US-Finanzinvestor KKR nun größter Aktionär des Axel‑Springer‑Konzerns

30.08.2019 •

Der US-amerikanische Finanzinvestor KKR ist nun größter Aktionär des börsennotierten Axel-Springer-Konzerns. Seit dem 26. August befinden sich 43,5 Prozent der Aktien im Besitz von KKR, wie die beiden Unternehmen mitteilten. Am 21. August war die Frist abgelaufen, bis zu der Springer-Aktionäre ihre Anteilsscheine an KKR verkaufen konnten. Der Finanzinvestor hatte im Juni angekündigt, 63 Euro pro Aktie zu zahlen. Insgesamt gibt es 108 Mio Springer-Aktien.

Da KKR nun rund 47 Mio Papiere gekauft hat, die den Anteil von 43,5 Prozent ergeben, hat das Unternehmen insgesamt 2,9 Mrd Euro für den Einstieg bei Springer bezahlt. Hinzu kommen noch Transaktionskosten, die KKR auf bis zu 160 Mio Euro beziffert. Unter dem Strich hat der Deal, den KKR vor allem durch eigenes Geld finanziert, somit ein Finanzvolumen von rund 3 Mrd Euro. Zusätzlich hat sich der Investor auch noch eine Kreditfinanzierung durch die Unicredit Bank gesichert. KKR wurde in den USA im Jahr 1976 von den Geschäftsmännern Jerome Kohlberg Jr., Henry Kravis und George R. Roberts gegründet und ist heute weltweit an mehr als 100 Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen beteiligt.

Ein Drei-Milliarden-Deal

Der von KKR bekannt gegebene Kaufpreis von 63 Euro je Springer-Aktie entsprach einem deutlichen Aufschlag auf den Aktienkurs vom 29. Mai. An diesem Tag wurde nach Börsenschluss bekannt, dass KKR einen Einstieg bei Springer plant, was den Kurs in den folgenden Tagen stark ansteigen ließ. Am 29. Mai, dem letzten Handelstag, der unbeeinflusst von den Übernahmespekulationen war, kostete die Springer-Aktie 45,10 Euro. Im Vergleich zu diesem Kurs stockte KKR den Kaufpreis je Aktie um 17,90 Euro auf – und damit um 40 Prozent.

Der Springer-Konzern gibt unter anderem das Boulevardblatt „Bild“ und die Tageszeitung „Die Welt“ heraus und betreibt deren Online-Angebote. Außerdem gehören zum Unternehmen die News-App „Upday“, die Job-Plattform „Stepstone“, das Service-Portal Immowelt und die Preissuchmaschine Idealo. Teil von Springer ist auch der TV-Nachrichtensender ‘Welt’ und dessen Ableger N24 Doku. Im Geschäftsjahr 2018 erwirtschaftete Springer einen Umsatz von rund 3,2 Mrd Euro (plus 4 Prozent gegenüber 2017). Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 14 Prozent auf 737,9 Mio Euro. Der Anteil des Digitalgeschäfts am Umsatz belief sich 2018 auf 70,6 Prozent. In Bezug auf das Ebitda-Ergebnis waren es 84,3 Prozent.

Das von KKR vorgelegte Angebot zum Kauf der Aktien richtete sich nicht an Verlegerin Friede Springer, die 42,6 Prozent der Aktien hält, und den Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner, der 2,8 Prozent der Aktien besitzt. Mit Friede Springer und Mathias Döpfner hatte KKR eine Investorenvereinbarung abgeschlossen. Darin wurde unter anderem festgelegt, gemeinsam „die Wachstumsstrategie des Unternehmens zu unterstützen“ und „in weitere Wachstumsprojekte zur langfristigen Wertgenerierung zu investieren“, wie aus dem von KKR erstellten und von der Börsenaufsicht veröffentlichten Übernahmeangebot hervorgeht. KKR hat sich ferner verpflichtet, mindestens fünf Jahre lang die erworbenen Springer-Aktien nicht zu verkaufen.

Im Zusammenwirken mit Friede Springer

Im Einstieg von KKR mit 43,5 Prozent bei Springer sieht Döpfner nun „ein sehr starkes Fundament für die geplante strategische Partnerschaft mit KKR“. Innerhalb des Springer-Konzerns gibt es allerdings Befürchtungen, infolge der KKR-Beteiligung werde das Unternehmen künftig auf Rendite getrimmt, so dass aus diesem Grund bestimmte Geschäftsaktivitäten auf den Prüfstand gestellt würden, etwa die der „Welt“-Gruppe, die wirtschaftlich als defizitär gilt. Springer verwies jedoch darauf, dass in der Investorenvereinbarung mit KKR festgelegt worden sei, den Geschäftsbetrieb der „Welt“-Gruppe fortzuführen. Die Vereinbarung folge „dem Leitprinzip, dass Axel Springer weiterhin über sämtliche Kanäle hinweg eine führende Stimme für unabhängigen Journalismus sein wird“. Nach Angaben von Springer ist in der Investorenvereinbarung mit KKR darüber hinaus geregelt, dass „keine Entscheidungen auf Gesellschafterebene ohne die Zustimmung von Friede Springer getroffen werden können“.

