Vorerst kein Drei-Stufen-Test zum Ausbau von sportschau.de

24.03.2021 •

Der vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) im vorigen Jahr angekündigte Ausbau des Online-Angebots sportschau.de kann ohne Drei-Stufen-Test umgesetzt werden. Ein solches Prüfverfahren sei nicht notwendig, entschied der WDR-Rundfunkrat in seiner Sitzung am 23. Februar, die coronabedingt in der Köln-Messe stattfand. Mit seiner Entscheidung folgte der Rundfunkrat der Position der WDR-Geschäftsleitung, dass – wie es im Rundfunkratsbeschluss heißt – der Ausbau „nicht das Resultat einer wesentlichen inhaltlichen Änderung des Gesamtangebots oder der Zielgruppen ist“. Nach Auffassung des Rundfunkrats ist „ein neues oder verändertes Telemedienkonzept für sportschau.de und somit ein Drei-Stufen-Test zum jetzigen Zeitpunkt nicht erforderlich“.

Im Mai 2020 hatte der WDR-Rundfunkrat eine Sachkommission eingesetzt, die seitdem prüfte, ob im Fall von sportschau.de ein Drei-Stufen-Test nötig wäre (vgl. MK-Meldung). Die Sachkommission hatte dem Rundfunkrat zuletzt bereits empfohlen, kein solches Prüfverfahren einzuleiten. Der WDR, der innerhalb der ARD federführend für sportschau.de zuständig ist, hatte 2020 gegenüber der MK erklärt, bei dem Portal sei bis 2022 „eine jährliche Verstärkung für technische Entwicklung und für redaktionelle Belange vorgesehen“. Um welche finanziellen Beträge es dabei geht, teilte der Sender damals nicht mit.

Stellenanzahl deutlich erhöht

Hintergrund für den Ausbau von sportschau.de ist eine Entscheidung der ARD-Intendanten vom November 2019, die sogenannten „Big-Five“-Plattformen des Senderverbundes auszubauen und dort Kräfte zu bündeln (vgl. MK-Meldung). Bei diesen fünf Portalen handelt es sich neben sportschau.de noch um die ARD-Mediathek, die ARD-Audiothek, um tagesschau.de und die Online-Angebote für Kinder (Kika-Player). Was den Ausbau von sportschau.de angeht, hatte der WDR im Sommer 2020 fünf neue Vollzeitstellen ausgeschrieben. Bis dato gab es sieben Stellen, so dass sich nun die Stellenzahl um rund 70 Prozent auf 12 erhöht hat. Außerdem arbeiten bei dem Portal, das neben der Webseite auch auf mehreren Social-Media-Plattformen eigene Kanäle betreibt, nach wie vor regelmäßig etwa 15 freie Mitarbeiter.

Der WDR hat, wie er auf MK-Nachfrage erklärte, mehrere der neu geschaffenen Stellen bereits besetzt, bevor der Rundfunkrat darüber entschieden hatte, ob der Ausbau bei sportschau.de in einem Drei-Stufen-Test geprüft werden muss oder nicht. Dieses Vorgehen sieht der WDR nicht als problematisch an: „Die Stellen durften unabhängig von der Entscheidung des Rundfunkrats zu der Frage, ob für den Ausbau von sportschau.de ein Drei-Stufen-Test nötig sei, besetzt werden. Dafür sind die im WDR maßgeblichen Entscheidungswege eingehalten worden“, teilte der WDR hierzu der MK mit. Wie hoch die Gesamtkosten von sportschau.de in den Jahren 2019 und 2020 jeweils ausfielen und wie hoch sie 2021 sein sollen, dazu machte der WDR auf Nachfrage keine Angaben.

Der WDR-Rundfunkrat verwies in seinem Newsletter vom 23. Februar ferner darauf, dass die ARD derzeit ihre insgesamt rund 40 Telemedienkonzepte überarbeite. Dazu gehört auch das Konzept zu sportschau.de ebenso wie die Konzepte zur ARD-Mediathek, zu tagesschau.de und zu den einzelnen Web-Auftritten der neun Landesrundfunkanstalten. Vorgesehen ist, dass die ARD-Sender die überarbeiteten Konzepte im Sommer 2021 den jeweils zuständigen Rundfunkräten vorlegen.

Drei-Stufen-Test beim Deutschlandradio

Die Gremien müssen dann beurteilen, ob sich Inhalte und Zielgruppen durch die neuen Telemedienkonzepte so verändern, dass ein Drei-Stufen-Test nötig werden würde. Möglicherweise stufen die Sender ihre überarbeiteten Konzepte aber auch von vornherein als wesentlich verändert ein, so dass zwangsläufig Drei-Stufen-Tests einzuleiten wären. Es könnte also sein, dass es ein solches Prüfverfahren zu sportschau.de beim WDR-Rundfunkrat doch noch geben wird.

Im Medienstaatsvertrag heißt es, dass neue oder wesentlich geänderte Telemedienkonzepte von den Rundfunkräten der Anstalten in Drei-Stufen-Tests geprüft werden müssen. Eine wesentliche Änderung liegt laut Medienstaatsvertrag „insbesondere dann vor, wenn die inhaltliche Gesamtausrichtung des Telemedienangebots oder die angestrebte Zielgruppe verändert wird“. Erst nach einer Zustimmung des jeweiligen Rundfunkrats dürfen die gegebenenfalls auch von den Gremien modifizierten Telemedienkonzepte von den Sendern umgesetzt werden.

Es wird erwartet, dass mindestens der überwiegende Teil der aktuell in Überarbeitung befindlichen ARD-Telemedienkonzepte in Drei-Stufen-Tests geprüft werden muss. Beim ZDF wurde das entsprechende Testverfahren im September 2020 abgeschlossen (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung). Im erweiterten ZDF-Telemedienkonzept wurde unter anderem festgelegt, dass der Sender Formate auch ausschließlich für die Verbreitung im Netz produzieren kann („Online-Only“), dass er Fernsehsendungen länger in seiner Mediathek zum Abruf bereitstellen und dass er stärker Drittplattformen wie YouTube nutzen kann. Beim Deutschlandradio hat dessen Hörfunkrat im Dezember 2020 beschlossen, dass das neue Telemedienkonzept der Sendeanstalt in einem Drei-Stufen-Test geprüft wird. Seitdem läuft das Testverfahren.

24.03.2021 – vn/MK

Print-Ausgabe 7/2021

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