WDR greift für ARD‑Vorsitz auf zwei externe PR‑Berater zurück

29.02.2020 •

Der seit dem 1. Januar amtierende neue ARD-Vorsitzende, WDR-Intendant Tom Buhrow, greift für die Kommunikationsarbeit in seiner zweijährigen Vorsitzzeit auch auf zwei externe Berater zurück. Vom WDR wurden dafür zu Jahresanfang 2020 die beiden PR-Berater Andreas Fünfgeld und Wolfram Winter verpflichtet. Nach einer europaweiten Ausschreibung, die der WDR im Sommer 2019 veröffentlicht hatte, vergab die Rundfunkanstalt den Auftrag an die Media 5 GmbH von Andreas Fünfgeld, der Wolfram Winter als Partner mit ins Boot geholt hatte. Winter kooperiert dazu über seine Firma Three Winters (als sogenannter Nachunternehmer) mit Media 5, um die Beratertätigkeit für den WDR umzusetzen. In der Schlussrunde um den Auftrag des WDR waren neben Media 5 noch zwei weitere Unternehmen gewesen. Fünfgeld und Winter waren früher schon einmal für den Sender als Berater tätig, und zwar im Jahr 2018, als der WDR die #MeToo-Affäre zu bewältigen hatte.

Andreas Fünfgeld, 54, ist Geschäftsführer von Media 5 (München) und war in den 1990er Jahre Sprecher des Privatsenders RTL 2. Er ist der Sohn von Hermann Fünfgeld, dem letzten Intendanten des Süddeutschen Rundfunks (SDR), der im Jahr 1998 mit dem Südwestfunk (SWF) zum Südwestrundfunk (SWR) zusammengelegt worden war. Wolfram Winter, 56, war von 2011 bis 2017 Kommunikationschef des Pay-TV-Senders Sky Deutschland. Seit Oktober 2016 ist er am Campus München der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation Honorarprofessor für den Bereich Medienmanagement. Anfang 2018 gründete Winter in München die Firma Three Winters, die unter anderem Beratungs- und Kommunikationsdienstleistungen anbietet.

Schwerpunkt Krisenkommunikation

Den Einsatz der externen Berater rechtfertigt Tom Buhrow mit den kommunikativen Herausforderungen, die während seiner Zeit als ARD-Vorsitzender anstünden. Hier verweist Buhrow – der im ARD-Vorsitz dem BR-Intendanten Ulrich Wilhelm nachfolgte – auf das Verfahren zur Festlegung des Rundfunkbeitrags, der zum 1. Januar 2021 um 86 Cent auf dann 18,36 Euro pro Monat erhöht werden soll. Darüber müssen die Ministerpräsidenten und die Landtage in diesem Jahr entscheiden. Gegenüber dem Deutschlandfunk erklärte Buhrow am 4. Februar in einem Interview, dieses Verfahren sei „ein sehr komplizierter und auch sehr umstrittener Prozess“. Das sei „sehr, sehr erklärungsbedürftig […] bei den Menschen. Und da müssen wir eine besondere Kraftanstrengung machen.“ (Vgl. hierzu auch diesen MK-Artikel.)

Laut der Ausschreibung wurden vom WDR externe Kommunikationsberater mit dem Schwerpunkt für Krisenkommunikation und „spezielle Themen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ gesucht. Im Zentrum steht die „strategische Beratung und operative Unterstützung für und während des ARD-Vorsitzes in den Jahren 2020 und 2021“. Kommunikativ begleitet werden soll etwa das Rundfunkbeitragsverfahren. Aber auch „weitere schlagkräftige Themen“ sollen identifiziert werden, „die während dieser Zeit zielgruppengerecht kommuniziert werden sollen“. Instrument hierfür sei, so heißt es in der Ausschreibung, „eine vorausschauende Agenda mit geeigneten dynamischen Instrumenten, deren Umsetzung evaluiert wird und ggf. kurzfristig angepasst werden kann“.