Das heißt, KKR kann als neuer Großaktionär des in Berlin angesiedelten Unternehmens nur im Zusammenwirken mit Friede Springer agieren. Der Springer-Konzern sieht dadurch „die Kontinuität in Bezug auf die Governance und die Unternehmensführung gewährleistet“. Der derzeitige Vorstand, dem neben dem Vorstandsvorsitzenden Döpfner noch vier weitere Mitglieder angehören, wird im Amt bleiben. Der Springer-Aufsichtsrat wird auch künftig aus neun Personen gebildet. An dessen Spitze soll laut KKR ein unabhängiger Vorsitzender stehen. Maximal vier Sitze im Aufsichtsrat wird der Finanzinvestor künftig besetzen.

An KKR haben nun auch die beiden Enkel von Konzerngründer Axel Springer, Axel Sven Springer und Ariane Melanie Springer, Teile ihrer Aktien verkauft. Beide veräußerten etwas mehr als ein Drittel ihres gemeinsamen Aktienpakets (9,8 Prozent). Sie halten jetzt zusammen noch etwas mehr als 6 Prozent an Springer. Der überwiegende Teil der Springer-Aktien ist nun im Besitz von KKR (43,5 Prozent), Friede Springer (42,6 Prozent), den beiden Springer-Enkeln (rund 6 Prozent) und von Mathias Döpfner (2,8 Prozent).

Nur noch zirka 5 Prozent der Aktien befinden sich aktuell in Streubesitz und wären handelbar. Aufgrund dieser geringen Streubesitzquote und der damit eingeschränkten Handelsmöglichkeit hat die Deutsche Börse am 26. August entschieden, die Springer-Aktie aus dem MDAX, dem Segment für mittelgroße börsennotierte Firmen, herauszunehmen. Seit dem 29. August ist Springer dort nicht mehr gelistet. KKR hat im Zuge des Einstiegs bei Springer erklärt, das Unternehmen von der Börse nehmen zu wollen.

Rückzug von der Börse

Der Einstieg von KKR bei Springer steht noch unter dem Vorbehalt, dass er kartell- und medienrechtlich genehmigt wird. Die Europäische Kommission in Brüssel ist aufgrund der hohen Umsätze der beteiligten Unternehmen für die wettbewerbsrechtliche Prüfung zuständig. Hierzulande muss außerdem die Medienaufsicht bzw. die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) grünes Licht geben. In beiden Fällen erwarten die Beteiligten keine Probleme; der Deal soll bis spätestens im ersten Quartal 2020 abgeschlossen werden. In Deutschland ist KKR zwar seit einigen Monaten wieder in größerem Stil im Medienbereich aktiv, doch dadurch werden die geltenden Schwellenwerte des im Rundfunkstaatsvertrag verankerten fernsehbasierten Medienkonzentrationsrechts bei weitem nicht erreicht.

Im Februar 2019 hatte KKR den Kauf der Tele-München-Gruppe (TMG) des österreichischen Filmkaufmanns Herbert Kloiber bekannt gegeben. Zur TMG zählen unter anderem eine umfangreiche TV-Programmbibliothek, Geschäftsaktivitäten im Fernsehproduktionsgeschäft und im Filmverleih sowie der Privatsender Tele 5 und eine Beteiligung am Sender RTL 2. Wenige Wochen später kaufte KKR auch noch die Produktionsfirmen Universum Film (von der RTL-Gruppe), I&U TV (Günther Jauch) und Wiedemann & Berg Film. Ziel von KKR ist es, in Deutschland eine „führende unabhängige audiovisuelle Content-Plattform“ aufzubauen. Umsetzen soll dies als Chief Executive Officer (CEO) Fred Kogel. Den langjährigen Medienmanager verpflichtete KKR im Februar 2019 für diese Aufgabe (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung).

Bis Anfang 2014 war KKR in Deutschland im Medienbereich Aktionär der börsennotierten Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe. Ende 2006 hatte das Unternehmen zusammen mit dem britischen Finanzinvestor Permira Pro Sieben Sat 1 übernommen. Als in den Folgejahren der Aktienkurs des TV-Konzerns massiv stieg, nutzten KKR und Permira dies, um ab Sommer 2013 gewinnbringend bei der TV-Gruppe auszusteigen. Ihr letztes Aktienpaket verkauften die Finanzinvestoren im Januar 2014. KKR und Permira sollen zusammen rund eine halbe Milliarde Gewinn mit ihrem Engagement bei Pro Sieben Sat 1 gemacht haben (vgl. hierzu FK-Hefte Nr. 51-52/06 und 4/14).

30.08.2019 – Volker Nünning/MK