionen im redaktionellen und administrativen Bereich des Senders, darunter ab 2009 die Leitung des Spartenprogramms ZDFneo, bevor er drei Jahre später Programmdirektor wurde.

Ein personelles Planspiel

Ein Planspiel in Zusammenhang mit der Intendantenwahl könnte so aussehen: Wenn Himmler zum neuen Senderchef gewählt wird, könnte er 2022 eine Frau als seine Nachfolgerin zur Programmdirektorin berufen. In Frage für diese Position käme sicherlich Heike Hempel, seit Januar 2018 stellvertretende ZDF-Programmdirektorin und Leiterin der Hauptredaktion ‘Fernsehfilm/Serie II’. In der obersten Führungsriege beim ZDF, der sechsköpfigen Geschäftsleitung mit dem Intendanten an der Spitze, ist bisher nur eine Frau vertreten. Es ist Karin Brieden, seit Januar 2014 Verwaltungsdirektorin des ZDF. Sie zog damals als erste Frau in die Geschäftsleitung der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt ein, die Anfang April 1963 ihr Programm startete.

Neu besetzt werden muss beim ZDF im Jahr 2022 außerdem die Position des Chefredakteurs, der ebenfalls der Geschäftsleitung angehört, genauso wie der Justitiar und der Produktionsdirektor. Peter Freys Vertrag als ZDF-Chefredakteur läuft noch bis September 2022. Als Chefredakteurin könnte ihm Bettina Schausten nachfolgen, Freys seit März 2019 amtierende Stellvertreterin und Leiterin der Hauptredaktion ‘Aktuelles’. Bei diesem Planspiel wären dann in der ZDF-Geschäftsleitung im Jahr 2022 drei Frauen und drei Männer vertreten (Justitiar des Senders ist Peter Weber, Produktionsdirektor ist Michael Rombach).

Der scheidende ZDF-Intendant Thomas Bellut, geboren am 8. März 1955 in Osnabrück, hat in Münster Politikwissenschaften, Geschichte und Publizistik studiert und anschließend promoviert. Seine berufliche Laufbahn startete Bellut 1983 als Redakteur der Tageszeitung „Westfälische Nachrichten“ in Münster. Ein Jahr später begann er beim ZDF ein Volontariat; anschließend war er Redakteur bei der Sendereihe „Länderspiegel“. 1986 wechselte er als Korrespondent in das ZDF-Studio Berlin. Zwei Jahre danach wurde er Referent des damaligen ZDF-Programmdirektors Oswald Ring.

Von 1990 bis 1992 war Thomas Bellut für die Sendereihen „Familienmagazin“ und „Reiselust“ verantwortlich. Anschließend übernahm er die Leitung der damaligen „Blickpunkt“-Redaktion, die in der ZDF-Hauptredaktion Innenpolitik angesiedelt war. Anfang 1997 wurde Bellut Chef dieser Hauptredaktion (die später erweitert und umbenannt wurde). In dieser Funktion moderierte er ZDF-Sonder- und Wahlsendungen, das „Politbarometer“ sowie die Ausgaben von „ZDF-spezial“ und „Was nun, ..?“. Ende November 2002 wurde Thomas Bellut dann ZDF-Programmdirektor und dann im März 2012 Intendant. Im November 2021 wird Bellut in New York mit dem „International Emmy Directorate Award“ ausgezeichnet. Ende 2020 hatte die International Academy of Television Arts & Sciences bekannt gegeben, dass Bellut den Preis erhält (vgl. MK-Meldung). Mit dem „International Emmy Directorate Award“ ehrt die Akademie Einzelpersonen oder Organisationen für ihren herausragenden Beitrag zum internationalen Fernsehen.

02.03.2021 – Volker Nünning/MK

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