Videostreaming: TV Now von RTL hat 800.000 Abonnenten

29.05.2020 •

Die deutsche RTL-Gruppe hat für ihr Streaming-Angebot TV Now bisher gut 800.000 Abonnenten gewinnen können. Auf diese Kundenanzahl kommt nach MK-Informationen TV Now mit Stand von Ende März. Am 30. April legte die internationale RTL Group ihre Wirtschaftszahlen für das erste Quartal 2020 vor. In dem Quartalsbericht nannte die RTL Group lediglich eine gemeinsame Abonnentenzahl in Höhe von 1,53 Mio für TV Now in Deutschland und ihren niederländischen Streaming-Anbieter Videoland (mit Stand vom 31. März). Die Umsätze, die TV Now und Videoland im ersten Quartal 2020 erzielten, beliefen sich zusammen auf 37 Mio Euro – 19,4 Prozent mehr als im Vorjahresquartal (31 Mio Euro).

Videoland gehört seit 2013 zur RTL Group und hat mit Stand von Ende März knapp 800.000 Abonnenten. Getrennte Kundenzahlen für TV Now und Videoland weist die zum Bertelsmann-Konzern gehörende RTL Group nicht aus. Die gemeinsame Abonnentenzahl von TV Now und Videoland stieg zum 31. März 2020 um 34 Prozent im Vergleich zum Quartalsende des Vorjahres an. Nach Angaben der RTL Group fiel die Wachstumsrate bei beiden Streaming-Angeboten seit Mitte März infolge der Ausgangsbeschränkungen in beiden Ländern aufgrund der Corona-Pandemie noch höher aus.

Auf Wachstumskurs

Was TV Now anbelangt, dürfte die deutsche RTL-Gruppe mit ihrem Streaming-Portal, bleibt es bei der bisherigen Zuwachsrate, wohl zum Jahresende 2020 die Millionenmarke erreichen. TV Now in Deutschland hat im Vergleich zu Videoland in den Niederlanden noch ein größeres Wachstumspotenzial. Aktuell haben beide Streaming-Portale fast gleich viele Abonnenten, obwohl die Einwohnerzahl Deutschlands fünfmal größer ist als die der Niederlande. Die RTL Group hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 für TV Now und Videoland zusammen zwischen 5 Mio bis 7 Mio Abonnenten zu gewinnen. Den Umsatz, den die beiden Portale dann erwirtschaften sollen, taxiert der Konzern auf mehr als 500 Mio Euro. 2019 betrug der Umsatz 135 Mio Euro. Bis 2025 soll bei TV Now und Videoland die Gewinnschelle erreicht sein.

Die Videoplattform der deutschen RTL-Gruppe gibt es seit Januar 2007. Sie hieß zunächst RTL Now, später Now TV und seit dem 1. März 2016 TV Now. Es ist das zentrale Portal der in Köln ansässigen Unternehmensgruppe und bietet Zugang zu den Inhalten der RTL-Programme, darunter RTL, Vox, RTL 2, Super RTL, Nitro, RTL plus und n-tv. Ende 2018 war TV Now deutlich ausgebaut worden, so dass es seither auch exklusiv für TV Now eingekaufte Serien und eigenproduzierte Formate, vor allem aus dem Reality-Bereich, darunter die Shows „Paradise Hotel“, „Are You the One?“ (vgl. MK-Kritik) und „Prince Charming“ (letztere wurde in diesem Jahr mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet; vgl. MK-Meldung).

Seit April 2020 lässt sich TV Now in vier verschiedenen Varianten nutzen. Eine davon ist die kostenfreie, werbefinanzierte Version, die es dem Nutzer ermöglicht, bestimmte Sendungen aus den RTL-Programmen noch sieben Tage nach ihrer linearen Ausstrahlung online abzurufen. Hinzu kommen inzwischen drei Abo-Pakete („Live only“, „Premium“ und seit dem 6. April 2020 „Premium plus“).

Über „Live only“ können die Fernsehprogramme, die zur RTL-Gruppe gehören, im Livestream genutzt werden, allerdings nur in der digitalen Standardauflösung (SD). Der Abo-Preis beträgt 2,99 Euro pro Monat. Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Unternehmensgruppe am 24. März entschieden, die Livestreams kostenfrei anzubieten, so dass seitdem nur noch eine Registrierung erforderlich ist. Die Sonderaktion soll aber spätestens Ende Juni auslaufen. Über das „Premium“-Paket, das mit monatlich 4,99 Euro zu Buche schlägt, lassen sich in hochauflösender Qualität (HD) sowohl die TV-Programme als auch die On-Demand-Inhalte abrufen, darunter auch eigenproduzierte Formate und angekaufte Lizenzware. Trotz Abo-Gebühr gibt es auch im „Premium“-Bereich vor dem Start etwa einer Serienfolge einen Werbeclip.