Zum Auftrag, den der WDR mit Winter und Fünfgeld im November vereinbart hat, gehört es zudem, Buhrow in seiner Funktion als WDR-Intendant zu beraten, und zwar auch in Krisenfällen. Der erste Einsatz dürfte dann sicherlich die öffentliche Kontroverse um das „Umweltsau“-Video gewesen sein, die ab Ende Dezember 2019 begann (vgl. MK-Meldung). Die Frage, ob Winter und Fünfgeld hier tatsächlich für den WDR tätig wurden, wollte der Sender der MK indes nicht beantworten, mit dieser Begründung: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir interne Abläufe unserer Kommunikationsprozesse im Detail nicht nach außen tragen.“

Als Reaktion auf die „Umweltsau“-Debatte kündigte WDR-Intendant Buhrow am 24. Januar im Rundfunkrat des Senders an, dass die Social-Media-Strategie des WDR überarbeitet werde, um künftig auf solche Krisenfälle besser vorbereitet zu sein. Auch die Frage, ob an der Ausarbeitung der neuen Social-Media-Strategie Winter und Fünfgeld beteiligt seien, wollte der Sender nicht konkret beantworten. Stattdessen hieß es: „Andreas Fünfgeld und Wolfram Winter beraten den WDR im Rahmen des ARD-Vorsitzes. Dazu gehört alles, was mit Kommunikation zu tun hat.“ (Vgl. auch diesen MK-Artikel.)

Sabine Krebs und Svenja Siegert ARD-Sprecherinnen

Den Vertrag mit Winter und Fünfgeld hat der WDR am 4. November 2019 abgeschlossen. Der Ausschreibung zufolge beträgt das Honorar für die Dienstleistungen der beiden Berater insgesamt 580.000 Euro für die Jahre 2020 und 2021. Zudem gibt es die Option für eine Verlängerung des Vertrags um ein Jahr. Der WDR-Verwaltungsrat hatte im Juni 2019 „dem Abschluss eines Rahmenvertrags über die Erbringung von Kommunikationsleistungen“ zugestimmt, wie die Rundfunkanstalt auf Nachfrage erklärte.

Als Pressesprecherinnen der ARD arbeiten seit Anfang Januar 2020 Sabine Krebs und Svenja Siegert. Sie sind Birand Bingül unterstellt, der das ARD-Kommunikationsteam leitet. Bingül, 45, war zuletzt ab September 2018 Büroleiter von WDR-Intendant Buhrow und stellvertretender Leitung der Hauptabteilung Intendanz. Chef dieser Hauptabteilung ist seit August 2018 Helfried Spitra, 62.

Sabine Krebs, 49, arbeitete zuletzt beim BR als stellvertretende Pressesprecherin. Sie wechselte jetzt vom BR zum WDR. Zuvor war Krebs für den MDR, den NDR und das ZDF tätig. Als der MDR 2016 den ARD-Vorsitz übernahm, war Krebs bereits ARD-Sprecherin. Zuvor war sie ab 2008 bei der beim NDR angesiedelten Gemeinschaftseinrichtung ARD-aktuell Chefin vom Dienst (CvD) und Planerin für die Nachrichtensendungen „Tagesschau“, „Tagesthemen“, und „Nachtmagazin“. Davor arbeitete Krebs ab 1997 zunächst für das ZDF als Korrespondentin in Dresden und ab 2002 dann für den MDR von Leipzig aus unter anderem als Autorin. Krebs studierte ab 1990 Journalistik und Politikwissenschaft in Leipzig.

Svenja Siegert, 37, begann nach ihrem Studium in Trier (Medien- und Politikwissenschaft, Betriebswirtschaftslehre) im Jahr 2007 ein Volontariat beim Verlag Rommerskirchen, der damals das Fachmagazin „Journalist“ herausgab. Zwei Jahre später wurde sie Redakteurin beim „Journalist“. 2017 ging Siegert dann zum WDR und war dort zunächst in der Kommunikationseinheit tätig, die für den Rundfunkbeitrag zuständig war. Später wechselte sie in die Unternehmenskommunikation des WDR. Dort betreute sie unter anderem die Pressearbeit für das Hörfunkprogramm 1Live und für die „Sendung mit der Maus“.

29.02.2020 – vn/MK