Wiedergewählte RBB-Intendantin Schlesinger: Stärker crossmedial arbeiten

12.09.2020 •

Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ist Intendantin Patricia Schlesinger bis zum Jahr 2026 im Amt bestätigt worden. Der RBB-Rundfunkrat wählte sie in einer nicht öffentlichen Sondersitzung am 10. September in Berlin für eine zweite fünfjährige Amtsperiode wieder, wie der RBB mitteilte. Schlesinger erhielt von den anwesenden 28 Rundfunkratsmitgliedern 26 Ja-Stimmen, zwei Mitglieder votierten gegen sie (ein Mitglied des insgesamt 29-köpfigen Gremiums nahm nicht an der Sitzung teil). Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Die Intendantenwahl beim Rundfunk Berlin-Brandenburg mit Standorten in Berlin und Potsdam findet laut den Bestimmungen des RBB-Staatsvertrags stets in einer nicht öffentlichen Sitzung des Rundfunkrats statt. Um im Amt bestätigt zu werden, benötigte Patricia Schlesinger im Rundfunkrat eine Zwei-Drittel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Da 28 Rundfunkratsmitglieder an der Wahl teilnahmen, waren mindestens 19 Ja-Stimmen erforderlich. Gemäß den staatsvertraglichen Vorgaben musste die Intendantenposition öffentlich ausgeschrieben werden. Auf die Ausschreibung gab es neben Schlesingers Bewerbung noch drei externe. Die vom Rundfunkrat eingesetzte Wahlkommission entschied, die Amtsinhaberin als einzige Kandidatin für die Intendantenwahl vorzuschlagen.

Im Intendantenamt bis 2026 bestätigt 

Patricia Schlesinger, 59, steht seit Anfang Juli 2016 an der Spitze des RBB. Zuvor arbeitete sie ab 1988 in verschiedenen Positionen beim Norddeutschen Rundfunk (NDR), zuletzt ab 2007 als Leiterin des Programmbereichs ‘Kultur und Dokumentation’. Schlesingers aktuelle Amtsperiode als RBB-Intendantin läuft noch bis Ende Juni 2021. Ihre zweite Amtsperiode beginnt somit am 1. Juli 2021 und dauert dann bis zum 30. Juni 2026. Das Intendantenamt beim RBB übernahm Schlesinger 2016 in der Nachfolge von Dagmar Reim, die im Mai 2003 die Leitung des Rundfunks Berlin-Brandenburg angetreten hatte. Damals war aus der Zusammenlegung von Sender Freies Berlin (SFB) und Ostdeutschem Rundfunk Brandenburg (ORB) der RBB entstanden, bei dem heute rund 2000 fest angestellte Mitarbeiter tätig sind (in Voll- und Teilzeit). Die Ausgaben des öffentlich-rechtlichen Senders sollen sich 2020 auf insgesamt 565 Mio Euro belaufen. Der RBB ist im Verbund der neun ARD-Landesrundfunkanstalten die drittkleinste.

Die RBB-Rundfunkratsvorsitzende Friederike von Kirchbach nannte die Wiederwahl von Patricia Schlesinger ein „gutes Signal für das Publikum des RBB“. Schlesinger habe mit ihrem Team beim Rundfunk Berlin-Brandenburg „weitreichende Veränderungen klug und erfolgreich auf den Weg gebracht“, so die Rundfunkratschefin: „Wir sehen das im Netz, hören es im Radio und können es jeden Tag im Fernsehen verfolgen.“ Digitale Veränderung werde „zum Dauerzustand für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk“, erklärte von Kirchbach, die von der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg in den Rundfunkrat entsandt ist.

