WDR plant Online-Ausbau von „Sportschau“-Angebot

21.06.2020 •

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) will das von dem Sender federführend betriebene ARD-Online-Angebot sportschau.de ausbauen. Ob die Pläne mit einem Drei-Stufen-Test untersucht werden müssen, bevor sie umgesetzt werden können, prüft derzeit der WDR-Rundfunkrat. Das Aufsichtsgremium hat dafür, wie auf seiner Internet-Seite mitgeteilt wurde, am 15. Mai einstimmig beschlossen, eine ‘Sachkommission Telemedien’ zu bilden, die dem Rundfunkrat eine Empfehlung darüber geben soll, ob ein neuer Drei-Stufen-Test durchzuführen ist oder nicht. Wann der 60-köpfige Rundfunkrat hierzu eine Entscheidung treffen wird, ist offen; möglicherweise in seiner nächsten Sitzung, die für den 13. August angesetzt ist und im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf stattfinden soll.

Im Juli 2010 hatte der WDR-Rundfunkrat das Online-Angebot sportschau.de auf Basis eines Drei-Stufen-Tests gebilligt. Zuvor hatte der Sender zugesagt, mehrere vom Rundfunkrat verlangte Änderungen umzusetzen, unter anderem zu Bildergalerien und Spielen sowie zur Befristung von Verweildauern. Der WDR muss dem Rundfunkrat seitdem außerdem regelmäßig über die Entwicklung von sportschau.de berichten. Vor zehn Jahren mussten die damals bestehenden Internet-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender in Drei-Stufen-Tests auf ihre Zulässigkeit geprüft werden. Das war von den Bundesländern im 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag festgelegt worden, der Anfang Juni 2009 in Kraft getreten war (vgl. FK-Hefte Nr. 22-23/09 und 29/10).

Ist ein Drei-Stufen-Test nötig?

ARD, ZDF und das Deutschlandradio können seitdem neue Online-Angebote nur noch dann starten, wenn sie dafür nach einem Drei-Stufen-Test grünes Licht von ihren Aufsichtsgremien erhalten haben. Ist geplant, eine bestehende Webseite auszubauen, muss das jeweils zuständige Gremium klären, ob die geplante Erweiterung mit einem neuen Drei-Stufen-Test überprüft werden muss oder nicht. Kommt es zu einem solchen Prüfverfahren, ist darin laut Rundfunkstaatsvertrag zu untersuchen, ob das jeweilige Angebot „den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht“ und in welchem Umfang es „in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb“ beitragen werde. Außerdem muss bei einem unabhängigen Sachverständigen ein Gutachten beauftragt werden, mit dem die marktlichen Auswirkungen des zu überprüfenden Online-Angebots untersucht werden.

Der nun geplante Ausbau von sportschau.de geht zurück auf eine Entscheidung der ARD-Intendanten vom November 2019 zu den sogenannten „Big-Five“-Plattformen (vgl. MK-Meldung). Damals beschlossen die Senderchefs, fünf reichweitenstarke Online-Angebote deutlich auszubauen und dort Kräfte zu bündeln. Dabei geht es neben sportschau.de noch um die ARD-Mediathek, die ARD-Audiothek, tagesschau.de und die Online-Angebote für Kinder (Kika-Player). „Im Falle von sportschau.de ist von 2020 bis 2022 eine jährliche Verstärkung für technische Entwicklung und für redaktionelle Belange vorgesehen“, erklärte der WDR auf MK-Nachfrage.

In den vergangenen Jahren habe sich die digitale Welt „mit immer neuen Ausspielwegen, Plattformen und in der Folge auch neuen Formaten in großer Geschwindigkeit weiterentwickelt“, so die Rundfunkanstalt: „Zugleich hat sportschau.de in derselben Zeit keine nennenswerten Stellen- oder Etatverstärkungen erhalten.“ Der von den Intendanten vorgesehene Ausbau von sportschau.de mit zusätzlichen Geldern hat das Ziel, „die Qualität und Reichweite der Inhalte auf den verschiedenen Plattformen zu steigern“. Neben der eigenen Webseite ist die „Sportschau“ online auf mehreren Social-Media-Plattformen mit eigenen Kanälen vertreten. Dabei handelt es sich um YouTube, Facebook, Instagram und Twitter. Geplant ist nun ein Relaunch der „Sportschau“-Webseite, die künftig strikt auf die Nutzung über mobile Geräte ausgerichtet werden soll. So greifen laut WDR mehr als zwei Drittel der Nutzer beispielsweise über Smartphones auf die Seite zu. Im Jahr 2019 hatte sportschau.de insgesamt 155 Mio Visits und 530 Mio Seitenaufrufe. Außerdem geht es um einen Relaunch der „Sportschau“-App, wobei der Fokus „auf Personalisierung, intelligenter Nutzerführung und multimedialer Ausrichtung“ liegen soll. Die 2011 gestartete „Sportschau“-App zählte bis Mai 2020 insgesamt rund 3,6 Mio Downloads.

Über sportschau.de werden darüber hinaus Sportwettbewerbe exklusiv übertragen, die im Fernsehen etwa nicht in voller Länge übertragen werden können. Dieses Live-Streaming hat sich nach Einschätzung des WDR inzwischen zu „einem attraktiven Teil“ der Seite entwickelt. Schwerpunkt blieben Wintersport-Übertragungen. Dieses sogenannte webexklusive Live-Streaming von Sportwettbewerben über sportschau.de kann der WDR nicht ohne weiteres ausbauen. „Welche Sportarten in welchem Volumen übertragen werden dürfen, hat der WDR-Rundfunkrat geregelt. Ein Ausbau über dieses Volumen hinaus ist nicht möglich“, erklärte der WDR gegenüber der MK.

Was der WDR nicht beantworten will

Die Frage, wie hoch die Gesamtkosten bei sportschau.de ausfallen werden, wenn die Ausbaupläne umgesetzt sind, wollte der WDR nicht beantworten. Auch zur Anzahl der künftigen Stellen bei dem Online-Angebot wollte sich der Sender nicht äußern. Zur Begründung hieß es, die Erweiterungspläne hätten noch nicht den Rundfunkrat passiert. Aktuell gibt es bei sportschau.de dem WDR zufolge sieben Vollzeitstellen. Hinzu kämen 15 freie Mitarbeiter, die regelmäßig für sportschau.de tätig seien.

Nicht konkret beantworten wollte der WDR auch die Frage, wie hoch im Jahr 2019 die Gesamtkosten von sportschau.de ausgefallen sind. Hierzu teilte der Sender der MK lapidar mit: „Endgültige Zahlen werden im WDR-Geschäftsbericht 2019 veröffentlicht, der voraussichtlich im Spätsommer erscheint.“ Sofern der WDR in diesem Geschäftsbericht die Gesamtkosten von sportschau.de für das vorige Jahr tatsächlich veröffentlichen sollte, wäre dies ein Novum. Bislang hat der Sender noch nie in einem Geschäftsbericht die in einem Jahr angefallenen Gesamtkosten von sportschau.de dargestellt. Bei der Antwort des WDR, mit der er offenbar Transparenz signalisieren will, könnte es sich daher im Gegenteil vielmehr um eine Nebelkerze handeln.

21.06.2020 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 13-14/2020

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren