WDR-Strategie: Intendant Tom Buhrow skizziert Pläne bis 2025

18.06.2021 •

WDR-Intendant Tom Buhrow hat die Senderstrategie des Westdeutschen Rundfunks für die kommenden Jahre skizziert. Ziel sei es, dass bis zum Jahr 2025 mindestens jeder dritte Mensch in Nordrhein-Westfalen einmal am Tag die non-linearen Angebote des WDR nutze, sagte Buhrow im Mai vor dem Rundfunkrat mit Blick auf den weiteren digitalen Umbau des öffentlich-rechtlichen Senders. Jeder Dritte, das wären von den rund 18 Mio Einwohnern in NRW mindestens rund 6 Mio Menschen, die der WDR dann täglich erreichen will.

Die Frage, wie hoch der Anteil der Bürger ist, die derzeit non-lineare WDR-Angebote pro Tag nutzen, konnte der WDR auf MK-Nachfrage nicht beantworten. „Die aktuellsten repräsentativen Daten, die uns vorliegen, stammen aus dem Spätsommer 2019. Zu diesem Zeitpunkt lag unsere digitale Tagesreichweite in NRW mit den WDR-Angeboten bei 10 Prozent“, so der Sender dazu. In Zeiten der Corona-Pandemie sei diese Tagesreichweite vermutlich angestiegen; aktuelle Zahlen werde es in der zweiten Jahreshälfte 2021 geben, hieß es.

„Online first“ lautet die Devise

Zur Senderstrategie in den nächsten Jahren äußerte sich Buhrow am 6. Mai in Köln in der öffentlichen Sitzung des WDR-Rundfunkrats. Außerdem kündigte der Intendant an, dass die Berichterstattung aus Nordrhein-Westfalen intensiviert werden solle. Ein möglichst großer Teil der Inhalte solle, so Buhrow weiter, bis zum Jahr 2025 zuerst über das Internet verbreitet werden („Online first“). Auch gehe es darum, neben dem Stammpublikum neue Zielgruppen für den WDR zu erreichen. Buhrow verwies hier etwa auf die jüngst gestartete Sendereihe „Freitagnacht Jews“. In „Freitagnacht Jews“ spricht der jüdische Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy mit seinen Gästen über die Frage, wie es ist, als Jude in Deutschland zu leben.

Die jeweils 25 Minuten langen Ausgaben von „Freitagnacht Jews“ sind seit dem 23. April jeweils freitagnachmittags auf dem YouTube-Kanal des WDR und in der Mediathek neu abrufbar. Die erste Folge war auch im Dritten Programm WDR Fernsehen zu sehen; dort wird „Freitagnacht Jews“ nun, nach der positiven Publikumsresonanz im Netz, ab dem 18. Juni regelmäßig ausgestrahlt, und zwar ab 23.30 Uhr im Anschluss an die Talkshow „Kölner Treff“.

Mit der Senderstrategie des WDR will sich der Rundfunkrat Ende Juni noch näher befassen. Dazu gehört dann auch, dass Jörg Schönenborn, beim WDR Programmdirektor Information, Fiktion und Unterhaltung, dem Rundfunkrat seine Zukunftspläne für den von ihm geleiteten Direktionsbereich präsentiert. In der März-Sitzung des Gremiums hatte bereits Valerie Weber, WDR-Programmdirektorin NRW, Wissen und Kultur, ihre Pläne vorgestellt, die unter anderem die Hörfunkprogramme des Senders betreffen. Weber warb etwa für ein modernes Verständnis von Kultur und Kulturberichterstattung, um ein vielfältiges Publikum ansprechen zu können. Die mit diesem Ziel umgesetzten Umbauten bei der Kulturwelle WDR 3 lösten in den vergangenen Monaten bei Kulturschaffenden wie kulturinteressierten Hörern Proteste aus (vgl. hierzu diesen MK-Artikel).

Außerplanmäßige Rundfunkratssitzung

Programmdirektor Jörg Schönenborn wird die Zukunftspläne für seinen Bereich dem Rundfunkrat am 29. Juni vorstellen. An diesem Tag kommt das 60-köpfige Gremium zu zwei öffentlichen Sitzungen zusammen: am Vormittag des Tages zuerst für eine außerplanmäßige Sitzung, am Nachmittag findet dann die regulär zu diesem Termin angesetzte Sitzung statt. Erstmals in der Geschichte des WDR-Rundfunkrats, zumindest in der jüngeren Vergangenheit, gibt es eine außerplanmäßige Sitzung des Aufsichtsgremiums. Das ist auch insofern etwas überraschend, weil der Rundfunkrat grundsätzlich bereits einmal pro Monat tagt.

In der Sondersitzung erläutert Direktor Schönenborn dem Rundfunkrat zunächst seine Pläne für die Bereiche Information, Fiktion und Unterhaltung; der Tagesordnungspunkt hat den Titel „Vom linearen Programm zum Content-Netzwerk“. Anschließend geht es dann um das Thema „Die Zukunft der Gestaltung des Programmauftrags im WDR“. Dabei soll es auch um die Kulturberichterstattung des WDR gehen und um die Frage, welchen Anteil sie am Programmangebot haben soll.

Die Sondersitzung musste einberufen werden, weil in der Sitzung am 6. Mai insgesamt 21 Rundfunkratsmitglieder dafür votierten, eine solche Extra-Sitzung zum Thema WDR-Programmauftrag anzusetzen. Damit wurde das Quorum erreicht, dem zufolge es laut WDR-Gesetz eine außerplanmäßige Sitzung geben muss, wenn mindestens ein Viertel der Rundfunkratsmitglieder dies unterstützen. Dass eine solche Sitzung anberaumt wurde, darüber hatte der WDR-Rundfunkrat in seinem Newsletter zu den Beratungsergebnissen der Sitzung am 6. Mai merkwürdigerweise nicht informiert.

18.06.2021 – Volker Nünning/MK

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