Einführung von „Contentboxen“

Patricia Schlesinger dankte nach ihrer Wiederwahl dem Rundfunkrat für den Vertrauensbeweis: „Ich verstehe die Wahl als Auftrag, aber auch als Zeichen der Anerkennung für alle im Sender, denn ich bewege hier nichts allein“, erklärte sie laut RBB-Pressemitteilung. „Die Menschen in Berlin und Brandenburg“, so die Intendantin weiter, „erwarten viel von uns, mit gutem Recht. Der RBB soll und muss ihnen ein verlässlicher Begleiter, ein Freund sein, auf allen Ausspielwegen, bei allen Themen, die wichtig sind.“

Um dies zu erreichen, setzt Schlesinger auf den Ausbau des crossmedialen und vernetzten Arbeitens beim RBB. Künftig wird es bei dem Sender sogenannte „Contentboxen“ geben, um medienübergreifend Programm zu erstellen. Dann sollen, wie RBB-Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus erklärte, „redaktionelle Experten, Mediengestalter, Zielgruppen- und Distributionsmanager“ Hand in Hand arbeiten. Doch beim crossmedialen Arbeiten bleiben dem RBB Grenzen noch gesetzt. So sitzt in Berlin etwa die Redaktion des RBB-Inforadios, wie Intendantin Schlesinger sagte, „eine Bushaltestelle entfernt von der ‘Abendschau’“, dem Fernsehregionalmagazin des RBB für Berlin. Eine solche räumliche Trennung soll es nicht mehr geben, wenn das neue digitale Medienhaus auf dem RBB-Gelände in Berlin fertiggestellt ist. Das wird aber wohl erst 2025 der Fall sein.

Im August 2020 beschloss die RBB-Geschäftsleitung, den Neubau mit vier Stockwerken auf Basis der Pläne des Büros Baumschlager Eberle Architekten umzusetzen. Der RBB-Rundfunkrat nahm diese Entscheidung in seiner Sitzung am 27. August zustimmend zur Kenntnis, wie es hieß. Das neue Gebäude wird eine Fläche von rund 13.000 Quadratmetern haben. Als dessen „journalistisches Herzstück“ nennt Schlesinger den vorgesehenen großen Newsroom. Die genauen Kosten für den Bau sind noch nicht bekannt, dürften aber im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen. Zur Finanzierung wird der Sender nach eigenen Angaben Rücklagen nutzen und Kredite aufnehmen.

Ab 2021 zu Einsparungen gezwungen

Der Ausbau des crossmedialen Arbeitens beim RBB wird in den kommenden Jahren aber mit deutlichen Einsparmaßnahmen einhergehen. Bereits Anfang 2020 hatte Schlesinger erklärt, der RBB müsse künftig 20 Mio Euro jährlich einsparen. Am 14. September wird bei RBB Kultur der erste Teil einer Programmreform umgesetzt, die im Dezember abgeschlossen werden soll. Der RBB will mit dieser Reform „einer „veränderten Audionutzung und den verschiedenen Ausspielwegen im Radio und im Digitalen Rechnung tragen und mehr Menschen und auch jüngere Zielgruppen gewinnen“. Doch zugleich sollen bei RBB Kultur von 2021 an eine Million Euro und damit etwa 10 Prozent des bisherigen Etats eingespart werden, was vor allem zu Lasten von freien Mitarbeitern gehen dürfte.

Zum 1. April 2021, wenige Monate nach dem Abschluss der Programmreform bei RBB Kultur, wird Stephan Abarbanell, der seit 2013 den Programmbereich Kultur leitet, den RBB verlassen. Er tritt dann in den Ruhestand, ebenso wie RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein. Intendantin Patricia Schlesinger und Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus müssen somit in den kommenden Monaten zwei zentrale Positionen im Sender nachbesetzen. Anfang Januar 2022 wird die RBB-Chefin, wie es derzeit aussieht, noch einen Zusatzjob übernehmen – und zwar den als ARD-Vorsitzende. Schlesinger würde dann WDR-Intendant Tom Buhrow nachfolgen, der seit Anfang 2020 ARD-Vorsitzender ist und diese Position dann nach zwei Jahren turnusgemäß wieder abgibt.

12.09.2020 – Volker Nünning/MK

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