US-Finanzinvestor KKR steigt wieder bei der Pro‑Sieben-Sat‑1‑Gruppe ein

30.05.2020 •

Rund sechs Jahre nach seinem Ausstieg bei der Pro-Sieben-Sat‑1-Gruppe ist der US-amerikanische Finanzinvestor KKR nun wieder Anteilseigner des börsennotierten deutschen Medienkonzerns. Seit dem 8. Mai hält KKR ein Aktienpaket in Höhe von 3,21 Prozent, wie aus einer am 11. Mai von Pro Sieben Sat 1 veröffentlichten Mitteilung hervorgeht. Außerdem hat KKR die Möglichkeit, ein weiteres Aktienpaket von Pro Sieben Sat 1 in Höhe von zwei Prozent über eine sogenannte Call Option bis spätestens zum 3. Juli zu erwerben.

Medienberichten zufolge betrachtet KKR den Einstieg bei Pro Sieben Sat 1 als Finanzgeschäft. KKR hält die Pro-Sieben-Sat-1‑Aktie aktuell für unterbewertet und erwartet somit einen steigenden Kurs. Am 8. Mai kostete eine Pro-Sieben-Sat‑1-Aktie 9,71 Euro (Schlusskurs). Seitdem die Aktie im November 2015 mit 50,70 Euro ihren Höchststand hatte, fiel der Kurs stetig ab und erreichte am 18. März 2020 mit 5,87 Euro seinen bisherigen Tiefststand.

Die Rolle von Mediaset

KKR hatte Ende 2006 zusammen mit dem britischen Finanzinvestor Permira die Pro-Sieben-Sat‑1-Gruppe übernommen. Als in den Folgejahren der Aktienkurs des TV-Konzerns massiv anstieg, nutzten KKR und Permira dies, um ab Sommer 2013 gewinnbringend bei der Fernsehgruppe auszusteigen. Ihr letztes Aktienpaket verkauften die Finanzinvestoren im Januar 2014. KKR und Permira sollen zusammen einen Gewinn von rund einer halben Milliarde Euro mit ihrem Engagement bei Pro Sieben Sat 1 gemacht haben (vgl. hierzu FK-Hefte Nr. 51‑52/06 und Nr. 4/14). Seit 2019 ist KKR außerdem mit knapp 48 Prozent größter Anteilseigner des Axel-Springer-Konzerns. Ebenfalls seit 2019 gehört KKR die Leonine-Gruppe, die aus der Tele-München-Gruppe und weiteren aufgekauften Fernseh- und Filmproduktionsfirmen entstand und von Fred Kogel geleitet wird.

Bei der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe ist inzwischen der italienische Konzern Mediaset größter Aktionär. Mediaset wird von der Familie des früheres italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi über deren Fininvest-Holding kontrolliert. Aktuell gehört Mediaset ein Pro-Sieben-Sat-1-Aktienpaket in Höhe von bis zu 24,9 Prozent. Das teilte Mediaset am 23. April mit. Am 14. April hatte das Bundeskartellamt eine Beteiligung von Mediaset an der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe bis zu dieser Höhe freigegeben. Ende Mai 2019 war Mediaset bei Pro Sieben Sat 1 eingestiegen und baute dann in der Folge seinen Anteil sukzessive aus. Allerdings belaufen sich die Stimmrechtsanteile von Mediaset bei Pro Sieben Sat 1 bisher nur auf rund acht Prozent.

Was die weiteren Pläne von Mediaset in Bezug auf Pro Sieben Sat 1 sind, ist offen. Möglicherweise wird es hierzu nähere Informationen im Rahmen der Hauptversammlung von Pro Sieben Sat 1 geben. Das Aktionärstreffen findet am 10. Juni statt. Wegen der Coronakrise wird es als virtuelle Hauptversammlung ohne physische Präsenz der Anteilseigner oder ihrer Bevollmächtigten abgehalten. Mediaset könnte mit Pro Sieben Sat 1 eine engere Kooperation eingehen. Denkbar wäre auch eine Fusion zu einem späteren Zeitpunkt, um einen europäischen Medienkonzern zu schaffen. Im Juni 2019 hatte Mediaset die Gründung einer neuen, in den Niederlanden ansässigen Holding mit dem Namen Media for Europe (MFE) angekündigt, um darin die italienischen und spanischen Geschäftsaktivitäten zu bündeln. Der französische Medienkonzern Vivendi, der mit knapp 30 Prozent an Mediaset beteiligt ist, lehnt das MFE-Projekt jedoch ab, so dass es bisher nicht umgesetzt ist.

Czech Media Invest will Anteile aufstocken

Zweitgrößter Aktionär von Pro Sieben Sat 1 ist seit Mitte März mit zehn Prozent die Czech Media Invest (CMI), deren Stimmrechte aufgrund dieser Beteiligung ebenfalls zehn Prozent betragen. Das in Prag ansässige Unternehmen gehört dem tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky und seinen Geschäftspartnern Patrik Tkac und Roman Korbacka. Kretinsky gehören an CMI 50 Prozent, Tkac 40 und Korbacka zehn Prozent. Sein Pro-Sieben-Sat-1-Aktienpaket hält Czech Media Invest über die Tochtergesellschaft Ruby Equity Investment mit Sitz in Luxemburg. Ende März teilte CMI mit, innerhalb der nächsten zwölf Monate weitere Aktien an Pro Sieben Sat 1 erwerben zu wollen.

Die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe bekommt inzwischen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich zu spüren. Dabei geht es nicht nur um signifikant rückläufige Fernsehwerbeeinnahmen, sondern auch um das Produktionsgeschäft, in dem es aufgrund des Stopps von Dreharbeiten zu Verschiebungen von Projekten kommt. Pro Sieben Sat 1 erwartet, dass es coronabedingt in allen Konzernsegmenten „eine starke Beeinträchtigung“ geben wird.

Als Reaktion auf die Krise hat Management unter der Leitung des neuen Vorstandssprechers Rainer Beaujean bereits beschlossen, 2020 bei den Investitionen in das Programmangebot 50 Mio Euro (im Vergleich zu 2019) einzusparen. Der Konzern zog auch seine bisherige Finanzprognose für das Jahr 2020 zurück. Aufgrund der erheblichen wirtschaftlichen Unsicherheit wegen der Corona-Pandemie sieht sich das Management von Pro Sieben Sat 1 derzeit nicht in der Lage „einen verlässlichen Ausblick für das zweite Quartal und für das Gesamtjahr“ zu geben.

30.05.2020

Print-Ausgabe 13-14/2020

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