Drei verschiedene Abo-Pakete

Der im April neu geschaffene „Premium-plus“-Bereich (7,99 Euro monatlich) ermöglicht es Abonnenten, die Angebote der TV-Now-Plattform in HD-Qualität dann auch über zwei Geräte parallel zu nutzen. Werbeclips gibt es dabei nicht zu sehen, wenn Einzelinhalte abgerufen werden (die Livestreams der RTL-Programme enthalten natürlich weiterhin Werbeblöcke). Über „Premium plus“ können ferner bestimmte Serien aus den USA und Kanada – darunter „Why Women Kill“, „The Truth About the Harry Quebert Affair“ und „Schitt’s Creek“ – in der englischsprachigen Originalfassung abgerufen werden. Dieses Angebot soll sukzessive erweitert werden. Vorgesehen ist für Ende 2020, das „Premium-plus“-Paket um eine Download-Funktion zu ergänzen.

Um im Fiction-Bereich die Attraktivität von TV Now zu steigern, hatten die Verantwortlichen zuletzt ein Dutzend neue Serien angekündigt. Auf diesem Feld ist TV Now – im Vergleich zur von Pro Sieben Sat 1 und Discovery betriebenen Streaming-Plattform Joyn (inklusive Joyn plus) – bisher schwächer aufgestellt. Bei TV Now gibt es als eigenproduzierte Serie bislang nur „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (vgl. MK-Kritik), entstanden in Koproduktion mit dem öffentlich-rechtlichen Österreichischen Rundfunk (ORF).

Ende Februar wurde bekannt, dass die von den Produktionsfirmen Story House, Satel und Beta Film bereits im November 2019 angekündigte sechsteilige Serie „Sisi“ in Deutschland zuerst bei TV Now zu sehen sein wird. Wenige Tage zuvor, im Rahmen der Berlinale, hatte TV Now mitgeteilt, elf Serien beauftragt zu haben, die 2020 und 2021 laufen sollen. Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Stopp von Dreharbeiten dürften bei den einzelnen Projekten aber zu zeitlichen Verzögerungen führen. Davon geht man bei TV Now jedenfalls aus, wie eine Sprecherin auf MK-Nachfrage erklärte. Sie verwies jedoch darauf, dass die jeweiligen Serienprojekte sich in unterschiedlichen Stadien befänden und nicht allesamt bereits in der Drehphase seien. Aktuell lasse sich nicht sagen, wann die erste der elf neu beauftragten Serien bei TV Now abrufbar sein werde.

Neue eigenproduzierte Serien

Drei der elf neuen Serien produziert das Unternehmen Ufa Fiction, das ebenfalls Teil der RTL-Gruppe ist. Es handelt sich dabei um „Der König von Palma“ mit Henning Baum in der Hauptrolle, „Die Zeugen“ mit Alexandra Maria Lara in der Hauptrolle und „Disko Bochum“ über das Aufkommen der Disko-Bewegung in den 1970er Jahren. Constantin Film liefert zwei Produktionen zu. Die Serie „Glauben“ nach einem Drehbuch von Ferdinand von Schirach ist angelehnt an den Justizskandal um die sogenannten Wormser Prozesse, in denen in den 1990er Jahren 25 Personen aus der Region Worms wegen massenhaften Kindesmissbrauchs angeklagt, vom Gericht aber freigesprochen wurden. Die Serie „Wolfsburg“ (Arbeitstitel) erzählt die Geschichte eines Entwicklungsingenieurs eines großen deutschen Automobilkonzerns rund um den späteren Abgasskandal.

„Unter Freunden stirbt man nicht“ lautet der Titel der Miniserie, die Keshet Tresor Fiction mit Iris Berben, Heiner Lauterbach, Adele Neuhauser, Walter Sittler und Michael Wittenborn für TV Now produziert. Inhalt der Geschichte: Vier Freunde müssen den Tod eines weiteren Freundes für mehrere Tage geheimhalten, damit der den Nobelpreis gewinnen kann. Außerdem beauftragte TV Now zwei Comedy-Serien: Die Firma Network Movie, die zum ZDF gehört, produziert mit Christoph Maria Herbst („Stromberg“) in der Hauptrolle die Serie „Tilo Neumann und das Universum“ und die Endmol-Shine-Tochterfirma Made For produziert „Mirella Schulze rettet die Welt“ von Autor Ralf Husmann („Stromberg“, „Merz gegen Merz“). Hinzu kommen noch die drei Serien „Tonis Welt“ (produziert von Bantry Bay), „Herzogpark“ (Letterbox) und „Torstraße 1“ (Arbeitstitel; X Filme).

29.05.2020 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 13-14/2020

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