Werbeverstoß in Nachrichtensendung „RTL aktuell“ wegen Hinweis auf „Stern“?

15.09.2020 •

Die Landesmedienanstalten prüfen derzeit, ob der private Fernsehsender RTL in einer Ausgabe seiner Nachrichtensendung „RTL aktuell“ gegen den Grundsatz der Trennung von Werbung und Programm verstoßen hat. Das erklärte die für RTL zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) auf MK-Nachfrage. Konkret geht es um die am 26. August (Mittwoch) um 18.45 Uhr ausgestrahlte Ausgabe von „RTL aktuell“, in der ein Beitrag über die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft vor den US-Präsidentschaftswahlen gesendet wurde. Aufhänger dafür war das aktuelle Foto-Projekt „Divided We Stand“ eines Schweizer Fotografen-Ehepaares, das über Porträts von Menschen die Stimmung in den USA eingefangen hat.

Nach dem Ende des Beitrags sagte „RTL-aktuell“-Moderator Peter Kloeppel dann: „Einige Menschen aus dem Foto-Projekt kommen auch in der neuen, jetzt erscheinenden Ausgabe des ‘Stern’ zu Wort, unter dem Titel ‘Die zerrissenen Staaten von Amerika‘.“ Am Folgetag, dem 27. August (Donnerstag), erschien das neue „Stern“-Heft mit der genannten Titelgeschichte, inklusive einer „großen Foto-Reportage“ zu „Divided We Stand“. Der „Stern“ wird vom Verlag Gruner + Jahr herausgegeben, der wie RTL zum Bertelsmann-Konzern gehört. Laut dem Rundfunkstaatsvertrag müssen Nachrichtensendungen werbefrei gestaltet sein.

Trennung von Werbung und Programm

Die NLM, die von der MK auf den Vorgang bei „RTL aktuell“ aufmerksam gemacht wurde, erklärte nach einer Prüfung der betreffenden Ausgabe der Nachrichtensendung: „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass in diesem Fall ein Anfangsverdacht für einen Verstoß gegen den Grundsatz der Trennung von Werbung und Programm vorliegt.“ Von RTL werde hierzu eine Stellungnahme eingeholt. Für die weitere Prüfung und die abschließende Bewertung, ob ein Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag vorliegt, ist laut NLM die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Landesmedienanstalten zuständig. Wann die ZAK eine Entscheidung trifft, ist offen.

Zu Peter Kloeppels Verweis auf den „Stern“ innerhalb von „RTL aktuell“ erklärte der Sender auf Nachfrage, die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen sei ein „journalistisch spannender Komplex“. Dazu hätten die Fotografen „eine beeindruckende Fotostrecke“ gemacht und die Protagonisten auch im Video festgehalten. „Dieses Material“, so der Sender, „lag komplett beim ‘Stern’. Wir hatten die Gelegenheit, dieses für das TV auszuwerten. Da gehört es auch dazu – wie bei jeder Quellenangabe – zu erwähnen, woher das Material stammt.“ RTL gehe es darum, sein Publikum für politische Themen zu sensibilisieren: „Wenn das durch unseren Beitrag gelungen ist, bietet es dem interessierten Zuschauer einen Mehrwert, wenn er erfährt, wo er mehr zu diesem Thema bekommt.“

Nicht bekannt ist, wie viele der insgesamt immerhin 3,3 Mio Zuschauer der „RTL-aktuell“-Ausgabe vom 26. August bereit waren, für diesen Mehrwert dann in der Folge 4,90 Euro für den Kauf der „Stern“-Ausgabe zu investieren. Wird in dieser Form innerhalb einer Nachrichtensendung auf das Magazin hingewiesen, dürfte dies jedenfalls beim Publikum deutlich stärker wahrgenommen werden, als wenn im Rahmen eines Werbeblocks im RTL-Programm die neue „Stern“-Ausgabe beworben würde.

Bertelsmann Content Alliance

Unklar ist, ob es bei „RTL aktuell“ schon früher Hinweise auf Zeitschriften aus dem Bertelsmann-Konzernverbund gab. RTL teilte der MK mit, bei nachrichtlichen Themen sei man mit dem „Stern“ im Austausch, ebenso wie das „VIP-Ressort“ bei RTL mit der Zeitschrift „Gala“ (die ebenfalls von Gruner + Jahr herausgegeben wird). Es gehe diesbezüglich, hieß es seitens RTL, „im Kern darum, bei Geschichten, die die jeweils andere Division exklusiv hat, eine höhere Reichweite für die relevante Nachricht zu erzielen“.

Dass bei „RTL aktuell“ das Material zu dem Foto-Projekt „Divided We Stand“, für das der „Stern“ exklusiv die Rechte eingekauft habe, verwendet worden sei, gehe zurück, so der Sender weiter, auf die Zusammenarbeit im Rahmen der ‘Content Alliance’ zurück. Sie wurde Anfang Februar 2019 innerhalb des Bertelsmann-Konzerns eingerichtet, um die Produktion von Inhalten in den verschiedenen Medienbereichen stärker miteinander zu verknüpfen. Dazu gehört auch, wie Bertelsmann damals bekanntgab, „bereichsübergreifend gemeinsame Formate zu entwickeln und zu vermarkten und damit umfassende Angebote für Kreative zu schaffen“ (vgl. MK-Meldung).

15.09.2020 – Volker Nünning/MK

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